Die Plattform Temu hat infolge einer im Mai verhängten Geldbuße der EU-Kommission Zugeständnisse zur Verbesserung ihrer Sicherheitskontrollen angekündigt. Die Kommission hatte dem Onlinehändler wegen mangelhafter Risiko‑ und Sicherheitsbewertung ein Bußgeld in Höhe von 200 Millionen Euro auferlegt. Temu will nun konkrete Nachbesserungen beim Risikomanagement und bei der Überwachung seiner Angebote vorlegen.
Fristen und Nachweise
Laut Mitteilung der EU-Kommission muss Temu bis Ende November einen vorläufigen Risikobericht vorlegen, der Daten für einen Zeitraum von sechs Monaten abdeckt. Für den anschließenden, aktualisierten Jahresbericht hat das Unternehmen anschließend vier Monate Zeit.
Die Berichte sollen auf aktuellen und verlässlichen Daten basieren und die Risikobewertung spezifisch auf den eigenen Marktplatz zuschneiden. Mit belastbaren Kennzahlen soll Temu nachweisen, ob die eingeführten Schutzmaßnahmen die Verbreitung illegaler bzw. gefährlicher Produkte tatsächlich reduzieren.
Inhaltliche Vorgaben: Algorithmen, Kontrollen, Missbrauch
Die Kommission nennt mehrere konkrete Prüfbereiche: Unter anderem müssen die Temu‑Verantwortlichen prüfen, in welchem Ausmaß Empfehlungsalgorithmen gefährliche oder gesundheitsgefährdende Produkte bewerben können. Darüber hinaus soll das Unternehmen offenlegen, wo automatische und manuelle Kontrollen an Grenzen stoßen, und untersuchen, wie Händler die Funktionen des Marktplatzes gezielt ausnutzen, um illegale Angebote zu verbreiten.
Die Kommission befand, Temu habe die Zahl illegaler Produkte "deutlich unterschätzt".
Diese Feststellung folgte auf Testkäufe der Kommission, bei denen zahlreiche Produkte gefunden wurden, die grundlegende Sicherheitsprüfungen nicht bestanden.
Hintergrund: Pflichten nach Digital Services Act
Die Maßnahmen stützen sich auf Vorgaben des EU‑Gesetzes für digitale Dienste (Digital Services Act, DSA). Nach diesen Regeln müssen sehr große Onlineplattformen jährlich einen Risikobericht an die Kommission übermitteln. Dieser Bericht soll die Menge gefährlicher Produkte auf einem Marktplatz beziffern und darstellen, wie ein Anbieter gegen solche Angebote vorgeht.
- Bußgeld: 200 Mio. Euro (verhängt im Mai)
- Vorläufiger Bericht: bis Ende November, abdeckend sechs Monate
- Aktualisierter Jahresbericht: Frist von vier Monaten nach dem Vorbericht
Folgen und Kontrolldruck
Sollte die EU‑Kommission zum Schluss kommen, dass die vorgelegten Maßnahmen unzureichend sind, behält sie sich weitere Durchsetzungsmaßnahmen vor. Konkrete Sanktionen oder zusätzliche Auflagen wurden in der Mitteilung nicht detailliert genannt, aber die Kommission machte deutlich, dass die eingereichten Daten und die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen entscheidend sind.
Für Marktteilnehmer und Regulierungsbehörden ist der Fall Temu richtungsweisend: Er zeigt, wie die DSA in der Praxis wirkt und mit welchen Nachweisanforderungen große Plattformen künftig konfrontiert werden. Insbesondere die Prüfung von Empfehlungsalgorithmen könnte einen Präzedenzfall schaffen, weil sie die Schnittstelle zwischen Technik, Haftung und Verbraucherschutz adressiert.
| Aspekt | Vorgabe/Ergebnis |
|---|---|
| Bußgeld | 200 Mio. Euro |
| Vorläufiger Risikobericht | Bis Ende November, 6‑Monats‑Zeitraum |
| Aktualisierter Jahresbericht | Frist: 4 Monate |
Für Konsumentinnen und Konsumenten sowie Händlerinstitutionen bedeutet das strengere Prüfpfade und potenziell bessere Schutzmechanismen. Plattformbetreiber wiederum sehen sich gezwungen, interne Prozesse, Datenqualitätsstandards und algorithmische Transparenz zu verbessern.
Ob die zugesagten Maßnahmen und die künftigen Berichte ausreichen, wird sich an den vorgelegten Zahlen und an der Frage messen, ob Testkäufe künftig weniger sicherheitsrelevante Mängel aufzeigen. Die EU‑Kommission hat Temu klare Fristen gesetzt; die nächsten Wochen werden zeigen, wie detailliert und belastbar die Antworten ausfallen.