Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit tauchen wieder unzählige Ratschläge gegen Schnupfen und Husten auf. Zwei Expertinnen haben acht typische Erkältungs‑Weisheiten unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Manche Tipps sind nur teilweise zutreffend, andere beruhen auf Missverständnissen.
Zwei Expertinnen, klare Grenzen: Auskühlen ist kein direkter Auslöser
Eva Hummers, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), betont, dass Kälte allein nicht automatisch zu einer Erkältung führt. Für eine Infektion brauche es immer Viren. Zugleich verwies sie darauf, dass Auskühlung die Abwehrkräfte des Körpers schwächen kann, was die Anfälligkeit für Infektionen erhöht.
„Es ist schon so, dass es die Abwehrkräfte des Körpers ein Stück weit beeinträchtigt, wenn man auskühlt oder friert“,
Hummers weist außerdem auf einen praktischen Effekt hin: Man verliere über den Kopf rasch viel Wärme, weshalb nasse Haare bei Kälte unangenehm sind. Jedoch gelte auch hier: Ohne Viren keine Erkältung. Und: Übermäßig warmes Anziehen verhindert nicht zuverlässig Infektionen.
Vitamin C: Kein Wundermittel, aber leichte Verkürzung möglich
Sonja Siegert, stellvertretende Chefredakteurin des Ressorts Gesundheitsinformation am Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), stellt klar, dass Vitamin‑C‑Präparate nicht zur Vorbeugung von Erkältungen geeignet sind. Studien zeigten allerdings, dass eine regelmäßige Einnahme die Beschwerdedauer um etwa 10 Prozent verkürzen kann — zum Beispiel von zehn auf neun Tage.
Wichtig ist dabei der Zeitpunkt: Beginnt man erst bei Symptombeginn mit Vitamin C, lasse sich kein Vorteil nachweisen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) betont zudem, dass der Bedarf in der Regel leicht über die Ernährung gedeckt werden könne; gute Quellen sind Zitrusfrüchte und andere frische Lebensmittel.
Was lässt sich daraus für den Alltag ableiten?
- Kleidungswahl: Angemessenes, der Witterung angepasstes Anziehen schützt vor Auskühlung und mindert das subjektive Risiko — es ersetzt aber nicht die Vermeidung von Ansteckung durch Kontakt mit Infizierten.
- Vitamin C: Eine ausgewogene Ernährung ist die erste Wahl; Dauer‑Supplementierung kann die Dauer einer Erkältung leicht verkürzen, Prävention bewirkt sie nicht.
- Hygiene und Abstand: Da Viren die Ursache sind, bleiben Händewaschen, Husten‑ und Niesetikette sowie das Meiden enger Kontakte bei Symptomen zentrale Maßnahmen.
Die Expertinnen haben nur zwei der acht geprüften Behauptungen im Detail erläutert; die Bewertung weiterer gängiger Empfehlungen (etwa Inhalieren, Sauna, Antibiotika‑Einsatz) wurde in der zusammenfassenden Darstellung nicht vollständig wiedergegeben. Aus den vorgelegten Aussagen lässt sich jedoch ableiten, dass populäre Hausmittel und Verhaltensregeln differenziert betrachtet werden müssen: Einige lindern Symptome oder unterstützen die Abwehr, andere sind wirkungslos oder nur unter bestimmten Voraussetzungen hilfreich.
| Weisheit | Fazit der Expertin |
|---|---|
| Wer friert, bekommt eine Erkältung | Auskühlung schwächt Abwehr, aber Viren sind notwendig |
| Vitamin C verhindert Erkältungen | Keine Prävention; regelmäßige Einnahme kann Dauer um ~10% verkürzen |
Konsequenzen für die Gesundheitskommunikation
Ratschläge aus dem Umfeld — von Oma, aus dem Internet oder von Bekannten — sind oft gut gemeint, aber nicht immer evidenzbasiert. Für die Öffentlichkeit bedeutet das: Quellenkritik bleibt wichtig. Wenn Expertinnen wie Hummers und Siegert differenzierte Hinweise geben, hilft das, Fehlinformationen zu reduzieren und gleichzeitig realistische, praktikable Empfehlungen zu verbreiten.
Für Einzelne gilt konkret: Auf eine ausgewogene Ernährung achten, bei Kälte vernünftig kleiden, Hygieneregeln einhalten und bei Unsicherheit ärztlichen Rat suchen. Maßnahmen zur Symptomlinderung (Ruhe, Flüssigkeitszufuhr, symptomatische Therapien) bleiben bedeutsam, während Wunderkuren mit Vitaminpräparaten zur Vorbeugung nicht haltbar sind.
Die Darstellung der beiden Expertinnen kann helfen, die anrollende Erkältungswelle nüchtern einzuschätzen und pragmatisch zu handeln — ohne Panik, aber mit gesundem Menschenverstand.