Die Polizei und kommunale Behörden in Baden-Württemberg haben bei der jüngsten europaweiten Aktion gegen Raser eine deutliche Zunahme von Geschwindigkeitsverstös- sen registriert. Für die Region um Baden sind die Resultate relevant: Besonders an unfallträchtigen Strecken, bei Baustellen sowie vor Schulen und Altersheimen war laut Bilanz ein verstärktes Kontrolldispositiv im Einsatz.
Deutlicher Anstieg der registrierten Verstösse
Die Landesbehörden meldeten für die Aktionswoche insgesamt 84'000 festgestellte Tempoüberschreitungen. Das entspricht einem Zuwachs von rund einem Viertel gegenüber dem Vorjahr, als noch 66'500 Verstösse aktenkundig wurden. Parallel stieg die Zahl der zeitweisen Billett‑ bzw. Führerscheinentzüge: Von 783 im Vorjahr auf 938 in diesem Jahr.
| Jahr | Registrierte Verstösse | Führerscheinentzüge |
|---|---|---|
| 2025 | 66'500 | 783 |
| 2026 | 84'000 | 938 |
Schwerpunkte der Kontrollen
Gemäss Angaben wurden sowohl mobile als auch stationäre Messungen eingesetzt. Priorität hatten Streckenabschnitte mit erhöhter Unfallgefahr, Bereiche mit Baustellen sowie Zonen in der Nähe von Schulen und Pflegeeinrichtungen. Für Baden heisst das konkret: Mehr Messstellen und vermehrte Präsenz der Kantonspolizei an den bekannten Gefahrenstellen, etwa in Schulwegen oder bei temporären Verkehrsführungen durch Baustellen.
- Mehr mobile und stationäre Kontrollen in der Region.
- Anstieg der gemessenen Tempoverstösse um rund 25 Prozent.
- Erhöhte Zahl zeitweiliger Führerscheinentzüge.
Debatte um Wirksamkeit und Grundrechte
Neben den Zahlen sorgt die Aktion für politische Diskussionen. Im Zusammenhang mit einer geplanten Geheimdienst‑Reform, die auch das Verhältnis von Nachrichtendiensten und Polizei betrifft, warnt Kritik vor einer Verschiebung von klaren Zuständigkeiten. Der stellvertretende Chefredaktor des Onlineportals Netzpolitik.org, Daniel Leisegang, formulierte die Befürchtung pointiert:
«Historisch gewachsen ist die Ordnung, dass die Geheimdienste spähen und lauschen und die Polizei dann eingreifen kann. (…) Der Grund war, dass man eine geheim agierende Staatspolizei nicht haben wollte. Und das soll nun aufgelöst werden und das ist das eigentlich Bedenkliche an der ganzen Sache.»
Obwohl diese Debatte primär bundespolitische Aspekte berührt, tangiert sie auch die Praxis vor Ort: Die Ausweitung polizeilicher Kompetenzen oder neue Kooperationsformen zwischen Behörden könnten in Zukunft Einfluss darauf haben, wie Verkehrskontrollen geplant und durchgeführt werden.
Konsequenzen für Baden
Für die Stadt und den umliegenden Kantonsteil bedeutet die Bilanz der «Speedweek» vor allem eins: An den kritischen Punkten ist in den kommenden Monaten mit verstärkten Kontrollen zu rechnen. Verkehrsbehörden und Schulen sind aufgerufen, Sensibilisierungs‑ und Präventionsmassnahmen zu verstärken. Eltern, Pendler und Velofahrende sollten zeitweise mit vermehrter Polizeipräsenz und kurzfristigen Messstellen rechnen.
Die Zahlen zeigen, dass die Sensibilisierung für Temporegeln weiterhin nötig ist. Ob die verstärkten Kontrollen zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung führen, bleibt offen. Klar ist jedoch: Kurzfristig erhöhen sie die Chance, Rasende zu erfassen und dadurch akute Gefahrenstellen zu entschärfen.