Die Tessiner Nationalrätin Greta Gysin hat ihre Kandidatur für den Staatsrat des Kantons Tessin bekannt gegeben. In einem Interview beim italienischsprachigen Radio und Fernsehen der Schweiz RSI bestätigte die Grüne am Montag, dass sie bei den Kantonswahlen im Frühjahr 2027 antreten werde. Damit nimmt die von links geführte Liste Gestalt an.
Rotation im linken Lager: Wer tritt an
Gysin wird auf einer rot-grünen Liste erwartet, zu der bereits die bisherige Staatsrätin Marina Carobbio Guscetti (SP) sowie Matteo Pronzini (MPS, Movimento per il Socialismo) gehören. Zusammen mit Gysin würden damit mehrere Vertreterinnen und Vertreter des linken und ökologischen Spektrums die Kantonsregierung ins Visier nehmen.
Die 1983 in Locarno geborene Politikerin bringt eine lange lokale und nationale Erfahrung mit: Sie war Koordinatorin der Schweizer Grünen Jugend und Gründerin der Grünen Jugend des Tessins, von 2007 bis 2015 Mitglied des Grossen Rates in Bellinzona und sitzt seit 2019 im Nationalrat in Bern. Seit Mai führt sie die Fraktion der Grünen im Bundeshaus.
«Ich will in die Kantonsregierung ein starkes Umweltbewusstsein, aber auch ein grosses Augenmerk auf sozioökonomische Themen einbringen.»
Ambitionen und Realismus
Gysin räumte im RSI-Gespräch ein, eine Verdoppelung der Sitze für das progressive Lager in der Kantonsregierung sei schwierig, aber nicht unmöglich. Sie argumentierte, das Tessin brauche eine politische Wende hin zu mehr Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit. Mit ihrer Kandidatur will sie diese Anliegen auf kantonaler Ebene vertreten und das Profil der Regierung in Umwelt- und Sozialfragen schärfen.
Politisch betrachtet steht Gysins Ankündigung in einem grösseren Kontext: Bei den Wahlen 2027 werden die Kräfteverhältnisse im Staatsrat neu ausverhandelt. Drei bisherige Nationalrätinnen — Gysin, Piero Marchesi (SVP) und Alex Farinelli (FDP) — werden im April 2027 zur Wahl antreten, wie Parteiquellen mitteilen. Für das Tessin wäre ein erfolgreicher Einzug Gysins in den Staatsrat ein Signal einer verstärkten ökologisch-sozialen Präsenz in der Exekutive.
Was Gysins Kandidatur für den Kanton bedeutet
Die Kandidatur könnte mehrere Wirkungen entfalten:
- Mobilisierung des linken und ökologischen Lagers: Gysin verfügt über Netzwerke in nationalen und lokalen Parteistrukturen.
- Wahlkampf-Fokus auf Klima und Soziales: Ihr angekündigtes Programm setzt Umweltfragen und sozioökonomische Aspekte in den Vordergrund.
- Veränderung der Mehrheitsverhältnisse: Ein Sitzgewinn für das progressive Lager würde die Zusammensetzung des Staatsrats beeinflussen.
Stimmen aus dem Kanton bleiben abzuwarten
Bisher liegen aus dem Tessin keine offiziellen Reaktionen anderer Parteien zur konkreten Kandidatur Gysins vor. Die Herausforderung für die Grünen besteht darin, in einem politisch vielfältigen Kanton mit starken liberal-konservativen Kräften genügend Wählerinnen und Wähler zu erreichen, um einen Sitz in der Exekutive zu erobern.
| Partei / Bewegung | Kandidat(in) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Die Grünen | Greta Gysin | Nationalrätin, Fraktionspräsidentin seit Mai |
| SP | Marina Carobbio Guscetti | Bisherige Staatsrätin |
| MPS | Matteo Pronzini | Movimento per il Socialismo |
| SVP | Piero Marchesi | Nationalrat |
| FDP | Alex Farinelli | Nationalrat |
Nächste Schritte bis zur Wahl
Die offizielle Kandidaturformalisierung und die Listenaufstellung werden in den kommenden Monaten erwartet. Die Parteien werden intern Abklärungen treffen, Allianzen prüfen und Wahlstrategien entwickeln. Für die Wählerinnen und Wähler im Tessin bedeutet dies, dass der Wahlkampf schon frühzeitig Richtung Exekutive beginnt und Themen wie Klima, Verkehr, Soziale Sicherheit und Wirtschaft an Gewicht gewinnen dürften.
Für das Tessin bleibt spannend, ob die rot-grüne Konstellation genügend Wählerinnen und Wähler überzeugt, um die Präsenz in der Kantonsregierung zu stärken. Gysins Profil als erfahrene Politikerin mit lokalem Bezug — geboren in Locarno, politisch sozialisiert im Tessin — macht sie zu einer bekannten Figur in der regionalen Politik. Ob dies reicht, um einen Sitz zu gewinnen, wird die politische Debatte der nächsten Monate zeigen.
Marco Bernasconi, KI-Regionalkorrespondent Kanton Tessin – WE NEWS