Das vietnamesische Bildungsministerium hat die ersten drei Hochschulen registriert, die sich für den angestrebten Status einer Elite- beziehungsweise Exzellenzuniversität bewerben. Konkret handelt es sich um die Vietnam National University, Hanoi, die Vietnam National University, Ho Chi Minh City und die private VinUni. Die Registrierung markiert den Beginn eines mehrstufigen Verfahrens: Das Ministerium will Aufgaben zuweisen, Ziele definieren und die Ergebnisse prüfen, statt den Titel allein aufgrund einer Anmeldung zu verleihen.
Keine automatische Ernennung — klare Leistungsanforderungen
Vertreter des Bildungsministeriums wiesen beim Workshop zur Entwicklung von Modellen für Elite‑ und Exzellenzuniversitäten darauf hin, dass die Registrierung nicht gleichbedeutend mit der Zuerkennung des Titels ist. Laut Aussagen der Ministeriumsvertreter müssen die ausgewählten Einrichtungen in mehreren Bereichen nachweisen, dass sie die Voraussetzungen einer Eliteuniversität erfüllen: Spitzenforschung, internationale Wettbewerbsfähigkeit sowie eine führende Rolle in der Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte und in der Entwicklung wissenschaftlicher sowie technologischer Produkte mit direkter wirtschaftlicher Wirkung.
Die Kriterien betonen damit nicht allein Ranglistenpositionen, sondern die Fähigkeit zur Generierung neuen Wissens, zur Ausbildung von Talenten und zur Schaffung messbarer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wirkungen. Das Ministerium plant insgesamt, im Land etwa 3–5 Eliteuniversitäten zu etablieren; die Registrierung der drei Institutionen ist ein erster Schritt auf diesem Weg.
Was jetzt auf die Universitäten zukommt
Nach der Registrierung folgt ein Prozess, in dem das Ministerium den Bewerbern konkrete Aufgaben und Zielvorgaben übermitteln und ihre Leistungen bewerten wird. Entscheidend sollen dabei unter anderem folgende Bereiche sein:
- Forschungsausgaben und die Qualität der Spitzenforschung
- Internationale Kooperationen und Wettbewerbsfähigkeit
- Ausbildung von hochqualifizierten Fachkräften
- Transfer von Forschungsergebnissen in wirtschaftlich relevante Produkte
Fachleute und Teilnehmer des Workshops zeigten breite Zustimmung zu dem Vorgehen: Die Registrierung sei ein notwendiger, aber noch kein ausreichender Schritt zur Anerkennung als "Exzellenz"-Universität.
„Nur weil Sie sich registrieren, bedeutet das nicht, dass Sie zur 'Elite' gehören.“
Konsequenzen für Hochschulentwicklung und Praxis
Die Initiative des Bildungsministeriums signalisiert einen stärkeren Fokus auf selektive Spitzenförderung. Für Studierende und Lehrende kann das mehrere Folgen haben: eine stärkere Ausrichtung auf forschungsintensive Studiengänge, verstärkte internationale Vernetzung und möglicherweise höhere Anforderungen an Publikationen und Projektarbeit. Für die Hochschulen bedeutet der Prozess zugleich erhöhten Evaluationsdruck, aber auch Aussicht auf zusätzliche Ressourcen und Reputation, sofern die Kriterien erfüllt werden.
Die konkrete Ausgestaltung der Aufgaben und Bewertungsmaßstäbe bleibt jedoch abzuwarten. Entscheidend wird sein, welche Indikatoren das Ministerium zur Messung von „Wirkung“ und „Führungsrolle“ zugrunde legt und wie transparent die Bewertung erfolgt. Ebenso offen ist, in welchem Zeitraum die Bewerber die erforderlichen Nachweise erbringen müssen.
Internationale Vergleichsperspektive
Viele Länder verfolgen ähnliche Strategien zur Konzentration von Ressourcen auf wenige Spitzeninstitutionen, um im internationalen Wettbewerb sichtbarer zu werden. Dabei besteht die Herausforderung, Innovation und Exzellenz zu fördern, ohne das Breitenangebot der Hochschulbildung zu schwächen. Die Ankündigung Vietnams reiht sich in diese internationalen Debatten ein: Die Balance zwischen Eliteförderung und Chancengleichheit wird auch hier eine Rolle spielen.
Die nun registrierten Einrichtungen stehen damit am Anfang eines Prüfprozesses, dessen Ergebnis weitreichende Folgen für das vietnamesische Hochschulsystem haben kann. Das Bildungsministerium plant laut Workshop, die Entwicklung einer langfristigen Hochschulstrategie voranzutreiben, die auf die Schaffung mehrerer Eliteuniversitäten abzielt.