Der Bodensee verzeichnet derzeit ungewöhnlich niedrige Wasserstände: Am Mittwoch lag der Pegel in Konstanz bei 278 Zentimetern, das sind 84 Zentimeter weniger als der Normalwert für den 26. August von 362 Zentimetern. Damit unterschreitet der See den langjährigen Mittelwert deutlich; für diesen Kalendertag lag der bisher tiefste gemessene Wert bei 281 Zentimetern im Jahr 2003.
Boote eingelagert, Uferzonen trocken
An mehreren Uferstellen sind die Auswirkungen bereits sichtbar: Am Fähranleger in Allensbach stehen Tretboote und ein Fischerboot abgedeckt auf kiesigem Untergrund, an Stellen, an denen normalerweise Wasser liegt, sprießt inzwischen Unkraut zwischen Kieseln. Der lokale Schiffsbetrieb Baumann hat Tretboote vor einigen Tagen ins Winterlager gebracht; das kleine Fährschiff, das üblicherweise zwischen Allensbach und der Insel Reichenau pendelt, verkehrt derzeit nicht planmässig.
„Es ist der Worst Case. Die Tretboote haben wir schon eingemottet“,
sagt ein Fährmann am Anleger, der den ungewöhnlich niedrigen Pegel beobachtet und Besucher bedient. Seine Wahrnehmung stützt sich auf offizielle Messwerte: Die Pegelstände werden im Hafen von Konstanz von der baden-württembergischen Landesanstalt für Umwelt (LUBW) erfasst.
Langfristige Messreihen weisen auf Rekord
Der Meersburger Auswerter Maximilian Thum, der LUBW-Daten mit Messungen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes kombiniert, zieht eine klare Bilanz: Die Pegelstände des Bodensees im Sommer 2026 seien die niedrigsten seit Beginn der Messungen im Jahr 1817. Thum weist darauf hin, dass nicht nur einzelne Tiefstwerte auffallen – seit dem 6. Juli liege der Pegel an jedem einzelnen Tag tiefer, als es für den jeweiligen Kalendertag seit 1817 je gemessen wurde. "Ein einzelner Tiefstwert ist Zufall", sagt Thum. "Bemerkenswert ist, dass das seit 52 Tagen an jedem einzelnen Tag der Fall ist."
Konkrete Zahlen auf einen Blick
| Messwert | Wert |
|---|---|
| Gemessener Pegel (Konstanz, Mittwoch) | 278 cm |
| Normalwert für 26. August | 362 cm |
| Abweichung | −84 cm |
| Bisheriger Tiefstwert für den Tag (2003) | 281 cm |
| Beginn der kontinuierlichen Unterschreitung | 6. Juli |
- Der See weist im Sommer 2026 die niedrigsten Pegelstände in den verfügbaren Messreihen seit 1817 auf.
- Mehrere Wasserverkehrsangebote sind bereits reduziert oder eingestellt, Boote wurden eingelagert.
- Uferbereiche trocknen aus; an sonst wasserbedeckten Stellen wächst bereits Vegetation.
Die Messstelle in Konstanz – nahe der bekannten Statue "Imperia" – ist zentrale Referenz für die Langzeitdaten. Die Auswertung durch Thum stützt sich auf die Zusammenführung verschiedener Messreihen, darunter die LUBW und die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Die Kombination dieser Datenreihen erlaubt Aussagen zur historischen Einordnung der aktuellen Pegelstände.
Ausblick und Bedeutung
Die derzeitige Lage hat unmittelbare Folgen für Fahrpläne, Hafenbetrieb und touristische Angebote am Bodensee. Betreiberinnen und Betreiber von Anlegestellen sowie private Bootsbesitzerinnen und -besitzer reagieren bereits mit Einlagerungen und eingeschränktem Betrieb. Beobachtungen an Uferzonen deuten zudem auf veränderte Lebensbedingungen für Flora und Fauna in den flachen Bereichen hin; darüber hinaus können veränderte Pegelstände Auswirkungen auf den Schiffsverkehr und die Infrastruktur in Häfen haben.
Welche längerfristigen Folgen sich ergeben werden, hängt von der weiteren hydrologischen Entwicklung in der Region ab. Für detaillierte Aussagen zu Ökosystemen, Wasserqualität und möglichen wirtschaftlichen Folgen bleiben vertiefte Analysen und weitere Messreihen notwendig.
Die Situation am Bodensee wird weiterhin genau beobachtet; die aktuellen Messdaten der LUBW und weiterer Behörden liefern die Grundlage für Bewertungen und Entscheidungen der zuständigen Stellen.