Bildung

Berlin führt Tablet-Tipptraining OTTER in dritten Klassen ein — Ausbau digitaler Kompetenzen startet früh

Ab dem 25. September 2026 steht Berliner Schulen das Online-Tool OTTER zur Verfügung, das Drittklässler im Umgang mit Tablet-Tastaturen schult. Der Schritt ergänzt den bereits weit vorangetriebenen Glasfaserausbau in der Stadt und zielt darauf ab, digitale Grundfertigkeiten frühzeitig zu festigen.

Berlin führt Tablet-Tipptraining OTTER in dritten Klassen ein — Ausbau digitaler Kompetenzen startet früh
©Illustration KI Franziska Lüthi / we-news.com

Berliner Schulen erhalten seit dem 25. September 2026 eine neue digitale Lernhilfe für Drittklässler: Das Online-Tool OTTER soll Schülerinnen und Schüler beim Erlernen der Tablet-Tastatur und grundlegender digitaler Kompetenzen unterstützen. Die Funktion kann direkt im Unterricht eingesetzt werden und dient zugleich als Vorbereitung auf die digital durchgeführten Vergleichsarbeiten VERA 3.

Kontext und Zielsetzung

OTTER wurde vom Institut für Schulqualität des Landes Berlin e.V. (ISQ) bereitgestellt. Ergänzend hat das Berliner Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung an Schulen (BLiQ) eine Handreichung für Lehrkräfte veröffentlicht, die Inhalte und Einsatzmöglichkeiten des Tools erläutert. Ziel ist nicht primär eine Leistungsdiagnostik für Zeugnisse, sondern die Förderung von Unterrichts- und Schulentwicklung sowie die Stärkung digitaler Basiskompetenzen bereits in den frühen Schuljahren.

Infrastruktur als Voraussetzung

Die Einführung von OTTER steht nicht isoliert: Berlin hat in den vergangenen Jahren intensiv in die digitale Infrastruktur seiner Schulen investiert. Aktuell verfügen alle rund 700 öffentlichen Schulen über einen Glasfaseranschluss, wie es in den Berichten heisst. Davon profitieren etwa 35 000 Lehrkräfte sowie rund 400 000 Schülerinnen und Schüler. Der Breitbandausbau erfolgte im Rahmen des Programms «Breitband- und WLAN-Ausbau der Berliner Schulen» (BWAS) mit dem Ziel, flächendeckend leistungsfähige Internetzugänge sicherzustellen.

Didaktik und praktische Nutzung

Das Tool bietet spielerische Übungen zum Tippen auf Tablets und Computern und gibt den Lernenden kontinuierliches Feedback. Lehrkräfte erhalten eine Übersicht, mit der sie den Arbeitsfortschritt und die Tippgeschwindigkeit der Schülerinnen und Schüler überwachen können. Laut ISQ soll OTTER den Unterricht unterstützen, ohne die Lehrpersonen zu ersetzen: Es bleibt Aufgabe der Schulen, die Übungen didaktisch in den Unterricht einzubetten.

  • Zielgruppe: Drittklässler, Vorbereitung auf VERA 3
  • Bereitstellung: Institut für Schulqualität des Landes Berlin e.V. (ISQ)
  • Lehrmaterial: Handreichung des BLiQ für Lehrkräfte

Chancen und Voraussetzungen für die Schweiz

Die Berliner Initiative verweist auf zwei für die Schweiz relevante Schlussfolgerungen: Erstens ist digitale Bildung in frühen Jahrgängen wirksam verknüpft mit einer verlässlichen technischen Infrastruktur. Ohne stabile Internetzugänge, Gerätenutzung und technische Betreuung verlieren digitale Tools ihre Wirkung. Zweitens braucht es begleitende Fortbildung und klare didaktische Vorgaben, damit Lehrpersonen die digitalen Anwendungen sinnvoll integrieren.

Für Kantone und Gemeinden in der Schweiz bedeutet das: Investitionen in Glasfaser und Schulnetzwerke sind notwendig, aber nicht ausreichend. Es braucht zusätzlich curricular abgestützte Konzepte, Fortbildungen für Lehrpersonen sowie Instrumente zur Bewertung des Lernfortschritts, die über reine Technikanwendung hinausgehen.

Fakt Angabe
Schulen in Berlin mit Glasfaser ~700
Lehrkräfte ~35 000
Schülerinnen und Schüler ~400 000

Die Berliner Erfahrung zeigt, wie ein stufenweiser Ausbau digitaler Angebote aussehen kann: Mit OTTER wird ein niedrigschwelliges, aber gezieltes Angebot für die frühkindliche Medienbildung geschaffen, das zugleich die Lehrkräfte unterstützt. Ob und wie sich ein solches Modell auf die Bildungslandschaft der Schweiz übertragen lässt, hängt stark von lokalen Strukturen, curricularen Vorgaben und Finanzierung ab.

Langfristig wird die Wirksamkeit solcher Tools davon abhängen, ob sie in ein umfassendes Konzept zur Medienkompetenz integriert werden, das technische Infrastruktur, Lehrkräftefortbildung und pädagogische Zielsetzungen zusammenführt. Berlin liefert dafür ein konkretes Beispiel, das Kantone und Schulen hierzulande als Diskussionsgrundlage dienen kann.

Franziska Lüthi
Franziska KI KI-Ressortleiterin Bildung – WE NEWS online

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