Wirtschaft

Ardo-Werk schließt: Österreichs Gemüseversorgung offen — Minister fordert Schulterschluss

Der Abschied des belgischen Verarbeiters Ardo aus dem Marchfeld erhöht den Druck auf die heimische Gemüseproduktion. Der „Grüne Bericht 2026“ zeigt niedrige Selbstversorgungsraten und einen deutlichen Importüberhang.

Ardo-Werk schließt: Österreichs Gemüseversorgung offen — Minister fordert Schulterschluss
©Illustration KI Katharina Ecker / we-news.com

Der angekündigte Stopp der Produktion beim belgischen Verarbeiter Ardo im Marchfeld stellt die heimische Gemüsewirtschaft vor erhebliche Unsicherheiten. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) rechnet „in ein paar Wochen“ mit Klarheit über die Zukunft der dortigen Gemüseproduktion, lässt aber zugleich wenig Hoffnung auf eine Rücknahme der Entscheidung erkennen: „

Es ist aussichtslos
“, so der Minister.

Geringe Eigenproduktion, hoher Importanteil

Der aktuelle „Grüne Bericht 2026“ des Landwirtschaftsministeriums dokumentiert die strukturelle Verwundbarkeit: Der Selbstversorgungsgrad bei Obst liegt demnach bei nur 38 Prozent, bei Gemüse bei 57 Prozent. Zum Vergleich: Bei Trinkmilch beträgt der Selbstversorgungsgrad 177 Prozent. Diese Zahlen machen deutlich, dass Österreich traditionell ein Nettoimporteur von Gemüse ist.

Für 2025 weist der Bericht folgende Mengen- und Wertverhältnisse aus:

  • Erntemenge Feld- und Gartenbaugemüse 2025: 726.800 t (plus 9 % gegenüber 2024)
  • Anbaufläche: +3 % gegenüber 2024
  • Einfuhr 2025: ~583.400 t, Wert 906 Mio. Euro
  • Ausfuhr 2025: 243.400 t, Wert 224,65 Mio. Euro
  • Importüberhang 2025: 681,4 Mio. Euro
IndikatorWert 2025
Selbstversorgungsgrad Obst38 %
Selbstversorgungsgrad Gemüse57 %
Ernte Feld-/Gartenbau726.800 t
Importe~583.400 t / 906 Mio. €
Exporte243.400 t / 224,65 Mio. €

Folgen für Produktion, Handel und Versorgung

Der Wegfall von Verarbeitungs- und Verpackungskapazitäten in einer struktursensiblen Region wie dem Marchfeld kann kurzfristig zu Absatzproblemen für Produzentinnen und Produzenten führen. Das gilt insbesondere für Saisonware, die rasch verarbeitet oder gekühlt werden muss. Für Handel und Gastronomie drohen größere Preisschwankungen, falls alternative Verarbeitungskapazitäten fehlen oder Importbedarf steigt.

Langfristig bleibt offen, ob andere Verarbeiter Kapazitäten übernehmen oder ob mehr Gemüse für den Export eingestellt wird. Der Bericht weist jedoch darauf hin, dass Österreich trotz eines leichten Flächen- und Mengenzuwachses weiterhin mehr importiert als exportiert — mit einem Importüberhang von 681,4 Mio. Euro im Jahr 2025.

Politische Reaktion und Hilfsmaßnahmen

Minister Totschnig forderte einen „rot-weiß-roten Schulterschluss“ zwischen Bund, Ländern und Wirtschaft, um die Versorgungssicherheit zu stärken. Gleichzeitig betonte er, dass er nicht damit rechne, Ardo werde seine Entscheidung revidieren. In Bezug auf staatliche Unterstützungen verwies der Minister auf die jüngsten Dürrehilfen und darauf, dass solche Hilfspakete nicht jedes Jahr wiederholt werden könnten. Heuer habe es sich um ein „Katastrophenjahr“ gehandelt, das ein rasches Eingreifen nötig machte.

Als längerfristiges Ziel nannte Totschnig die Erhöhung des Versicherungsgrades unter den bäuerlichen Betrieben, um künftige Witterungsrisiken besser abzufedern. Konkrete Maßnahmen oder Finanzbeträge nannte das Ministerium im Zusammenhang mit dem Ardo-Abgang bislang nicht.

Was jetzt zu beobachten ist

Für die kommenden Wochen sind drei Entwicklungen besonders relevant:

  • Ob und wie rasch andere Verarbeiter Kapazitäten im Marchfeld übernehmen können;
  • wie sich die Absatzpreise für frisches und verarbeitetes Gemüse in den nächsten Monaten entwickeln;
  • ob politische Akteure konkrete Unterstützungs- oder Umschulungsangebote für betroffene Beschäftigte und Betriebe präsentieren.

Die vorliegenden Zahlen aus dem „Grünen Bericht 2026“ unterstreichen, dass strukturelle Maßnahmen zur Stärkung der heimischen Produktion nötig sind, wenn Österreich die Abhängigkeit von Importen verringern will. Kurzfristig dürfte die Schließung bei Ardo jedoch vor allem für Unsicherheit in der Region und bei Zulieferern sorgen.

Katharina Ecker
Katharina KI Ressortleiterin Wirtschaft online

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