Die Verbreitung von Energiegemeinschaften in Österreich setzt ihren Aufwärtstrend fort: die Zahl hat sich seit 2024 mehr als verdoppelt. Angetrieben wird dieses Wachstum vor allem von dezentralen Photovoltaik-Anlagen, doch für eine verlässliche Energieversorgung fehlen vielerorts zentrale Elemente wie ausreichend Speicher und in manchen Regionen geeignete Windkraftanlagen.
Vorbild Thalgau: Pionierprojekt mit Gegenwind
Ein anschauliches Beispiel liefert die Gemeinde Thalgau im Bundesland Salzburg. Dort ist die lokale Energiegemeinschaft früh entstanden und gilt als Pionierprojekt. Initiator war Karl Oberascher, heute 68 Jahre alt, der nicht nur die Grünen-nahe Bürgerliste „Team für Thalgau“ mitbegründete, sondern auch die erste kommunale Energiegemeinschaft des Landes Salzburg. Oberascher ist Vizebürgermeister einer Gemeinde mit rund 6.300 Einwohnern und setzte das Projekt gegen Widerstände seiner politischen Gegner durch.
„Die Grünen haben es in einer schwarzen Gemeinde immer schwer, wenn sie mit ihren Vorschlägen kommen“,
erzählt Oberascher über die Anfangsphase. Sein Einsatz zeigt, dass lokale Politik und bürgerschaftliches Engagement zentrale Treiber für die Gründung solcher Gemeinschaften sind.
Technische und wirtschaftliche Engpässe
Zwar liefern Photovoltaik-Module die Mehrheit des dezentral erzeugten Ökostroms in den Energiegemeinschaften, doch fehlt es laut Berichten vielfach an Speichern, die Erzeugungsspitzen abfangen und Versorgungslücken ausgleichen könnten. Ohne ausreichende Speicher bleibt die Integration volatiler erneuerbarer Erzeugung begrenzt; das erhöht die Notwendigkeit, auf zentrale Netzinfrastruktur oder konventionelle Ersatzversorgung zurückzugreifen, wenn Sonne und Wind nicht liefern.
- Photovoltaik ist der dominierende Erzeuger in den Gemeinschaften.
- Speicher sind knapp und begrenzen die Versorgungssicherheit.
- In manchen Regionen fehlt darüber hinaus ausreichend Windkraft zur Kompensation bei Flauten.
Folgen für Gemeinden und Energieplanung
Die rasche Vermehrung von Energiegemeinschaften verändert die lokale Energieversorgung und stellt Gemeinden vor neue Aufgaben: von der Flächen- und Netzplanung bis zur Finanzierung von Speichern. Kommunale Vorhaben können Vorbildwirkung haben, benötigen aber oft politische Rückendeckung und technische Unterstützung, etwa bei Genehmigungen oder bei der Einbindung in lokale Netze. Thalgau zeigt, dass auch politischer Wille und hartnäckiges Engagement Projekte möglich machen, selbst in Gemeinden mit anderer politischer Mehrheitslage.
Skalierung und offene Fragen
Ob sich der aktuelle Zuwachs der Energiegemeinschaften in eine flächendeckende, stabile Alternative zur zentralen Stromversorgung übersetzt, hängt wesentlich von zwei Faktoren ab: der Verfügbarkeit von Speichern und einer ausgewogeneren regionalen Erzeugungsstruktur (etwa durch mehr Windkraft dort, wo sie sinnvoll ist). Ohne diese Komponenten bleiben lokale Schwankungen und Abhängigkeiten von übergeordneten Netzen bestehen.
| Zeitpunkt | Entwicklung |
|---|---|
| Seit 2024 | Zahl der Energiegemeinschaften hat sich mehr als verdoppelt |
Für Gemeinden, Energieversorger und die Politik bedeutet das: Förderung und Investitionsanreize sollten nicht nur die Installation von Photovoltaik unterstützen, sondern vorrangig auch Speichertechnologien und die regionale Ausweitung von Windkraft dort, wo sie ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist. Nur so können Energiegemeinschaften ihren Beitrag zu einer verlässlichen, dezentralen Energiewende leisten und die Versorgungssicherheit in Österreich verbessern.