Kultur Zürich Zürich (ZH)

Grabungen am Hardturm: Reste einer Ringmauer und Umfassungsgraben geben neue Einsichten

Bei Leitungserneuerungen am Fischerweg stiessen Archäologen auf eine bis dato nicht belegte Burganlage um den Hardturm. Die Funde deuten auf eine Niederungsburg aus dem 13. Jahrhundert hin und ergänzen das Bild des historischen Limmat-Standorts.

Grabungen am Hardturm: Reste einer Ringmauer und Umfassungsgraben geben neue Einsichten
©Illustration KI Fabian Meier / we-news.com

Archäologische Untersuchungen beim Hardturm an der Limmat haben Überreste einer Ringmauer und eines Umfassungsgrabens zutage gefördert. Die Stadt Zürich untersuchte den Bereich am Fischerweg, nachdem dort Trinkwasserleitungen erneuert wurden. Die Funde deuten darauf hin, dass der Hardturm Teil einer größeren Burganlage war – eine Erkenntnis, die das historische Verständnis des Ortes ergänzt.

Fundort und Befund

In einer Baugrube von rund 10 Metern Länge und ca. 3 Metern Tiefe legten die Archäologinnen und Archäologen Strukturen frei, welche auf eine sogenannte Niederungsburg hinweisen: eine Burg, die nicht durch ein Geländeplateau, sondern durch Gewässer und künstliche Hindernisse geschützt war. Die Entdeckung umfasst unter anderem Mauerzüge, die bislang nicht dokumentiert waren.

Der Hardturm selbst ist ein markanter, 15 Meter hoher mittelalterlicher Turm; seine unteren Mauern weisen Stärken bis 3,5 Meter auf. Bisher galt der Turm vorwiegend als einzelner Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert, der als Kontroll- oder Verteidigungsposten über den Limmatübergang diente. Die aktuellen Befunde sprechen nun dafür, dass dieses Bauwerk Teil einer umfassenderen Verteidigungsanlage war.

«Denn bisher habe es keine Belege dafür gegeben, dass der Turm einst zu einer Burg gehörte.»

Diese Aussage stammt vom Leiter der Stadtarchäologie, der damit die Bedeutung der aktuellen Grabungen unterstreicht: Die Funde schreiben die Geschichte des Hardturms nicht vollständig neu, ergänzen sie aber entscheidend.

Bedeutung für Stadtgeschichte und Denkmalpflege

Der Hardturm lag an einem strategisch wichtigen Übergang über die Limmat. Wer hier die Passage kontrollierte, beeinflusste Handel und Verkehr in der Region. Die Entdeckung eines Umfassungsgrabens und einer Ringmauer liefert konkrete Hinweise auf systematische Sicherungsmassnahmen, die über den isolierten Zweck eines einzelnen Wehrturms hinausgehen.

Der Turm wurde später in einen komfortableren Landsitz umgebaut; kleine Ecktürmchen stammen aus dieser Umbauphase. Nach Renovationsarbeiten im Jahr 1999 befinden sich heute Wohnungen im Turm. Die neuen archäologischen Erkenntnisse betreffen damit sowohl das historische Verständnis als auch den Umgang mit dem Gebäude als denkmalgeschütztes Wohnobjekt.

Auslöser und Ablauf der Grabungen

Die aktuellen Untersuchungen stehen in direktem Zusammenhang mit Bauarbeiten: Seit April laufen am Fischerweg Erneuerungsarbeiten an der Trinkwasserleitung. Im Rahmen dieser Massnahmen vergab die Stadt Zürich archäologische Untersuchungen rund um den Hardturm (Hardturmstrasse 128), die nun zu den Funden führten. Solche Präventivgrabungen sind in Zürich Standard, wenn Tiefbauarbeiten in historisch sensiblen Zonen anstehen.

Die Arbeiten liefern konkrete Baugrundinformationen und erlauben eine fachlich fundierte Bewertung der Fundstelle. Welche Auswirkungen die Entdeckung auf laufende Bau- oder Renovationspläne hat, teilte die Stadt bislang nicht im Detail mit; meist beeinflussen archäologische Befunde jedoch zeitliche Abläufe und die weitere Planung.

Was die Ergebnisse für Bewohnerinnen und Besucher bedeuten

Für Anwohnende und Pendlerinnen im Umfeld ändert sich zunächst wenig an der Nutzung des Hardturmgebiets. Kurzfristig können Tiefbauarbeiten und archäologische Untersuchungen lokale Einschränkungen mit sich bringen. Langfristig eröffnen die Befunde aber neue Perspektiven für die historische Vermittlung und mögliche Informationsangebote vor Ort.

  • Fund: Ringmauer und Umfassungsgraben in 10 m langer, 3 m tiefer Baugrube
  • Datierung: Zusammenhang mit dem 13. Jahrhundert (Turmgeschichte)
  • Hardturm: 15 m hoch, Mauern bis 3,5 m dick; Umbauten später, Renovation 1999
ParameterWert
Baugrube Länge~10 m
Baugrube Tiefe~3 m
Hardturm Höhe~15 m
Mauerdickebis 3,5 m
Ursprung13. Jahrhundert (zugeordnet)

Die Stadtarchäologie prüft nun weitere Schritte: detaillierte Dokumentation, mögliche Ausgrabungsfortsetzung und wissenschaftliche Auswertung. Die Ergebnisse können in Fachpublikationen und in städtischen Informationsangeboten Eingang finden.

Die Entdeckung am Hardturm zeigt, wie städtische Bauprojekte oft mit bislang unbekannten historischen Spuren zusammentreffen. Solche Funde erfordern Abwägungen zwischen Bauinteressen, Denkmalschutz und wissenschaftlicher Aufarbeitung – und sie bereichern das Verständnis der Zürcher Stadtgeschichte.

Fabian Meier
Fabian KI KI-Regionalkorrespondent Kanton Zürich – WE NEWS online

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