Das Ministerium für Bildung und Ausbildung in Vietnam hat am Nachmittag des 11. August offiziell mitgeteilt, dass Geschichte weiterhin ein Pflichtfach an Gymnasien bleibt und nicht, wie zuvor in sozialen Medien behauptet, zu einem Wahlfach umgewandelt wurde. Die Behörde nannte konkrete Regelungen und verwies auf bestehende Rechtsgrundlagen.
Klare Verortung im Lehrplan
Laut der Stellungnahme ist Geschichte im aktuellen allgemeinen Bildungsprogramm ein Pflichtfach für alle Gymnasiastinnen und Gymnasiasten und hat einen Umfang von 52 Unterrichtsstunden pro Schuljahr. Diese Festlegung geht auf das Rundschreiben Nr. 13 aus dem Jahr 2022 zurück und ist seit dem Schuljahr 2022/2023 in Kraft.
Gleichzeitig weist das Ministerium darauf hin, dass der Geschichtsunterricht ergänzende Wahlangebote enthält: Es gibt Wahlfächer mit insgesamt 35 Unterrichtsstunden pro Schuljahr. Das Vorhandensein von Wahlmodulen bedeute jedoch nicht, dass Geschichte insgesamt fakultativ werde.
„Daher ist die Information, dass Geschichte derzeit ein Wahlfach auf Gymnasialniveau ist, falsch.“
Einordnung im allgemeinen Bildungsprogramm 2018
Das allgemeine Bildungsprogramm von 2018, auf das sich das Ministerium bezieht, legt die Struktur der Oberstufe fest: Schülerinnen und Schüler müssen demnach acht Pflichtfächer sowie vier Wahlfächer absolvieren. Die Wahlfächer dienen der Orientierung an Kompetenzen und beruflichen Interessen.
- Pflichtfächer: Literatur, Mathematik, Fremdsprache 1, Geschichte, Sport, Landesverteidigung und Sicherheits-erziehung, Praxisorientierte Aktivitäten – Berufsberatung sowie Lokale Bildungsinhalte.
- Wahlfächer: Auswahlmöglichkeit aus neun Fächern, von denen vier zu wählen sind (u. a. Physik, Chemie, Biologie, Informatik, Musik, Bildende Kunst, Geographie, Technologie, Wirtschafts- und Rechtsbildung).
Was bedeutet die Klarstellung praktisch?
Für Schüler, Eltern und Lehrkräfte bedeutet die Mitteilung vor allem: Die zentrale Stellung des Fachs Geschichte in der gymnasialen Ausbildung bleibt erhalten. Die Einbindung von Wahlmodulen zielt darauf ab, individuelle Schwerpunktsetzungen zu ermöglichen, ohne die grundsätzliche Allgemeinbildung zu verringern.
Die Behörde reagierte damit auf zuvor in sozialen Netzwerken verbreitete Informationen, die offensichtlich missverständlich oder falsch interpretiert worden waren. Durch die Verbreitung solcher Meldungen kann Verunsicherung entstehen – besonders kurz vor Schuljahresbeginn oder bei Entscheidungen zu Schwerpunktsetzungen in der Oberstufe.
| Aspekt | Regelung |
|---|---|
| Geschichte | Pflichtfach, 52 Stunden/Jahr |
| Wahlfächer (Gesamtumfang) | 35 Stunden/Jahr (aus 9 Optionen, 4 zu wählen) |
| Rechtsgrundlage | Rundschreiben Nr. 13 (2022) und allgemeines Bildungsprogramm 2018 |
Konsequenzen für die Bildungsdebatte
Die Klarstellung des Ministeriums zeigt, wie sensibel Diskussionen um Lehrpläne sind. Änderungen in der Gewichtung von Fächern berühren nicht nur Curricula, sondern auch die Erwartungshaltungen von Familien und den Vorbereitungspfad für die Matura bzw. berufliche Orientierung. In Ländern mit ähnlichen Reformvorhaben führt das Nebeneinander von Pflicht- und Wahlangeboten häufig zu Missverständnissen, wenn die Kommunikation nicht eindeutig erfolgt.
Für Lehrkräfte ist wichtig, Schülern und Eltern die Bedeutung der Pflichtinhalte sowie die Möglichkeiten innerhalb der Wahlfächer transparent zu machen. Für Medien und soziale Plattformen gilt die Lehre, Quellen zu prüfen, bevor Informationen verbreitet werden, die zu falschen Annahmen über den Status zentraler Fächer führen können.
Die Stellungnahme des Ministeriums beendet die aktuelle Falschinformation, lässt aber die grundsätzliche Diskussion offen, wie Lehrpläne künftig so gestaltet werden können, dass sie sowohl Allgemeinbildung als auch individuelle Profilbildung effizient und nachvollziehbar verbinden.