Stadtrat will Umsetzung des Netto‑Null‑Ziels nicht aufgeben
Der Dübendorfer Stadtrat bleibt beim kommunalen Klimaplan und wehrt damit indirekte Forderungen einer Revision ab. Anlass ist eine schriftliche Anfrage des SVP‑Gemeinderats Orlando Wyss, der die städtischen Massnahmen nach den jüngsten Anpassungen der Klimaszenarien des Weltklimarats (IPCC) infrage stellte. Wyss hinterfragt insbesondere, ob die Stadt weiterhin Steuergelder in den Klimaplan investieren soll, nachdem das bisher oft zitierte Worst‑Case‑Szenario RCP8.5 künftig nicht mehr verwendet werde.
Stadtrat betont wissenschaftliche Grundlage und Ziele
Die städtische Antwort hält dem entgegen, die Anpassung der Szenarien stelle keine fundamentale Wende in der Klimaforschung dar und bedeute keinesfalls Entwarnung. Zwar sei eine Erwärmung von mehr als 4 Grad heute weniger wahrscheinlich, doch zeigten die aktuellen Projektionen weiterhin eine Bandbreite mit signifikanten Risiken: ein mittleres Szenario liege bei rund 2,8 Grad, im ungünstigsten Fall wären bis zu 3,5 Grad denkbar, so die Ausführungen des Stadtrats. Wichtig für Dübendorf sei, dass der städtische Massnahmenplan Klima nicht auf dem alten Worst‑Case beruhte, sondern auf dem Ziel, das vom Gemeinderat beschlossene Netto‑Null‑Ziel 2050 umzusetzen.
„Die Anpassung der Szenarien sei keine fundamentale Wende in der Klimaforschung und schon gar keine Entwarnung.“
Finanzierung und Zeitrahmen
Der Gemeinderat hatte bereits 2023 einen Rahmenkredit für die Umsetzung des Klimaplans bewilligt. Es handelt sich um einen Betrag von 911'000 Franken für den Zeitraum 2024 bis 2026. Der Stadtrat argumentiert, diese Mittel dienten der konkreten Reduktion von Treibhausgasen und der Vorbereitung der Stadt auf veränderte klimatische Bedingungen — und nicht der Modellierung extremer hypothetischer Szenarien.
- Frage: Soll Dübendorf am aktuellen Klimaengagement festhalten?
- Stadtrat: Ja — ausgerichtet an Bund, Kanton und internationaler Forschung.
- SVP‑Vertreter: Fordert Neubewertung nach IPCC‑Änderungen und prüft politischen Vorstoss.
Politische Folgen möglich
Wyss kündigte in seiner Anfrage an, einen politischen Vorstoss zu lancieren, sollte der Stadtrat am bisherigen Kurs festhalten. Damit könnte die Debatte demnächst wieder im Dübendorfer Gemeinderat landen. Die Diskussion berührt zwei zentrale Fragen der kommunalen Politik: erstens die Priorisierung von Investitionen in Klimamassnahmen gegenüber anderen Aufgaben und zweitens die Ausrichtung kommunaler Klimapolitik an sich wandelnden wissenschaftlichen Grundlagen.
Kontext für Dübendorf
Die Auseinandersetzung spiegelt eine breitere Debatte, die in vielen Gemeinden und Städten geführt wird: Wie stark sollen lokale Verwaltungen in Klimamassnahmen investieren, wenn wissenschaftliche Modelle angepasst werden? Für Dübendorf kommt hinzu, dass der Massnahmenplan als Instrument zur Erreichung des Netto‑Null‑Ziels 2050 verstanden wird und deshalb nicht primär auf extremen Szenarien basiert. Der Stadtrat betont zudem die Orientierung an den Klimzielen von Bund und Kanton sowie an den Erkenntnissen der internationalen Forschung.
| Jahr | Massnahme / Budget |
|---|---|
| 2023 | Rahmenkredit 911'000 Fr. bewilligt |
| 2024–2026 | Umsetzung des Klimaplans |
| 2050 | Netto‑Null‑Ziel |
Die Debatte bleibt offen. Für Bewohnerinnen und Bewohner von Dübendorf ist relevant, dass es nicht nur um abstrakte Klimamodelle geht, sondern um konkrete Projekte, die in den nächsten Jahren umgesetzt und finanziert werden. Sollte Wyss seinen angekündigten Vorstoss einreichen, entscheidet der Gemeinderat darüber, ob der eingeschlagene Weg beibehalten, angepasst oder neu ausgerichtet wird. Bis zu einer solchen Entscheidung bleibt der Stadtrat in der Pflicht, die bisher beschlossenen Massnahmen weiterzuführen.