In Mecklenburg‑Vorpommern haben die großen Religionsgemeinschaften erstmals gemeinsam einen Aufruf zur Landtagswahl gestartet. In einer gemeinsamen Erklärung fordern Vertreterinnen und Vertreter der katholischen und der evangelisch‑lutherischen Kirche, der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen sowie der Landesverbände der jüdischen und muslimischen Gemeinden dazu auf, bei der Wahl am 20. September demokratische Parteien zu unterstützen und auf Ausgrenzung zu verzichten.
Appell für Zusammenhalt und Achtung
Die Unterzeichnenden betonen darin, dass demokratische Gesellschaften daran zu messen seien, wie sie Schwache und Minderheiten schützten. Trotz unterschiedlicher Glaubensüberzeugungen setzten sich die Religionsgemeinschaften für die Würde des Menschen und ein friedliches Zusammenleben ein. Bei aller Auseinandersetzung über Sachfragen dürfe der Respekt gegenüber dem Gegenüber nicht verloren gehen.
„Unterstützen Sie diejenigen politischen Kräfte, die Zusammenhalt fördern, statt Menschengruppen gegeneinander auszuspielen.“
Die Erklärung stellt einen ungewöhnlichen und breiten Schulterschluss der Religionsgemeinschaften im Land dar. Beteiligt seien neben den beiden großen Kirchen auch die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen sowie die Landesverbände der jüdischen und muslimischen Gemeinden, wie es aus Schwerin hieß. Namentlich werden in der Mitteilung die Bischöfin und die Bischöfe der Landeskirchen als Unterzeichnende genannt.
Erste gemeinsame Aktion ihrer Art
Nach Angaben der Initiatoren handelt es sich um den ersten gemeinsamen Wahlaufruf dieser Art in Mecklenburg‑Vorpommern. Die Initiative zielt darauf ab, die Bedeutung des demokratischen Prozesses hervorzuheben und Wählerinnen und Wähler zur Beteiligung aufzurufen. Die Akteure sehen ihren Beitrag als Teil einer zivilgesellschaftlichen Verantwortung, die über konfessionelle Grenzen hinweg wirke.
Widerspruch aus der AfD
Die Aktion blieb nicht ohne Kritik. Der Landesvorsitzende der AfD in Mecklenburg‑Vorpommern, Enrico Schult, äußerte sich ablehnend und warf den Unterzeichnenden mangelnden Respekt gegenüber den Wählern seiner Partei vor. „Wer öffentlich gegen Spaltung und Diffamierung auftritt, sollte bei sich selbst anfangen“, sagte Schult in einer Stellungnahme.
Die Kritik der AfD verweist auf die hohe politische Einstufung solcher Aufrufe: Während Unterstützer die Aktion als Beitrag zum demokratischen Diskurs sehen, bewerten Gegner sie als parteiisch oder als Eingriff in die politische Meinungsbildung.
Kontext: Wahlkampf und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Die Landtagswahl am 20. September steht im Zeichen kontroverser Debatten über Migration, soziale Gerechtigkeit und die politische Stimmung in Ostdeutschland. In diesem Umfeld verstehen die Religionsgemeinschaften ihren Aufruf als Appell an die zivilgesellschaftliche Verantwortung, die Würde des Menschen zu wahren und demokratische Prozesse zu stärken.
- Ziel: Förderung von Zusammenhalt und Schutz von Minderheiten
- Initiatoren: Katholische Kirche, Evangelisch‑Lutherische Kirche, Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen, Landesverbände jüdischer und muslimischer Gemeinden
- Wahltermin: 20. September
| Organisation | Rolle |
|---|---|
| Katholische Kirche | Unterzeichnende |
| Evangelisch‑lutherische Kirche | Unterzeichnende |
| Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen | Unterzeichnende |
| Landesverbände jüdischer und muslimischer Gemeinden | Unterzeichnende |
Praktische Bedeutung für Wählerinnen und Wähler
Für die Bürgerinnen und Bürger in Mecklenburg‑Vorpommern bedeutet der Aufruf vor allem einen Impuls, sich mit den Angeboten der Parteien auseinanderzusetzen und an der Wahl teilzunehmen. Die Gemeinsamkeit der religiösen Gruppen kann dabei als Stärkung des öffentlichen Diskurses verstanden werden, nicht als Empfehlung für eine konkrete Partei.
Ob der Aufruf das Verhalten der Wählerschaft spürbar beeinflusst, bleibt offen. Historisch hatten religiöse Appelle in Deutschland unterschiedliche Wirkung: Mal mobilisierten sie, mal lösten sie Debatten über die Rolle von Glaubensgemeinschaften in politischen Prozessen aus. In jedem Fall rücken sie Fragen des Respekts, der Toleranz und des Schutzes von Minderheiten ins Zentrum der öffentlichen Diskussion.
Die gemeinsame Erklärung der Religionsgemeinschaften hat den Wahlkampf in Mecklenburg‑Vorpommern um einen deutlichen moralischen Appell bereichert. Ob und wie stark dieser Appell die Wahlbeteiligung oder das Ergebnis beeinflussen wird, wird sich am 20. September zeigen.
Henning Paulsen, Korrespondent Mecklenburg‑Vorpommern