Baselland Transport (BLT) hat in Münchenstein den Grundstein für die Umrüstung eines Abschnitts der Tramlinie 11 auf teilautomatisierten Betrieb gelegt. Die Gesellschaft installiert das sogenannte Communications Based Train Control-System (CBTC) des Herstellers Stadler, das erstmals bei BLT Trams automatisiert fahren lässt, während das Fahrpersonal weiterhin zentrale Funktionen behält.
Teststrecke zwischen Freilager und Landererstrasse
Die Teststrecke umfasst den Abschnitt zwischen den Haltestellen Freilager in Münchenstein und Landererstrasse in Reinach. BLT-CEO Frédéric Monard erklärte vor den Medien, die laufenden Sanierungsarbeiten auf der Linie 11 würden genutzt, um die neue Steuerung gleich dort einzubauen: «Wir wollen die Infrastruktur, die an ihr Lebensende gekommen ist, nicht nur ersetzen, sondern gleichzeitig die Voraussetzungen für die Mobilität von morgen schaffen.»
«Wir wollen die Infrastruktur, die an ihr Lebensende gekommen ist, nicht nur ersetzen, sondern gleichzeitig die Voraussetzungen für die Mobilität von morgen schaffen.»
Das CBTC-System erlaubt in einem ersten Schritt, dass die Trams automatisch fahren. Entscheidend ist aber, dass der Mensch weiterhin zentrale Eingriffe vornimmt: Der Fahrer oder die Fahrerin entscheidet den Start, steuert den Halt und öffnet die Türen. In einem späteren Schritt sei vorgesehen, dass die Trams im Fahrgastbetrieb automatisch unterwegs sind, wobei auch dann eine Person die Überwachung des Fahrwegs und des Fahrgastwechsel übernimmt.
Zeitplan und technische Komponenten
Die BLT gibt für die Erprobung einen gestaffelten Ablauf vor:
- 2027: Beginn der nachtlichen Testfahrten auf dem umgerüsteten Abschnitt.
- 2028: Geplanter Start des teilautomatisierten Fahrgastbetriebs auf der Linie 11 mit Überwachung durch Personal.
Zur genauen Überwachung der Reisedauer und Positionierung installiert BLT passive Sensoren, sogenannte Radio Frequency Identification-Tags (RFID), im Gleisbett. Diese Tags ermöglichen eine permanente Kommunikation zwischen Infrastruktur und Fahrzeug.
| Element | Funktion |
|---|---|
| CBTC (Stadler Nova Pro) | Kommunikationsbasierte Zugsteuerung, Grundlage für teilautomatisiertes Fahren |
| RFID-Tags | Präzise Positionserfassung und permanente Datenübertragung |
| Fahrpersonal | Start, Halt, Türöffnung, Überwachung des Fahrwegs und Fahrgastwechsels |
Auswirkungen auf Infrastruktur und Betrieb
Stadler betont, dass durch die Umstellung auf CBTC klassische Stellwerke und Signalanlagen wegfallen könnten. David Frei, Leiter Vertrieb und Kundenservice bei Stadler, wies darauf hin, dass die neue Technik die bisherigen Stell- und Signalstrukturen verändern werde. Welche Teile der bestehenden Infrastruktur unmittelbar ersetzt oder angepasst werden, hat BLT im Detail noch zu kommunizieren.
Die BLT will die Modernisierung mit der Erneuerung fertigwerdender Anlagen koppeln und so die Lebenszyklen der Infrastruktur optimal nutzen. Die genaue Auswirkung auf den regulären Fahrplan, mögliche Betriebsunterbrueche während der Umrüstungsarbeiten sowie Kundinnen- und Kundeninformation zu Änderungen sind noch offen und dürften in den kommenden Monaten kommuniziert werden.
Was für Fahrgäste relevant ist
In der Praxis bleibt der Alltag der Fahrgäste vorerst weitgehend unverändert: Personal wird präsent bleiben, Türen werden weiterhin vom Fahrer oder der Fahrerin geöffnet. Die Modernisierung könnte jedoch langfristig Vorteile bringen, etwa dichtere Taktfolgen, grössere Pünktlichkeit und geringeren Personalaufwand für signaltechnische Abläufe, sofern die technischen und rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Für Pendlerinnen und Pendler sowie Anwohnende sind vorerst zwei Punkte zu beachten: In der Testphase können nächtliche Fahrten stattfinden, und während der Montage der technischen Komponenten kann es zu temporären Bauarbeiten entlang der Strecke kommen. BLT hat angekündigt, die Öffentlichkeit rechtzeitig über Bauphasen und allfällige Einschränkungen zu informieren.
Einordnung
Die Waldenburgerbahn war in der Schweiz bereits als offene Bahnstrecke mit teilautomatisierter Steuerung unterwegs; nun setzt BLT dieses Prinzip erstmals im Tramnetz um. Die Umstellung auf CBTC steht für eine breitere Entwicklung im öffentlichen Verkehr: moderne Kommunikationssysteme ersetzen zunehmend starre Signalinfrastrukturen. Ob und wie rasch sich solche Lösungen flächendeckend durchsetzen, hängt aber von Kosten, Rechtssicherheit und Erfahrungen aus den Erprobungsphasen ab.
BLT und Stadler wollen die Tests nutzen, um Erkenntnisse für einen späteren Ausbau auf weitere Abschnitte zu gewinnen. Für Fahrgäste in Münchenstein und Reinach steht in den nächsten Jahren eine Phase technischer Erneuerungen bevor, die das Tramnetz langfristig verändern könnte.