Gesundheit Wetzikon Zürich (ZH)

Wetzikon: Gläubigervertreter ruft zur Ablehnung der Thurmed-Lösung für Spital Wetzikon auf

Kurz nach der Präsentation der favorisierten Sanierungslösung formiert sich Widerstand: Gläubigervertreter Gregor Greber rät Obligationären, das Angebot der Thurgauer Gesundheitsholding thurmed abzulehnen und fordert Transparenz über Alternativangebote.

Wetzikon: Gläubigervertreter ruft zur Ablehnung der Thurmed-Lösung für Spital Wetzikon auf
©Illustration KI Fabian Meier / we-news.com

Kaum einen Tag nach der Präsentation der vom Trägerkreis favorisierten Sanierungslösung für das Spital Wetzikon hat sich offener Widerstand formiert. In einem Schreiben an die Anleihengläubiger rät der von diesen gewählte Beobachter im Verwaltungsrat, Gregor Greber, den vorgeschlagenen Deal mit der Thurgauer Gesundheitsholding thurmed abzulehnen. Greber begründet dies damit, dass die vorliegende Variante nicht die bestmöglichen wirtschaftlichen Interessen der Gläubiger wahre.

Worum geht es in der vorgeschlagenen Lösung?

Sachwalterschaft, Verwaltungsrat und die elf Trägergemeinden des GZO Spital Wetzikon hatten am Dienstag eine Lösung präsentiert, bei der thurmed mit einem zinslosen Wandeldarlehen über 7 Millionen Franken einsteigt. Bis Ende 2027 könnte thurmed demnach für weitere 28 Millionen Franken Kapital zuführen und damit einen Anteil von bis zu 51 Prozent erreichen. Für die ungesicherten Gläubiger sieht das Modell sofort 29 Prozent und nach elf Jahren weitere 10,3 Prozent vor; im besten Fall ergibt dies bis zu 47,5 Prozent Rückzahlung.

Grebers Alternative und Kritik

Greber stellt diesem Modell ein anderes Angebot gegenüber: Er verweist auf eine verbindliche Offerte der Immobiliengesellschaft Infracore, die nach seinen Angaben 55 Millionen Franken in bar für die Spitalimmobilien biete. Auf dieser Basis erscheine ihm eine Dividende «in der Grössenordnung von 60 Prozent» für die Gläubiger als realistisch. Greber bemängelt zudem, dass mit Infracore nie vertieft verhandelt worden sei.

«In der derzeit vorliegenden Form werde ich diese Lösung nicht unterstützen, weil ich nicht erkennen kann, dass sie den bestmöglichen wirtschaftlichen Interessen der Gläubiger entspricht.»

Weiter kritisiert Greber die Vorgehensweise bei der Bewertung: Zur Beurteilung der Thurmed-Lösung sei die Beratungsfirma PwC beigezogen worden. Er fordert die Offenlegung des Gutachtens und verlangt Antworten darauf, weshalb Infracore nicht zu Verhandlungen eingeladen wurde und welches Ergebnis PwC geliefert habe. Greber bezeichnet die Rolle des Gutachtens implizit als fragwürdig und verlangt Transparenz gegenüber den Gläubigern.

Struktur der vorgeschlagenen Sanierung und Kritikpunkte

Der Kreditverzicht der Obligationäre im vorgeschlagenen Modell würde laut Greber die Bilanz sanieren und den Aktienwert des GZO erhöhen. Demgegenüber blieben die elf Aktionärsgemeinden mit knapp der Hälfte der Anteile beteiligt, ohne dass sie einen entsprechenden Zusatzbeitrag leisteten. Dies stösst beim Gläubigervertreter auf Widerspruch, da es aus seiner Sicht zu einer Ungleichbehandlung zwischen Gläubigern und Aktionären führen könne.

  • Hauptkritik: Die vorgeschlagene Lösung entspreche nicht den wirtschaftlichen Interessen der Gläubiger.
  • Offerte Infracore: Nach Greber liegt ein verbindliches Barangebot über 55 Mio. Fr. vor.
  • Transparenzforderung: Greber verlangt die Offenlegung des PwC-Gutachtens und Erklärungen zur Verhandlungsführung.

Die Auseinandersetzung um die Zukunft des Spitals ist damit offen: Auf der einen Seite steht das von Sachwalterschaft und Verwaltungsrat favorisierte Beteiligungsmodell mit thurmed, auf der anderen Seite die Forderung eines wichtigen Gläubigervertreters nach einem offenbar besseren Barangebot und mehr Klarheit. Die nächsten Schritte hängen nun davon ab, wie viele Obligationäre Grebers Empfehlung folgen und welche Antworten die Trägerseite sowie PwC liefern.

PostenSumme/Angabe
Zinsloses Wandeldarlehen thurmed7 Mio. Fr.
Zusätzliche Mittel thurmed (bis 2027)28 Mio. Fr.
Erwartete Gläubigerrückzahlung (sofort)29%
Erwartete Gläubigerrückzahlung (nach 11 Jahren)10,3%
Maximale mögliche Rückzahlung47,5%
Offerte Infracore (bar)55 Mio. Fr.
Geschätzte Dividende bei Infracore-Angebot~60%

Für die Bevölkerung von Wetzikon bedeutet der Streit nicht nur finanzielle Fragen für Obligationäre und Gemeindehaushalte, sondern auch Unsicherheit über die längerfristige Struktur und Führung des Spitals. Entscheide in den kommenden Wochen könnten Konsequenzen für die medizinische Versorgung, Arbeitsplätze im Spital und die kommunalen Finanzen haben. Beobachter erwarten nun, dass weitere Informationen veröffentlicht und Gespräche mit den relevanten Parteien geführt werden.

Fabian Meier
Fabian KI KI-Regionalkorrespondent Kanton Zürich – WE NEWS online

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