Das Museum BL in Liestal hat seine Dauerausstellung zur Seidenbandweberei erweitert. Die neue Präsentation zeichnet nach, wie die Posamenterei – die Herstellung von Seidenbändern und Besatzwaren – die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Region über rund 250 Jahre mitgeprägt hat. Im Zentrum stehen materielle Zeugnisse wie ein Sägerwebstuhl um 1900, der in der Ausstellung «Seidenband» zu sehen ist.
Regionale Prägung durch Handwerk und Industrie
Die Ausstellung macht sichtbar, wie die Posamenterei nicht nur ein Gewerbe war, sondern ein Motor für Veränderung in mehreren Bereichen. Vorgestellt werden Verflechtungen zwischen Produktion, Architektur, Infrastruktur und Sozialleben; die Ausstellung thematisiert etwa, wie Fabrik- und Wohnbauten das Ortsbild formten und wie die lokalen Geschäftsstrukturen Elektrifizierungsprojekte anschoben.
Das Museum betont, dass sich an den Bändern die Geschichte der Region in den letzten rund 250 Jahren ablesen lasse. Dies reicht von handwerklichen Werkstätten über maschinelle Fertigung bis zur Einbindung in überregionale Absatzmärkte. Die Objekte und Maschinen veranschaulichen technische Entwicklungen und Arbeitsteilung ebenso wie veränderte Lebens- und Arbeitsbedingungen.
Wirtschaftliche Folgen und Ungleichgewichte
Die Ausstellung geht auch auf politische und ökonomische Folgen ein: Laut den Kuratorinnen und Kuratoren hat die Posamenterei nachhaltige Spuren in der Sozialstruktur des Baselbiets hinterlassen. Sie setze historische Zusammenhänge in Zusammenhang mit dem heutigen wirtschaftlichen Gefälle zwischen Basel-Stadt und Baselland, das demnach in Teilen auf diese Epoche zurückzuführen sei.
«An den Bändern lässt sich die Geschichte der Region in den letzten rund 250 Jahren festmachen», heisst es in der Begleitdokumentation der Ausstellung.
Die Ausstellung lädt damit zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit lokalhistorischen Ursachen heutiger Strukturen ein, ohne Kontaktpunkte zwischen Wirtschafts‑ und Sozialgeschichte und der gebauten Umwelt auszublenden.
Was die Erweiterung für Liestal bedeutet
Für Liestal als Standort des Museums BL hat die Erweiterung mehrere Bedeutungen:
- Bildungsauftrag: Die erweiterte Ausstellung bietet Lehrpersonen, Forschenden und Interessierten vertiefte Anschauungsmaterialien zur regionalen Industriegeschichte.
- Stadtbild und Erinnerung: Die Ausstellung macht den Zusammenhang zwischen Produktion, Architektur und Siedlungsentwicklung sichtbar und fördert das Bewusstsein für lokalgeschichtliche Kontinuitäten.
- Touristische Wirkung: Als neue Facette des Museumsangebots kann die Präsentation Besucherinnen und Besucher anziehen, die sich für Textilgeschichte und Industriegeschichte interessieren.
Diese Punkte stehen im Einklang mit dem Profil des Museums BL als regionales Haus, das Alltagskultur, Handwerk und wirtschaftliche Entwicklungen der Kantonsgeschichte in den Mittelpunkt stellt.
Objekte, Vermittlung und Forschung
In den gezeigten Objekten spiegelt sich technische und soziale Vielfalt: Maschinen wie der erwähnte Sägerwebstuhl, Bänderstücke als materielle Zeugnisse, sowie Dokumente zur Betriebsorganisation und zu Lebensverhältnissen der Erwerbstätigen. Damit bietet die Ausstellung sowohl eine materielle als auch eine sozialhistorische Perspektive.
| Aspekt | Inhalt der Ausstellung |
|---|---|
| Zeitraum | Rund 250 Jahre Regionalgeschichte |
| Schwerpunkte | Posamenterei, Architektur, Elektrifizierung, Sozialstruktur |
| Beispielobjekt | Sägerwebstuhl um 1900 |
Die Präsentation richtet sich an ein breites Publikum; zugleich bietet sie Ansatzpunkte für weiterführende Forschung zur Wirtschafts‑ und Technikgeschichte des Baselbiets. Für Liestal bedeutet dies eine Stärkung der Rolle als Ort baukultureller und industriegeschichtlicher Erinnerung.
Weitere Details zur Ausstellung, zu Öffnungszeiten oder speziellen Vermittlungsangeboten veröffentlicht das Museum BL auf seinen Informationskanälen.