Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat in seiner aktuellen Bestandsaufnahme „Planetary Health Check“ auf eine weitere Verschlechterung des Zustands des Erdsystems hingewiesen. Nach Angaben des Instituts sind sieben der definierten planetaren Grenzen inzwischen so stark überschritten wie noch nie zuvor.
Welche Grenzen betroffen sind
Planetare Grenzen beschreiben nach Auffassung der Forschenden miteinander verbundene Prozesse im Erdsystem, die für dessen Stabilität und Widerstandsfähigkeit entscheidend sind. Wenn diese Prozesse sich zu stark verändern, drohen nachhaltige Schädigungen der Lebensgrundlagen. Das Potsdam-Institut nennt in seinem Bericht die folgenden sieben Grenzen, deren Überschreitung sich weiter verschärft hat:
- Klimawandel
- Integrität der Biosphäre
- Veränderung der Landnutzung
- Veränderung des Süßwasserkreislaufs
- Veränderung der biogeochemischen Kreisläufe
- Eintrag menschengemachter Substanzen
- Ozeanversauerung
Nur zwei Bereiche zeigen Verbesserung
Dem Bericht zufolge verbesserten sich im vergangenen Jahrzehnt lediglich zwei Indikatoren: die Ozonschicht und die globale Aerosolbelastung der Atmosphäre. Diese Trends reichen laut den Autorinnen und Autoren jedoch nicht aus, um die Gesamtentwicklung umzukehren.
„Schnelles Handeln ist notwendig, um bei allen planetaren Grenzen in den sicheren Handlungsraum zurückzukehren“, heißt es im Bericht. Nur so ließen sich Lebensgrundlagen schützen und Wohlstand auch in Zukunft sichern.
Entstehung und Methode des Berichts
Für die aktuelle Ausgabe des „Planetary Health Check“ trugen nach Angaben des Potsdam-Instituts mehr als 60 Forschende wissenschaftliche Erkenntnisse zum Zustand der planetaren Grenzen zusammen. Die jährliche Bestandsaufnahme soll Politik, Verwaltungen und die Öffentlichkeit informieren und Handlungsbedarf aufzeigen.
| Überschrittene Grenzen (2026) | Verbesserte Bereiche (2026) |
|---|---|
| Klimawandel; Biosphärenintegrität; Landnutzungswandel; Süßwasserkreislauf; biogeochemische Kreisläufe; Eintrag menschengemachter Substanzen; Ozeanversauerung | Ozonschicht; Globale Aerosolbelastung |
Konsequenzen für Potsdam und die Region
Die Ergebnisse des PIK-Berichts haben direkte Relevanz für Potsdam: Als Standort des Instituts stehen Stadtverwaltung, lokale Wissenschaftseinrichtungen und Zivilgesellschaft stärker im Fokus, weil hier Forschungsergebnisse mit konkretem Handlungsdruck verbunden sind. Die Befunde unterstreichen die Notwendigkeit, kommunale Klima- und Umweltpolitik zu überprüfen und gegebenenfalls zu verschärfen — etwa in den Bereichen Flächennutzung, Wassermanagement, Schadstoffeinträge und städtische Anpassungsstrategien.
Auch für die regionale Debatte um Siedlungsentwicklung, Landwirtschaft und Verkehr sind die Daten bedeutsam: Wenn Landnutzung und Süßwasserkreislauf gefährdet sind, kann dies planerische Folgen etwa für die Versiegelung von Flächen, den Umgang mit Überschwemmungsrisiken und die lokale Wasserversorgung haben. Die Verbesserungen bei Ozonschicht und Aerosolen zeigen, dass internationale Maßnahmen Wirkung zeigen können, machen zugleich aber deutlich, dass koordinierte Anstrengungen in vielen Feldern weiter nötig sind.
Der Bericht richtet sich an Entscheidungsträgerinnen und -träger auf allen Ebenen. Er dokumentiert, dass Forschung aus Potsdam nicht nur global relevante Erkenntnisse liefert, sondern auch lokale und regionale Politik vor Herausforderungen stellt, die kurzfristiges Handeln erfordern.