Das vietnamesische Ministerium für Bildung und Ausbildung will die Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) als offizielles Fach in den nationalen Wettbewerb zur Auswahl hervorragender Schülerinnen und Schüler weiter vorantreiben. Grundlage für den Vorstoß ist der Erfolg der vietnamesischen Nationalmannschaft bei der Internationalen Olympiade für Künstliche Intelligenz (IOAI) 2026, bei der sieben Studierende Medaillen gewannen: 2 Gold, 1 Silber und 4 Bronze.
Hintergrund und Auswahlverfahren
Das Ministerium veröffentlichte die Informationen auf seinem elektronischen Portal und begründet die geplante Maßnahme mit dem Ziel, Humanressourcen mit KI-Fähigkeiten zu entdecken und systematisch zu fördern. Damit solle den Anforderungen an die Entwicklung von Wissenschaft, Technologie und hochqualifizierten Fachkräften des Landes Rechnung getragen werden.
Der Auswahlprozess für das IOAI-Team lief in mehreren Runden ab und ist im Detail dokumentiert:
- Runde 1: 1.188 Schülerinnen und Schüler aus 34 Provinzen und Städten nahmen an einer Online-Prüfung teil.
- Runde 2: Aus diesen wurden 246 Kandidatinnen und Kandidaten für eine praktische Programmierprüfung am Computer ausgewählt.
- Finale Auswahl: Aus der zweiten Runde wurden acht herausragende Schüler für das Nationalteam bestimmt.
- Vorbereitung: Das Team absolvierte ein knapp dreiwöchiges Training vom 10. Juli bis zur Abreise zum Wettkampf am 31. Juli.
| Beleg | Zahl |
|---|---|
| Teilnehmende in Runde 1 | 1.188 |
| Ausgewählte für Runde 2 | 246 |
| Teammitglieder (final) | 8 |
| Medaillen bei IOAI 2026 | 7 (2G / 1S / 4B) |
Inhalte der Prüfungen und Bewertung
Nach Angaben des Instituts für Künstliche Intelligenz der Technischen Universität (Vietnam National University, Hanoi) und des Teamleiters, Dr. Tran Quoc Long, entsprach Inhalt, Format und Schwierigkeitsgrad der nationalen Auswahlprüfung weitgehend jenen der IOAI. Die Bewertungsteams stuften die diesjährige IOAI-Prüfung als schwierig und äußerst kreativ ein.
„Die Kandidaten mussten alle Phasen der Entwicklung eines KI-Produkts durchführen – von der Datenaufbereitung und dem Modellbau bis hin zum Testen.“
Damit unterscheide sich die Prüfung deutlich von rein theoretischen Wettbewerben: Gefragt waren praktische Fähigkeiten in Datenverarbeitung, Modellierung und Evaluierung — Kompetenzen, die für spätere Tätigkeiten in Forschung und Industrie entscheidend sind.
Konsequenzen für Bildungspolitik und Arbeitsmarkt
Die Entscheidung, KI als Prüfungsfach in nationalen Wettbewerben zu verankern, zielt darauf ab, Talente frühzeitig zu identifizieren und Förderstrukturen zu schaffen. Für Schulen und Ausbildungseinrichtungen bedeutet dies, dass Lehrpläne, Prüfungsformate und Trainerausbildungen angepasst werden müssten, um praxisorientierte KI-Kompetenzen vermitteln zu können.
Für die Berufs- und Hochschulorientierung hat die Maßnahme zwei zentrale Effekte:
- Frühzeitige Selektion und Förderung technologisch qualifizierter Nachwuchskräfte;
- Stärkere Verknüpfung schulischer Bildung mit konkreten Anforderungen von Wissenschaft und Arbeitsmarkt.
Wie schnell und in welchem Umfang die Aufnahme von KI als offizielles Fach umgesetzt wird, bleibt offen. Das Ministerium betont jedoch die proaktive Vorbereitung des nationalen Auswahlprozesses als Modell für eine mögliche Integration in die regulären Prüfungsstrukturen.
Für Eltern, Lehrkräfte und Jugendliche bedeutet dies: Eine verstärkte Ausrichtung auf digitale und datengetriebene Kompetenzen ist absehbar. Die konkrete Ausgestaltung — etwa Lehrstoff, Prüfungsformate und Ressourcenplanung — wird Folgeentscheidungen des Ministeriums und der Bildungsinstitutionen erfordern.
Als Ressortleitung Bildung beobachte ich genau, wie andere Länder auf die Notwendigkeit reagieren, KI-Kompetenzen bereits in der schulischen Ausbildung systematisch zu verankern. Die vietnamesische Initiative liefert dafür konkrete Anhaltspunkte in Auswahlverfahren, Trainingsdauer und Wettbewerbsformaten.