In den Stunden vor der totalen Sonnenfinsternis am Mittwochabend hat ein Basler Entwickler eine einfache wie nützliche Lösung vorgestellt: Mit einer neu veröffentlichten Web-App lässt sich prüfen, ob der gewählte Beobachtungsort freie Sicht zur Sonne hat – gerade zur entscheidenden Phase um 20.17 Uhr.
Wie die App funktioniert
Die Anwendung, erreichbar unter www.schmelzmoment.app, erlaubt es Nutzerinnen und Nutzern, eine Adresse einzugeben und in einem 3D-Modell zu prüfen, ob Gebäude, Hügel oder Bäume die Sonne während des Finsternismaximums verdecken. Grundlage für die Geländedarstellung sind öffentlich zugängliche Daten vom Geoportal des Bundes. Ein Zeitstrahl zeigt die Bahn der Sonne und macht sichtbar, ob sie zur angegebenen Uhrzeit frei am Himmel steht.
Hinter der App steht der Basler Programmierer Riccardo Lardi. Laut Angaben in einem kurzen Interview entstand das Projekt spontan: Er wachte früh auf, konnte nicht mehr einschlafen und begann, die Idee sofort umzusetzen. Für die schnelle Umsetzung nutzte Lardi auch Methoden der künstlichen Intelligenz, weshalb die Anwendung bereits wenige Stunden nach dem Start von mehreren Tausend Nutzern getestet wurde.
«Ich bin am Mittwochmorgen um 4 Uhr aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen. Dann hatte ich die Idee von der App und habe mich gleich ans Programmieren gesetzt.»
Nutzen für Beobachterinnen und Beobachter
Die App zielt auf ein alltägliches Problem bei Himmelsbeobachtungen: Ein sorgfältig ausgesuchter Beobachtungsplatz kann durch lokale Hindernisse unbrauchbar werden, wenn die Sonne am falschen Punkt des Himmels verläuft. Mit der visuellen Prüfung in 3D lassen sich Enttäuschungen vermeiden. Die wichtigsten Funktionen im Überblick:
- Adresse eingeben und 3D-Sicht prüfen
- Zeitstrahl zur Verfolgung der Sonnenbahn inklusive Anzeige des Maximums
- Darstellung basierend auf amtlichen Geländedaten
Technik, Verfügbarkeit und Akzeptanz
Lardi, der auch beruflich als Programmierer tätig ist, griff auf bestehende öffentliche Datenbestände zurück und kombinierte diese mit eigenen Visualisierungs- und KI-Tools. Trotz der sehr kurzen Online-Zeit meldete die App bereits tausende Besuche; genaue Nutzungszahlen hat der Entwickler nicht veröffentlicht. Die Web-Anwendung benötigt keinen Download und ist damit rasch zugänglich – ein Vorteil gerade bei einem kurzfristig erwarteten Ereignis.
| Aspekt | Information |
|---|---|
| Webadresse | www.schmelzmoment.app |
| Zentrale Uhrzeit | 20.17 Uhr (Maximum in der Schweiz) |
| Datenbasis | Geoportal des Bundes (3D-Geländedaten) |
Praktische Hinweise
Die App ersetzt nicht die Eigenverantwortung beim Beobachten: Wer die Finsternis sicher sehen will, sollte nebst Sichtprüfung auch eine geeignete Schutzbrille haben und sich vor Ort über Zugänglichkeit und Lichtverhältnisse informieren. Da die Anwendung als Webdienst funktioniert, empfiehlt es sich, den gewünschten Standort schon frühzeitig zu prüfen – insbesondere bei hoher Nachfrage nach beliebten Aussichtspunkten.
Für die Baslerinnen und Basler bringt die App einen konkreten Mehrwert: Altstadtnah oder am Rheinufer platzierte Beobachter können rasch sehen, ob umliegende Gebäude die Sicht beeinträchtigen. Für Gemeinden und Veranstaltende kann die Anwendung bei der Planung von Public-Viewing-Angeboten hilfreich sein.
Weiteres Potenzial
Das Prinzip lässt sich auf andere Beobachtungen übertragen: Finsternisse, planetare Begegnungen oder Sonnenauf- und -untergänge an markanten Orten. Ob Lardi die App nach dem Ereignis weiter betreiben oder ausbauen will, geht aus den verfügbaren Informationen nicht hervor. Klar ist jedoch: In einer Zeit, in der öffentlich verfügbare Geodaten und KI-Tools zusammenkommen, entstehen rasch Werkzeuge mit hohem praktischem Nutzen.
Die App ist ein Beispiel dafür, wie lokales Entwickler-Know-how und frei verfügbare Daten unmittelbar in Dienstleistungen für die Öffentlichkeit umgesetzt werden können. Für viele Himmelsgucker in Basel und der ganzen Schweiz dürfte das den Unterschied zwischen einem gelungenen und einem verpassten Beobachtungserlebnis ausmachen.