Gesetzliche Feiertage verursachen nach Berechnungen des Leibniz‑Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim weniger wirtschaftliche Einbussen als vielfach angenommen. Die Forscher beziffern den jährlichen Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts auf zwischen 0,06 und 0,28 Prozent, je nachdem, wie stark die Effekte auf das gesamte Wirtschaftsleben übertragen werden.
Methodik und Befunde
Die Analyse stützt sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes aus den Jahren 2005 bis 2019. Sie untersucht, wie sich zusätzliche arbeitsfreie Tage über das Jahr verteilt auf Produktion, Umsätze und geleistete Arbeitsstunden auswirken. Die Bandbreite von 0,06 bis 0,28 Prozent des BIP entsteht, weil die Forscher zwei Annahmen gegenüberstellen: Entweder sind vor allem das verarbeitende Gewerbe und seine direkte Produktion betroffen, oder die Effekte würden auf die gesamte Wirtschaft durchschlagen.
Wichtig ist: Viele Unternehmen gleichen Teile der Produktionsausfälle aktiv aus. Die Autoren nennen Überstunden und Anpassungen der Arbeitsabläufe als typische Kompensationsmechanismen. Das führt dazu, dass der Nettoeffekt auf die Wirtschaftsleistung überschaubar bleibt.
«Feiertage seien nicht kostenlos», betonte Studienautor Brüll. Die ökonomischen Kosten blieben jedoch überschaubar und ließen Raum für gesellschaftliche Abwägungen.
Branchenunterschiede und kurzfristige Anpassungen
Die Untersuchung zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Sektoren. Im verarbeitenden Gewerbe lassen sich Effekte besonders gut messen: In Monaten, in denen ein Feiertag auf einen Sonntag fällt und damit nicht zu einem zusätzlichen arbeitsfreien Tag führt, verzeichnen Betriebe laut Studie rund 3 Prozent höhere Umsätze je Beschäftigtem. Gleichzeitig steigt die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in diesen Monaten um rund 2,5 Prozent.
Gleichzeitig profitieren andere Branchen von Feiertagen. Als Beispiel nennen die Forscher das Gastgewerbe, das an arbeitsfreien Tagen tendenziell höhere Nachfrage verzeichnet. Unternehmen reagieren also nicht nur mit Mehrarbeit, sondern auch mit einer Verschiebung von Produktion und Dienstleistungsspitzen.
Folgen für Politik und Gesellschaft
Die Autoren betonen, dass die ökonomischen Kosten von Feiertagen zwar vorhanden, aber begrenzt sind. Damit bliebe Spielraum für politische und gesellschaftliche Entscheidungen, die über rein wirtschaftliche Aspekte hinausgehen – etwa Fragen der Erholung, Gesundheit oder sozialer Beziehungen. Solche langfristigen, nicht‑monetären Effekte wurden in der Studie jedoch nicht bewertet.
Für die Praxis lassen sich aus den Ergebnissen mehrere Schlussfolgerungen ziehen:
- Die direkten gesamtwirtschaftlichen Kosten zusätzlicher Feiertage sind begrenzt, liegen aber je nach Annahme zwischen 0,06 und 0,28 Prozent des BIP.
- Betriebe kompensieren teils durch Überstunden oder Anpassungen in der Produktion, was kurzfristige Belastungen verringert.
- Branchen reagieren unterschiedlich: Während das verarbeitende Gewerbe Einbussen ausgleichen muss, profitiert etwa das Gastgewerbe von arbeitsfreien Tagen.
Kurze Tabelle zur Übersicht
| Grösse | Wert / Effekt |
|---|---|
| Geschätzte BIP‑Einbusse pro Feiertag | 0,06–0,28 % |
| Mehrumsatz je Beschäftigtem (Monate ohne zusätzl. Feiertag) | ≈ 3 % |
| Mehr geleistete Arbeitsstunden (gleiche Monate) | ≈ 2,5 % |
Insgesamt liefert die ZEW‑Studie eine differenzierte Sicht auf ein politisch sensibles Thema: Feiertage haben ökonomische Kosten, diese fallen aber vergleichsweise bescheiden aus. Für Entscheidungen über die Einführung weiterer arbeitsfreier Tage oder die Verschiebung bestehender Regelungen ist daher eine Abwägung zwischen wirtschaftlichen Effekten und sozialen, gesundheitlichen sowie kulturellen Vorteilen angebracht. Langfristige und qualitative Nutzenfaktoren wie verbesserte Gesundheit oder soziale Bindungen blieben in der vorliegenden Analyse ausserhalb des Untersuchungsrahmens und müssten separat bewertet werden.
Für die Schweiz ist die Untersuchung ein nützlicher Anhaltspunkt: Trotz unterschiedlicher Struktur der Volkswirtschaft und anderer Feiertagsregelungen dürfte das Grundmuster gelten — Kompensation durch Anpassungen, Sektorunterschiede und ein begrenzter makroökonomischer Effekt.