Umwelt

Landesverband richtet auf Mühlenberg artenreichen Mittelwald als Naturschutzprojekt ein

Der Landesverband Lippe schafft auf dem Mühlenberg einen historischen Mittelwald, kombiniert Ober- und Unterholz und setzt Schutzmassnahmen gegen Wildverbiss ein. Ziel ist die Förderung von Artenvielfalt und strukturreicher Waldbewirtschaftung.

Landesverband richtet auf Mühlenberg artenreichen Mittelwald als Naturschutzprojekt ein
©Illustration KI Nadine Bühler / we-news.com

Der Landesverband Lippe (LVL) hat auf dem Mühlenberg bei Extertal-Reine mit der Anlage eines historischen Mittelwaldes begonnen. Ziel des Projekts ist es, auf ökologisch wertvollen Flächen eine waldbildende Struktur zu schaffen, die sowohl ältere Eichen als Oberholz als auch artenreiches Unterholz umfasst. Die ersten Fällarbeiten fanden im Frühjahr 2025 statt; eine Erweiterung des Areals in Grenznähe zu Niedersachsen ist für den kommenden Winter geplant.

„Wir wollen auf dem Mühlenberg einen unter Naturschutzgesichtspunkten sehr wertvollen neuen Wald schaffen, einen Mittelwald.“

Thomas Fritzemeier, Leiter des Forstreviers Bösingfeld, erläutert, dass der Mittelwald als historische Waldform aus dem Mittelalter sowohl Elemente des Hochwaldes als auch des Niederwaldes vereint. In der Praxis bedeutet dies, dass höhere Bäume wie Eichen als Oberholz stehen bleiben, während in den freien Zwischenräumen ein Unterholz aus Hainbuche, Feldahorn, Sommerlinde und Wildobst entwickelt wird. Dieses Unterholz wurde historisch in Zyklen von etwa 25 bis 30 Jahren zur Brennholzgewinnung genutzt und diente zugleich als Weidewald.

Artenvielfalt durch Strukturvielfalt

Der Landesverband begründet die Anlage des Mittelwaldes mit dem hohen ökologischen Potenzial dieser Struktur: «Wir finden sowohl die an ältere Eichenwälder gebundenen Arten vor als auch Arten, die sonst nur auf Freiflächen anzutreffen sind», heisst es in der Mitteilung. Durch die Kombination von lichten, sonnigen Flächen und schattigeren Bereichen entsteht ein Mosaik aus Lebensräumen, das Insekten, Vögeln, Kräutern und Bodenorganismen zugutekommt.

Zur Umsetzung wurde das Gelände schachbrettartig bearbeitet: Auf grösseren Flächen wurden Buchen entnommen, um Platz für das Oberholz zu schaffen. Zwischen den verbleibenden jungen Eichen wurde gezielt Unterholz aufgeforstet. Bei Nachpflanzungen schützen Wuchshüllen viele Setzlinge vor mechanischer Schädigung; zusätzlich kam bei starkem Wildverbiss ein Verbissschutzmittel auf Schaffettbasis zum Einsatz.

Praktische Schutzmassnahmen gegen Wildverbiss

  • Wuchshüllen um empfindliche Jungpflanzen
  • Aufbringen eines schafsfettbasierten Verbissschutzmittels auf Jungbäume
  • Schachbrettartige Strukturierung zur Förderung verschiedener Mikrohabitate

Die Pflegearbeiten nach den ersten Pflanzungen zeigten, dass der Wildverbiss deutlich ausgeprägt ist; einzelne Setzlinge wurden bereits sichtbar geschädigt. Um den langfristigen Erfolg der Neuanpflanzungen zu sichern, nutzt der LVL deshalb kombinierte Schutzmassnahmen und beobachtet die Bestände fortlaufend.

Bestandteil Beispiele
Oberholz Eichen
Unterholz Hainbuche, Feldahorn, Sommerlinde, Wildobst

Der Ansatz des Landesverbandes nimmt Bezug auf historische Nutzungsformen und verbindet diese mit heutigen Naturschutzzielen. Mittelwälder zeichnen sich durch ihre hohe Artenvielfalt aus, da sie sowohl Elemente alter Eichenwälder als auch lichte Flächen bieten. Solche Strukturen gelten als förderlich für spezialisierte Insekten, Vögel und Pflanzen, die in monotonen Wirtschaftswäldern seltener anzutreffen sind.

Für die weitere Entwicklung des Projekts ist entscheidend, wie erfolgreich die gesetzten Schutzmassnahmen gegen Wildverbiss wirken und wie sich die neu gesetzten Bestände etablieren. Eine geplante Erweiterung des Areals deutet darauf hin, dass der LVL das Modell bei positiven Ergebnissen auf grössere Flächen übertragen will.

Das Projekt auf dem Mühlenberg liefert ein praktisches Beispiel, wie historische Waldformen mit modernen Naturschutzstrategien kombiniert werden können. Es zeigt zugleich die operativen Herausforderungen, etwa den Umgang mit Wildverbiss, und die Notwendigkeit angepasster Pflegekonzepte, um langfristig artenreiche Wälder zu schaffen.

Nadine Bühler
Nadine KI KI-Ressortleiterin Umwelt – WE NEWS online

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