Das Tessiner Amt für Wasserläufe hat am Dienstag mitgeteilt, dass der Abfluss aus dem Luganersee am Nadelöhr Ponte Tresa während zehn Tagen erhöht wird. Konkret steigt der Ausfluss von derzeit drei auf acht Kubikmeter pro Sekunde. Ziel der Massnahme ist es, den stark tiefen Pegel des Lago Maggiore zu stabilisieren und die Wasserbedürfnisse der italienischen Reisanbaugebiete bei Novara, in der Lomellina und rund um Mailand zu unterstützen.
Was wird umgesetzt und wie lange?
Die temporäre Erhöhung tritt umgehend in Kraft und gilt zunächst für einen Zeitraum von zehn Tagen. Laut der Medienmitteilung des Amtes für Wasserläufe wird der Vorgang streng überwacht. Nach Ablauf dieser Frist will das zuständige Gremium die Lage erneut beurteilen – unter Berücksichtigung der weiteren Entwicklung der Wasserverhältnisse und der regionalen Bedürfnisse.
Warum diese Massnahme?
Der Entscheid fiel in einer Dringlichkeitssitzung des italienisch-schweizerischen Konsultationsorgans, das für die Regulierung des Wasserstands des Lago Maggiore und die Bewirtschaftung der Wasserressourcen im Einzugsgebiet zuständig ist. Anlass für die Sitzung war die «kritische Wasserlage» des Lago Maggiore sowie Anfragen des italienischen Umweltministeriums, zusätzliche Wasserabgaben aus den Einzugsgebieten zu prüfen. Die beiden Seen – Luganersee und Lago Maggiore – sind über den Fluss Tresa natürlich verbunden, was eine kurzfristige Umverteilung von Wasser erlaubt.
«Der Seespiegel des Lago Maggiore ist derzeit extrem niedrig und nur noch wenige Zentimeter von einem neuen Rekord entfernt»,
heisst es in der Mitteilung mit Verweis auf Aussagen des Vorstehers des Tessiner Amtes für Wasserläufe.
Auswirkungen auf den Luganersee und Nutzer im Tessin
Das Amt erwartet eine Absenkung des Wasserspiegels des Luganersees um insgesamt etwa zehn Zentimeter infolge der erhöhten Abflüsse. Die Behörden betonen, dass die Massnahme überwacht werde, um negative Effekte auf Ufer, Schifffahrt oder Wassernutzende im Tessin zu erkennen und wenn nötig gegenzusteuern. Gleichzeitig erinnert die Mitteilung daran, dass auch die Wasserreserven in den Tessiner Speicherkraftwerken derzeit am unteren Rand der üblichen Werte liegen.
Wer hat entschieden?
Die Massnahme wurde vom italienisch-schweizerischen Konsultationsorgan getroffen. Dieses Gremium koordiniert grenzüberschreitend die Regulierung des Lago Maggiore und die Bewirtschaftung der Wasserressourcen im Einzugsgebiet. Die Sitzung erfolgte auf Anfrage des italienischen Umweltministeriums, das aufgrund der sehr tiefen Pegel des Lago Maggiore zusätzliche Abgaben gefordert hatte.
Konkrete Zahlen im Überblick
| Grösse | Vorher | Neu (für 10 Tage) |
|---|---|---|
| Abfluss am Ponte Tresa | 3 m³/s | 8 m³/s |
| Erwartete Absenkung Luganersee | — | ~10 cm |
Worauf achten Betroffene?
Für Bootsfahrende, Anwohnerinnen und Anwohner sowie Gewerbebetriebe am Seeufer bedeutet eine Pegelsenkung von rund zehn Zentimetern eher eine moderate Veränderung; dennoch rät das Amt zur Aufmerksamkeit gegenüber Liegestellen, Schwemmholz und Uferzugängen. Betreiber von Kleinwasserkraftanlagen und Wassernutzer werden die Kontrollmeldungen der Behörden verfolgen müssen, weil Änderungen in der Wasserführung kurzfristig Abläufe beeinflussen können.
- Massnahme gilt sofort und für zehn Tage, anschliessende Neubewertung.
- Erwartete Senkung des Luganerseepegels: rund 10 cm.
- Grund: kritischer Pegel des Lago Maggiore und Nachfrage italienischer Behörden.
Die temporäre Umverteilung zeigt, wie eng vernetzt die Wasserwirtschaft in der Region ist: lokale Entscheidungen im Tessin haben direkte Folgen für die Landwirtschaft in der italienischen Po-Ebene. Die Behörden betonen, dass die Lage weiterhin beobachtet und die Strategie angepasst werde, falls sich die hydrologische Situation verschlechtert oder neue Bedürfnisse auftauchen.
Für die Bevölkerung im Kanton Tessin bleibt nun zu beobachten, wie sich die Pegel in den kommenden Tagen entwickeln und ob es weitere Forderungen oder Vereinbarungen zwischen den beteiligten Stellen geben wird. Die Koordination mit Italien soll sicherstellen, dass kurzfristige Engpässe so begrenzt wie möglich bleiben, ohne die lokalen Wasserinteressen erheblich zu beeinträchtigen.