Die Prämien der obligatorischen Krankenversicherung werden im kommenden Jahr gemäss dem Vergleichsdienst Comparis im Durchschnitt um rund 5 Prozent steigen. Damit setzen sich die finanziellen Belastungen für Versicherte fort: Nach einer Erhöhung von 4,4 Prozent für 2026 steht bereits für das nächste Jahr erneut ein deutlicher Anstieg an.
Gründe für die Zunahme
Comparis-Versicherungsexperte Harry Büsser nennt drei zentrale Ursachen für die erwartete Prämiensteigerung. Erstens übernimmt die Grundversicherung zunehmend Kosten für neue Medikamente, Therapien und medizinische Leistungen. Zweitens liegen die tatsächlichen Kosten im Jahr 2026 offenbar höher als bei der Prämienfestsetzung erwartet. Drittens erschweren verzögerte Abrechnungen die Planung der Versicherer und führen zu Unsicherheiten bei der Einschätzung des realen Kostenwachstums.
«Wer die Prämien bremsen will, muss das Kostenwachstum bremsen»
Comparis verweist beim Kostenwachstum auf Zahlen aus dem Kostenmonitoring des Bundes. Dort zeigen sich deutliche Steigerungen in einzelnen Leistungskategorien: Spitex-Leistungen lagen im zweiten Quartal 2026 rund 15 Prozent über dem Vorjahr, die psychologische Psychotherapie stieg um rund 11 Prozent, und die Physiotherapie um rund 7 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnen die Krankenversicherer laut Bundesamt für Gesundheit mit einem Kostenwachstum von knapp über 5 Prozent.
Finanzielle Puffer und Nachholbedarf
Die Reserven der Krankenversicherer haben sich laut Comparis wieder stabilisiert und werden mit rund 8,6 Milliarden Franken angegeben. Dennoch reichen diese Rücklagen nach Einschätzung von Comparis nicht aus, um erwartete Mehrausgaben vollständig aufzufangen. Daraus ergibt sich für 2027 ein zusätzlicher Nachholbedarf, da die Prämieneinnahmen 2026 voraussichtlich die Kosten nicht vollständig decken werden.
- Durchschnittliche Prämienerhöhung: rund 5 Prozent
- Vorjahr (2026): Erhöhung um 4,4 Prozent
- Reservestände der Versicherer: rund 8,6 Milliarden Fr.
- Erwartetes Kostenwachstum 2026 (Branche): knapp über 5 Prozent
Tarifumstellung und Abrechnungsverzögerungen
Seit Anfang 2026 gelten für ambulante ärztliche Leistungen die neuen Regelungen TARDOC und ambulante Pauschalen. Die Tarifumstellung hat insbesondere bei Spitälern zu Abrechnungsverzögerungen geführt. Dadurch liegen noch nicht alle Rechnungen vor, die für eine vollständige Beurteilung der Kostenentwicklung wichtig wären. Comparis warnt, dass das bisher beobachtete Kostenwachstum von lediglich 0,4 Prozent im zweiten Quartal auf bereits verarbeitete Rechnungen zurückgeht und somit ein unvollständiges Bild zeichnen kann. Wie stark ein möglicher Nachholeffekt ausfällt, ist bislang offen.
| Indikator | Veränderung / Wert |
|---|---|
| Durchschnittliche Prämienerhöhung (nächstes Jahr) | ~5 % |
| Prämienerhöhung 2026 | 4,4 % |
| Reservestände Krankenversicherer | 8,6 Mrd. Fr. |
| Spitex (Q2 2026 gegenüber Vorjahr) | +15 % |
| Psychologische Psychotherapie (Q2 2026) | +11 % |
| Physiotherapie (Q2 2026) | +7 % |
| Branchenprognose Kostenwachstum 2026 | knapp >5 % |
Folgen für Versicherte und Politik
Für die Versicherten bedeutet eine durchschnittliche Erhöhung von rund 5 Prozent zusätzliche Belastungen, die je nach Kanton, Versicherungsmodell, gewählter Franchise und individueller Police unterschiedlich ausfallen. Comparis weist darauf hin, dass die Höhe der effektiven Belastung stark von diesen Faktoren abhängt.
Politisch stellt sich die Frage nach Massnahmen zur Eindämmung des Kostenwachstums. Büsser betont, dass eine Drosselung der Prämien nur durch eine wirksame Begrenzung des Kostenwachstums möglich sei. Diskutiert werden in der öffentlichen Debatte verschiedene Ansätze, etwa Massnahmen zur Effizienzsteigerung in der Spitex und ambulanten Versorgung, Regulierungen bei neuen Leistungen oder Anpassungen bei der Finanzierung medizinischer Innovationen. Konkrete politische Entscheide sind bisher in der vorliegenden Meldung nicht enthalten.
Die Lage bleibt flexibel: Solange noch unsichere Abrechnungen ausstehen, kann die tatsächliche Entwicklung der Kosten und damit der kantonalen Prämienanpassungen für das nächste Jahr noch variieren. Versicherte werden in den kommenden Monaten genau beobachten, wie Kantone und Versicherer auf die vorliegenden Daten reagieren.