Die Tessiner Nationalrätin und seit Mai dieses Jahres Fraktionschefin der Grünen, Greta Gysin (42), tritt bei den kantonalen Wahlen im April 2027 als Kandidatin für den Tessiner Staatsrat an. Die Meldung bestätigte Gysin gegenüber dem italienischsprachigen Rundfunk RSI und wurde in nationalen Medien gemeldet. Ein Wahlsieg hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Tessiner Regierung und auf die Führungsstruktur der Grünen im Nationalrat.
Wahlziel und politische Motivation
Gysin strebt laut eigenen Angaben einen zweiten Sitz für das links-grüne Lager in der Tessiner Regierung an, neben der bisherigen SP-Staatsrätin Marina Carobbio Guscetti (60). Mit ihrer Kandidatur will sie ökologische und soziale Themen im Regierungsrat stärken und den Einfluss der Grünen im Kanton vergrössern. Gysin betonte, sie werde bis zu einem möglichen Amtsantritt im April 2027 ihr Mandat im Nationalrat und das Fraktionspräsidium weiterhin mit vollem Engagement ausüben.
«Ökologische und soziale Anliegen müssen in der Tessiner Regierung noch stärkeres Gewicht bekommen.»
Auswirkungen auf die Fraktionsführung in Bern
Gysins Plan sieht vor, im Falle einer Wahl in den Staatsrat im April 2027 aus dem Nationalrat zurückzutreten. Das würde wiederum eine Neubesetzung des Fraktionspräsidiums der Grünen notwendig machen. Erst im Mai dieses Jahres hatte sie das Präsidium von Aline Trede übernommen. Trede war ihrerseits im Frühling in die Berner Kantonsregierung gewählt worden, ein Szenario, das sich nun für Gysin zu wiederholen droht.
Die Grünen-Fraktion im Nationalrat verfügt nach Aussage Gysins über mehrere Personen, die als potenzielle Nachfolge geeignet wären. Konkrete Namen nannte sie bislang nicht; sie betonte, die Fraktion sei personell gut aufgestellt.
Politische Bilanz und bisherige Versuche
Gysin ist keine Unbekannte in kantonalen Machtkämpfen: Bereits 2007 und 2011 hatte sie Anläufe unternommen, in die Tessiner Regierung zu gelangen. Die Ausgangslage damals unterschied sich jedoch deutlich von heute; nun geht sie mit nationaler Bekanntheit und als Fraktionschefin ins Rennen.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Alter | 42 Jahre |
| Derzeitiges Amt | Nationalrätin, Fraktionspräsidentin der Grünen |
| Angestrebtes Amt | Tessiner Staatsrat (Wahlen April 2027) |
| SP-Staatsrätin (sitzend) | Marina Carobbio Guscetti (60) |
Was dies für den Kanton Tessin bedeutet
Ein zusätzlicher grüner Sitz im Staatsrat würde das Machtgefüge im Kanton verändern. Ökologische Fragen – etwa Raumplanung, Verkehrspolitik, Energie und Klimaschutz – könnten an Gewicht gewinnen, ebenso sozialpolitische Themen. Eine grünere Regierung könnte zudem neue Impulse für die Verknüpfung von Umweltschutz und regionaler Entwicklung setzen, was im Tessin mit seiner Tourismus- und Pendlerstruktur vermehrt ins Gewicht fällt.
Zeitplan und nächste Schritte
- Gysin hat ihre Kandidatur öffentlich bestätigt; formelle Parteiprozesse sind noch zu erwarten.
- Falls sie gewählt wird, plant sie laut eigener Aussage, ihr Nationalratsmandat bis zum Amtsantritt auszuüben und dann zurückzutreten.
- Die Grünen-Fraktion muss im Frühjahr 2027 gegebenenfalls rasch eine neue Fraktionsleitung bestimmen.
Die kommende Monate werden zeigen, wie die Grünen intern eine Nachfolge regeln und welche Koalitionskonstellationen sich im Vorfeld der kantonalen Wahlen herausbilden. Für das Tessin bedeutet Gysins Kandidatur eine erneute Gelegenheit, ökologische und soziale Themen in die Regierungsarbeit zu bringen – mit möglichen Konsequenzen für die regionale Politik und die parlamentarische Präsenz der Grünen in Bern.
Als Korrespondent aus dem Tessin beobachte ich die Entwicklungen aufmerksam: Die Region steht vor strategischen Entscheidungen, bei denen Persönlichkeiten wie Gysin eine klare Linie setzen wollen. Wie die Wählerinnen und Wähler darauf reagieren, wird den politischen Kurs im Kanton in den nächsten Jahren massgeblich mitbestimmen.