Die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Sektor ist deutlich stärker gestiegen als in der Privatwirtschaft. Aktuelle Auswertungen des Bundesamts für Statistik zeigen, dass die Beschäftigung in der Verwaltung von 2013 bis 2023 um 23 Prozent zugenommen hat, während sie in der Privatwirtschaft lediglich um 12 Prozent wuchs. Betrachtet man den Zeitraum seit dem Jahr 2000, verzeichnet die Verwaltung sogar ein Plus von 49 Prozent, die Gesamtbeschäftigung stieg im selben Zeitraum um 35 Prozent.
Was genau steckt hinter den Zahlen?
Die unterschiedlichen Messweisen beeinflussen, wie gross der öffentliche Sektor wirkt. In der engeren Definition der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse arbeitet in der Verwaltung nur etwa 4 Prozent der Erwerbstätigen — das sind rund 180.000 Personen. Zählt man allerdings Lehrpersonen sowie Angestellte in staatlich kontrollierten und finanzierten Betrieben hinzu, steigt der Anteil auf 23 Prozent, entsprechend rund 1 Million Beschäftigte.
| Zeitraum / Kategorie | Veränderung |
|---|---|
| Verwaltung (2013–2023) | +23 % |
| Privatwirtschaft (2013–2023) | +12 % |
| Verwaltung (seit 2000) | +49 % |
| Gesamtbeschäftigung (seit 2000) | +35 % |
Ökonomische Bewertung und Gewerkssicht
Michele Salvi, Ökonom der Denkfabrik Avenir Suisse, sieht in der starken Zunahme der Verwaltung Beschäftigungs- und Wohlstandsrisiken. Er verweist auf eine zunehmende Tendenz von Politik und Bevölkerung, mehr staatliche Absicherung zu verlangen, sowie auf eine Ausweitung von Förder- und Regulierungsaufgaben. Dies führe zu mehr Gesetzen, mehr Regulierungen und damit zu weiterem Wachstum der Verwaltung. Salvi warnt: Wenn der Staat relative Ressourcen aufzehrt, könne dies langfristig die Fähigkeit der Privatwirtschaft beeinträchtigen, Wohlstand, Innovation und Wertschöpfung zu erzeugen.
„Wir haben früher oder später ein Problem beim Wohlstand“, sagt Michele Salvi, Ökonom bei der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse.
Dem gegenüber steht die Perspektive der Arbeitnehmervertretung. Micha Amstad vom Verband der Personald öffentlicher Dienste (VPOD) kritisiert die pauschale Ablehnung des Stellenzuwachses. Er betont, dass öffentliche Leistungen bestellt würden — und damit auch Personal benötigt werde. Für den Gewerkschafter ist der Staat kein „abgekartertes“ Konstrukt, das einfach reduziert werden könne, ohne Auswirkungen auf Dienstleistungen und Arbeitsqualität.
Relevanz für Wirtschaft und Politik
Die Debatte berührt zentrale Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik: Welche Aufgaben sollen staatliche Institutionen übernehmen, und wie werden diese finanziert? Zentrale Konsequenzen sind:
- Finanzielle Belastung: Grössere öffentliche Beschäftigung bedeutet höhere Lohnkosten und langfristige Verpflichtungen für Pensions- und Sozialbudgets.
- Wettbewerb um Arbeitskräfte: Ein wachsender öffentlicher Sektor kann Fachkräfte aus der Privatwirtschaft abziehen, was Innovation und Wertschöpfung dämpfen könnte.
- Leistungsangebot: Ein grösserer Staat kann allerdings auch Dienstleistungen verbessern und soziale Absicherung erhöhen — der gesellschaftliche Nutzen ist abhängig von Effizienz und Prioritätensetzung.
Die vorliegenden Zahlen liefern keine Patentrezepte, wohl aber eine Grundlage für politische Entscheidungen über Aufgabenverteilung, Regulierung und Budgetprioritäten. Für Wirtschaftspolitik und Steuerplanung sind die Trends relevant: Steigen die öffentlichen Stellen und damit die laufenden Ausgaben, stellt dies künftige Budgetdiskussionen und Steuerentscheidungen vor zusätzliche Herausforderungen.
Langfristig bleibt die Frage offen, wie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen staatlicher Daseinsvorsorge und einer wettbewerbsfähigen Privatwirtschaft aussehen soll. Die vorgelegten Daten unterstreichen die Notwendigkeit, Wachstumspfad und Aufgaben des öffentlichen Sektors sachlich zu prüfen — ohne die Diskussion auf pauschale Kritik oder vorschnelle Verteidigungspositionen zu reduzieren.