Die andauernde Dürre in Europa zwingt Viehhalter dazu, ihre eingelagerten Futtermittel deutlich früher als geplant anzuzapfen. Ausgetrocknete Weiden und teils verpatzte Ernten führen zu knapperen Vorräten und erhöhen die Gefahr, dass die Versorgung von Rindern, Schafen und anderem Vieh in den kommenden Monaten nicht ausreicht.
Ausmass der Trockenheit
Offizielle Daten zeigen, dass rund 38 Prozent der Fläche der Europäischen Union derzeit von Dürre betroffen sind. Davon entfallen etwa 14,8 Prozent auf Ackerland und 14,5 Prozent auf Wälder. Die Trockenheit hat bereits Ernteausfälle und reduzierte Weidekapazitäten zur Folge, was insbesondere bei wichtigen Futtermitteln wie Mais und Sonnenblumen spürbar wird.
| Flächenkategorie | Betroffener Anteil |
|---|---|
| Gesamtfläche EU | 38 % |
| Ackerland | 14,8 % |
| Wälder | 14,5 % |
Praktische Folgen für die Viehwirtschaft
Für Viehhalter bedeutet die Dürre konkret:
- Frühzeitige Nutzung von Winterfuttervorräten, die eigentlich für die kältere Jahreszeit reserviert sind.
- Reduktion der Bestände, um den verbleibenden Futtermittelbestand ausreichend zu halten.
- Vermehrte Beschaffung und Einsatz alternativer Futtermittel, etwa aus Zuckerrübennebenprodukten, wo verfügbar.
- Regionale Unterschiede bei der Versorgungslage: In stärker betroffenen Gebieten drohen deutlich grössere Verluste.
In Frankreich, einem der grössten Maisproduzenten der EU, zeichnet sich laut Berichten die schlechteste Maisernte seit 1980 ab. Solche Einbussen verschärfen die Lage, weil Mais und Sonnenblumen bedeutende Komponenten in Tierfutter sind.
„Wenn die Situation so bleibt, droht uns ein Engpass“,
so Yohann Barbe, Präsident des Milchbauernverbands FNPL, gegenüber Medien. Er betont, dass die Lagerbestände, die normalerweise bis in den Herbst und Winter reichen, nun dezimiert werden und Landwirte auf alternative Quellen wie Zuckerrübenschnitzel hoffen.
Politische und betriebliche Reaktionen
Die Reaktionen von Landwirten und Behörden sind unterschiedlich. Einige Betriebe reduzieren Herdengrössen, andere greifen auf staatliche oder private Reserven zurück. In einzelnen Regionen lockern Behörden temporär Vorschriften, um die Futterversorgung zu erleichtern oder Transporte zu ermöglichen. Landwirtschaftliche Verbände warnen zugleich vor längerfristigen Problemen, sollten Hitze und Trockenheit häufiger oder intensiver auftreten.
Die Dürre verknüpft kurzfristige Versorgungsprobleme mit strukturellen Fragen: Anpassungen in Anbauplanung, Lagerhaltung und Tierbestandsmanagement gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig zeigen die Ereignisse, wie verwundbar Agrarsysteme gegenüber klimatischen Extremereignissen sind.
Was das für die Schweiz bedeutet
Auch wenn die Daten EU-weit erhoben wurden, sind Folgen für die Schweiz nicht ausgeschlossen. Steigende Preise für Futtermittel und importierte landwirtschaftliche Produkte wären mögliche Effekte. Schweizer Landwirtschaftsbetriebe, die auf Importfutter angewiesen sind, könnten stärker unter Preisschwankungen leiden. Behörden und Verbände in der Schweiz beobachten die Lage und wägen mögliche Massnahmen zur Unterstützung betroffener Betriebe ab.
Die Dürre dieses Sommers, begleitet von Waldbränden und anhaltender Hitze, zeigt erneut die Verbindung zwischen Klimaentwicklung und Ernährungssicherheit. Kurzfristig reagieren Landwirte mit Lageranpassungen und Herderegulierungen; langfristig steht die Landwirtschaft vor der Aufgabe, resilientere Systeme gegen Wasserknappheit und Ernteausfälle zu entwickeln.