Mehr als die Hälfte aller Haushalte in Österreich wohnt derzeit zur Miete: Die Mietquote liegt laut aktueller Analyse bei 53 Prozent, die Eigentumsquote damit bei rund 47 Prozent. Das ist der höchste Mietanteil seit 20 Jahren und spiegelt die wachsenden Hürden beim Erwerb von Wohneigentum wider.
Preis- und Finanzierungsdruck verschiebt Markt
Als zentrale Ursache für die Entwicklung nennt die Analystin der untersuchten Studie die Kombination aus hohen Immobilienpreisen und gestiegenen Finanzierungskosten. „Der Weg zum Eigentum ist angesichts der Immobilienpreise und Finanzierungskosten schwieriger geworden“, sagte Doris Wendler, Vorstandsdirektorin der Wiener Städtischen Versicherung, in Bezug auf die Untersuchung.
„Der Weg zum Eigentum ist angesichts der Immobilienpreise und Finanzierungskosten schwieriger geworden.“
Die Folgen sind vielschichtig: Junge Haushalte und einkommensschwächere Gruppen bleiben länger im Mietverhältnis, die Nachfrage im Mietsegment steigt weiter. Gleichzeitig reicht das Angebot an neuen Mietwohnungen nicht aus, um die Nachfrage zu bedienen — ein Faktor, der die Mietpreise vor allem in städtischen Regionen unter Druck setzt.
Starke regionale Unterschiede
Die Verteilung zwischen Eigentum und Miete variiert stark zwischen Regionen. Traditionell liegt die Eigentumsquote am höchsten im Burgenland, wo viele Haushalte in Einfamilienhäusern leben. Wien bildet das andere Ende der Skala mit einem sehr niedrigen Anteil an Eigentümern.
| Region | Eigentumsquote |
|---|---|
| Österreich (gesamt) | ~47 % |
| Burgenland | 66,5 % |
| Wien | 19,3 % |
Die regionale Schere erklärt sich durch Preisunterschiede und Wohnform: Im Burgenland sind Kaufpreise vergleichsweise niedrig und Einfamilienhäuser weit verbreitet. In der Hauptstadt ist der Wohnraum stärker nachgefragt, die Eigentumsquoten sind entsprechend niedrig.
Neubau deckt Bedarf nicht
Ein weiterer Treiber der Mietquote ist das knappe Neubauangebot im Mietsegment. Ein Marktbericht von EHL Wohnen zeigt, dass heuer nur 2.570 freifinanzierte Mietwohnungen neu errichtet wurden. Zusätzlich entstanden rund 2.280 geförderte Mietwohnungen. Zusammengenommen reichen diese Zahlen nach Einschätzung der Analysten nicht aus, um den Bedarf insbesondere in Städten wie Wien zu decken.
- Freifinanzierte neue Mietwohnungen 2026: 2.570
- Geförderte neue Mietwohnungen 2026: 2.280
- Folge: Suchanfragen steigen, frei werdende Wohnungen sind schnell vergeben
Das knappe Angebot führt laut Bericht dazu, dass Mieterinnen und Mieter seltener umziehen: Wer eine passende Wohnung hat, behält sie tendenziell länger. Gleichzeitig haben Vermieter oft die Auswahl unter mehreren Bewerbern, wodurch einkommensschwächere Haushalte auf dem privaten Mietmarkt benachteiligt werden.
Konsequenzen für Politik und Gesellschaft
Die Verschiebung zugunsten der Miete hat mehrere Implikationen: Sie erhöht den Bedarf an politischem Handeln in Richtung geförderter Wohnbauten und Maßnahmen zur Entspannung des Mietmarktes. Zudem beeinflusst sie Spar- und Konsumverhalten von Haushalten, die mehr Einkommen für Miete aufwenden müssen.
Marktbeobachter sehen auch Auswirkungen auf die soziale Durchmischung und die Mobilität: Wenn Mietwohnungsangebote knapp sind und Umzüge seltener stattfinden, verstärken sich Segregationstendenzen und Beschäftigungsflexibilität kann eingeschränkt werden. Langfristig könnte dies auch die Wohnkosten-Inflation in Ballungsräumen weiter antreiben.
Für eine nachhaltige Entspannung des Marktes wären nach Ansicht von Expertinnen und Experten sowohl mehr Neubau im Mietsegment als auch gezielte Fördermaßnahmen nötig. Ohne eine solche Angebotsausweitung droht die Mietquote auf hohem Niveau zu bleiben — mit spürbaren Folgen für Haushalte und die Stadtentwicklung.