Basel-Stadt verlangt für dieselben Dienstleistungen im Strassenverkehr deutlich höhere Gebühren als die meisten anderen Kantone. Eine aktuelle Auswertung des Beobachters zeigt: Der Lernfahrausweis kostet im Kanton Basel-Stadt Fr. 90, im Aargau lediglich Fr. 20 – mehr als das Vierfache. Auch der Führerausweis im Kreditkartenformat ist in Basel-Stadt mit Fr. 75 dreimal so teuer wie im Aargau (Fr. 25).
Was kostet wo wie viel?
Die Unterschiede betreffen nicht nur den Lernfahrausweis. Die praktische Prüfungsgebühr variiert kantonal ebenfalls stark: In Zürich liegt sie mit Fr. 174 besonders hoch, in Zug mit Fr. 90 deutlich tiefer. Die Auswertung des Beobachters reiht Basel-Stadt als den teuersten Kanton insgesamt ein.
- Lernfahrausweis: Basel-Stadt Fr. 90 vs. Aargau Fr. 20
- Führerausweis (Kreditkarte): Basel-Stadt Fr. 75 vs. Aargau Fr. 25
- Praktische Prüfung: Zürich Fr. 174 vs. Zug Fr. 90
Warum diese Unterschiede?
Die Kantone legen Gebühren für Leistungen der Strassenverkehrsämter autonom fest. Das führt zu einem regelrechten "Gebührendschungel" – ein Begriff, der auch in der Untersuchung des Preisüberwachers fällt. Kritikpunkt Nummer eins: Mehrere Untersuchungen und Expertenschätzungen deuten darauf hin, dass die erhobenen Gebühren vielerorts über den tatsächlichen Kosten liegen. Der Eidgenössische Finanzverwaltungsbericht von 2021 kam zum Schluss, dass die Gebühren der Strassenverkehrsämter im Schweizer Mittel bei rund 119 Prozent der Kosten liegen. Der Preisüberwacher schätzte 2019, dass bundesweit etwa Fr. 100 Millionen zu viel eingezogen werden.
„Mit Gebühren soll man keinen Gewinn machen. Sie sollen lediglich die Kosten decken.“
Dieses Zitat stammt von Preisüberwacher Stefan Meierhans – eine Kritik, die sich direkt gegen die Praxis vieler Kantone richtet. Auch in Basel-Stadt hat die Debatte nicht nur einmal zu politischen Vorstössen geführt: Mitglieder des Grossen Rates forderten Transparenz über Verwaltungskosten und eine Anpassung der Gebührenverordnung an das Kostendeckungsprinzip. Konkrete Änderungen wurden bislang jedoch nicht umgesetzt.
Welche Rolle spielt Basels Stadtkasse?
Obwohl die kantonalen Gebühren Einnahmen generieren, ist der rechtliche Rahmen klar: Gebühren sollen in der Regel kostendeckend sein und keine Gewinne erzielen. Die Praxis weicht davon ab. Für Basel-Stadt bedeutet das: Junge Lenkerinnen und Lenker zahlen mit Fr. 90 für den Lernfahrausweis einen vergleichsweise hohen Betrag. Für Familien und Lernende summieren sich die Belastungen, insbesondere wenn Fahrstunden und Prüfungswiederholungen hinzukommen.
Welche Folgen hat das für die Betroffenen?
Hohe Gebühren wirken sich direkt auf Ausbildungskosten aus. Fahrschulen berichten regelmässig, dass die Gesamtkosten für einen Führerausweis je nach Kanton stark differieren – nicht allein wegen der Gebühren, sondern auch wegen unterschiedlicher Praxis bei Stundenempfehlungen und Prüfungsmodalitäten. Für sozial schwächere Haushalte können zusätzliche Gebühren Hürden darstellen; für junge Erwachsene steigen die Kosten des Mobilitätsstarts.
Was fordern Kritiker und Politik?
Die Forderungen sind wiederholt gleichlautend: Mehr Transparenz in der Gebührenkalkulation, eine klare Orientierung am Kostendeckungsprinzip und flankierende Massnahmen, die besonders betroffene Gruppen entlasten. Im Kanton Basel-Stadt wurden solche Forderungen im Grossen Rat eingereicht, jedoch bisher ohne durchgreifende Reform.
| Kriterium | Beispiel Basel-Stadt | Beispiel Aargau |
|---|---|---|
| Lernfahrausweis | Fr. 90 | Fr. 20 |
| Führerausweis (Karte) | Fr. 75 | Fr. 25 |
| Praktische Prüfung (Beispiel) | — | Zürich Fr. 174 / Zug Fr. 90 |
Was nun?
Die Auswertung macht deutlich: Es besteht ein Spannungsfeld zwischen kantonaler Autonomie und dem Gebot zur Kostendeckung. Ob Basel-Stadt nach den wiederholten Hinweisen der Institutionen und dem Druck aus dem Grossen Rat seine Gebührenpolitik überdenkt, bleibt abzuwarten. Für Betroffene gilt aktuell: Gebühren vor einer Anmeldung vergleichen und in die Budgetplanung für den Führerausweis einrechnen.
Die Debatte betrifft nicht nur die Geldtasche der Junglenkenden, sondern auch Fragen der Gerechtigkeit und Verwaltungsführung. Solange die Kantone ihre Gebühren autonom festlegen, wird der Vergleich zwischen Basel-Stadt und andern Kantonen ein Gradmesser bleiben – sowohl für die Transparenz der Verwaltung als auch für die Bereitschaft zu Reformen.