Das jährliche Kreuzfahrtranking des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) stellt die Umweltbilanz der Branche erneut in Frage: Havila und Hurtigruten belegen laut der Anfang August veröffentlichten Bewertung die vordersten Plätze, erreichen aber nach Angaben des Nabu nicht einmal die Hälfte der möglichen Punkte. Damit bleibt auch die vermeintliche Spitze weit von einer nachhaltigen Art des Reisens entfernt.
Worauf Nabu das Ranking stützt
Das Ranking bewertet Reedereien anhand mehrerer Umweltkriterien. Im Zentrum stehen unter anderem:
- der Verzicht auf Schweröl als Treibstoff,
- die Nutzung von Landstrom in Häfen,
- der Einbau von Stickoxidkatalysatoren sowie
- Maßnahmen zu Klimaschutz und Energieeffizienz.
Die Ergebnisse basieren auf freiwilligen Angaben von mehr als einem Dutzend befragter Reedereien. Einige Anbieter meldeten dem Nabu keine Antwort zurück; das beeinflusst die Aussagekraft der Rangliste.
Platzierungen und Lücken
Neben den norwegischen Spitzenreitern teilen sich weitere Anbieter ähnliche Bewertungen. Punktgleich auf dem dritten Rang liegen die französische Reederei Ponant sowie die deutschen Anbieter TUI Cruises mit «Mein Schiff» und Aida Cruises. Am unteren Ende des Rankings stehen Royal Caribbean, Norwegian Cruise Line und als Schlusslicht Marella.
| Platz | Reederei |
|---|---|
| 1–2 | Havila, Hurtigruten |
| 3 | Ponant; TUI Cruises (Mein Schiff); Aida Cruises |
| Ende | Royal Caribbean; Norwegian Cruise Line; Marella |
Ohne Rückmeldung blieben laut Nabu Phoenix Reisen, Viking Ocean Cruises und Nicko Cruises. Die Organisation wies bei der Präsentation in Hamburg darauf hin, dass selbst die Bestplatzierten weit davon entfernt seien, die Branche nachhaltig zu transformieren.
„Auch diese Reedereien sind weit von einer umweltfreundlichen Art des Reisens entfernt“, hieß es bei der Vorstellung des Rankings.
Wachsende Passagierzahlen trotz Umweltbedenken
Parallel zu den schlechten Umweltnoten steigen die Passagierzahlen weiter: Laut Branchenverband Clia erreichte die weltweite Zahl der Kreuzfahrtpassagiere im vergangenen Jahr 37,2 Millionen – ein Plus von 7,5 Prozent gegenüber 2024. Auf Deutschland entfielen demnach etwa 2,8 Millionen Passagiere, ein Zuwachs von 10 Prozent. Damit bleibt Deutschland nach den USA der zweitwichtigste Kreuzfahrtmarkt.
Die Zahlen zeigen eine Diskrepanz: Die Nachfrage nach Kreuzfahrten wächst, während Umweltverbände die Bemühungen der Branche als unzureichend einstufen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher, die ökologische Kriterien für Reisen anlegen, bleibt dies eine Zwickmühle: Selbst die vorderen Plätze im Nabu-Ranking sind nach Einschätzung der Organisation keine uneingeschränkt empfehlenswerte Wahl.
Folgen für Politik und Konsumenten
Das Ranking hat mehrere Implikationen:
- Für die Politik: Notwendigkeit strengerer regulatorischer Vorgaben etwa zu Brennstoffen, Emissionsstandards und Landstromausbau.
- Für Häfen und Kommunen: Ausbau der Infrastruktur für Landstrom könnte Emissionen in Hafenstädten senken.
- Für Reisende: Transparenz schaffen und Entscheidungen nicht allein an Platzierungen festmachen, sondern konkrete Maßnahmen der Reedereien prüfen.
Der Nabu bewertet seit 2011 die Branche und hat damit eine längerfristige Benchmark geschaffen. Die aktuelle Auswertung unterstreicht, dass technische Maßnahmen und freiwillige Selbstverpflichtungen bislang nicht ausreichen, um die ökologischen Folgen des Kreuzfahrtbooms substantiell zu begrenzen.
Für Österreichs Umweltdebatte bleibt relevant, wie sich die Nachfrage in einem benachbarten, großen Markt wie Deutschland entwickelt und welche politischen Konsequenzen daraus folgen. Solange die Branche in weiten Teilen auf fossile Energieträger und unzureichende Emissionsminderung setzt, bleiben Kreuzfahrten aus ökologischer Sicht problematisch – auch wenn einzelne Reedereien Fortschritte vermelden.