Vietnam muss seinen rechtlichen und planerischen Rahmen rasch anpassen, wenn das Land seine Ziele für die Meereswirtschaft bis 2045 erreichen will. Das wurde bei einem Fachseminar an der Juristischen Universität Ho-Chi-Minh-Stadt deutlich, bei dem nationale und internationale Expertinnen und Experten aktuelle Entwicklungen im Seerecht sowie die wirtschaftlichen Chancen und Risiken der Meeresnutzung diskutierten.
Seminar und zentrale Forderungen
Das Treffen trug den Titel „Zeitgenössisches internationales Seerecht und die Entwicklung der vietnamesischen Meereswirtschaft – Vision 2045“. Im Zentrum standen die Notwendigkeit, die nationale Gesetzgebung zu verbessern, die Einführung einer integrierten maritimen Raumplanung sowie die proaktive Anpassung an neue Wirtschaftssektoren. Als zentrale Herausforderungen nannten die Vortragenden den Klimawandel, den Meeresspiegelanstieg, den Verlust der Biodiversität, Umweltverschmutzung und die Übernutzung mariner Ressourcen.
„Für Vietnam spielt das Meer eine entscheidende Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung, die nationale Verteidigung und Sicherheit sowie den Ausbau der internationalen Zusammenarbeit.“
Die Aussage stammt von Associate Professorin Dr. Tran Thi Thuy Duong, Leiterin der Abteilung für Internationales Recht an der Juristischen Universität Ho-Chi-Minh-Stadt. Sie betonte, dass internationale Rechtsnormen heute über die traditionelle Festlegung von Seezonen hinausgehen und zunehmend Themen wie Schutz der biologischen Vielfalt, maritime Raumplanung, Emissionsreduktion, Offshore-Energie, digitale Transformation und den Einsatz künstlicher Intelligenz umfassen.
Warum ein neuer Rechtsrahmen nötig ist
Nach Darstellung der Expertinnen und Experten adressiert das zeitgenössische internationale Seerecht nicht mehr nur Fragen zu Staatsgrenzen und Seezonen. Vielmehr entwickeln sich Normen und Praxis in Richtung umfassender Meerespolitik und sektorenübergreifender Steuerung. Für Vietnam bedeutet das konkret:
- Schaffung gesetzlicher Grundlagen für maritime Raumordnung, die Nutzungskonflikte zwischen Fischerei, Energiegewinnung, Naturschutz und Schifffahrt minimieren;
- Regelungen für den Ausbau von Offshore-Energie und die Kontrolle von Emissionen in maritime Lebensräume;
- Rahmenbedingungen für den verantwortungsvollen Einsatz von digitaler Technik und künstlicher Intelligenz in Überwachung, Planung und Ressourcenschutz;
- Stärkung akademischer und internationaler Kooperationen zur Anpassung an rasche rechtliche Entwicklungen.
Konkrete Handlungsfelder
Die Diskussionsteilnehmer identifizierten mehrere operative Felder, in denen Vietnam aktiv werden sollte, wenn die Vision 2045 realistisch bleiben soll:
- Integration nationaler Gesetze mit internationalen Verpflichtungen und Standards;
- Ausbau institutioneller Kapazitäten für maritime Raumplanung und Umweltmonitoring;
- Förderung von Forschung und Ausbildung, um Fachpersonal in Recht, Planung und Technologie bereitzustellen;
- Einbindung privater Investoren und internationaler Partner unter klaren rechtlichen Vorgaben.
| Thema | Implikation für Vietnam |
|---|---|
| Maritime Raumplanung | Konfliktlösung zwischen Nutzungen, Flächenzuteilung |
| Offshore-Energie | Rechtliche Sicherheit für Investoren, Umweltauflagen |
| Digitale Transformation & KI | Verbesserte Überwachung, effiziente Planung |
| Biodiversitätsschutz | Erhaltung von Lebensräumen, nachhaltige Nutzung |
Die Vortragenden hoben hervor, dass Fortschritte in einzelnen Sektoren ohne abgestimmte Gesamtstrategie begrenzt bleiben. Eine integrierte maritime Raumordnung könne Planungshoheit, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Effizienz verbinden.
Folgen für Wirtschaft und Internationale Zusammenarbeit
Ein moderner Rechtsrahmen hätte direkte wirtschaftliche Folgen: Er würde Rechtssicherheit für Investitionen schaffen, Raum für neue Wertschöpfungsketten öffnen und die Voraussetzungen für nachhaltigen Ausbau von Offshore-Wind, Meeresenergie und aquatischen Industrien verbessern. Gleichzeitig fordert die Komplexität der Themen verstärkte internationale Kooperation, etwa bei Grenzfragen, Forschung und beim Erfahrungsaustausch in der Rechtsanwendung.
Die Experten deutlich machten, dass neben gesetzlichen Anpassungen auch der Ausbau akademischer Netzwerke und der Wissenstransfer zentral sind, um die Vision einer nachhaltigen Meereswirtschaft bis 2045 nicht nur zu formulieren, sondern praktisch umzusetzen.
Für Vietnam bleibt die Herausforderung, rechtliche Modernisierung mit konkreten Planungsinstrumenten und technischer Kompetenz zu verknüpfen. Nur so lassen sich die potenziellen Erträge des Meeresraums erschließen, ohne langfristige ökologische Schäden zu riskieren.