Schwerin — Die Bauern in Mecklenburg‑Vorpommern blicken trotz einer im Großen und Ganzen normalen Erntesaison mit Sorge nach Brüssel. Agrarminister Till Backhaus machte bei einer Landespressekonferenz deutlich, dass die geplante Reform der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 für viele Betriebe im Nordosten existenzielle finanzielle Einschnitte bedeuten könnte.
Erntebilanz: gemischte Ergebnisse
Nach Angaben des Ministers verläuft die Ernte in diesem Jahr insgesamt durchschnittlich. Die Gerstenernte sei „recht gut“, der Weizenertrag liege auf gewohntem Niveau. Dagegen falle die Rapsernte schwach aus. Diese unterschiedlichen Erfolge auf Feld und Acker bedeuten für einzelne Betriebe, je nach Betriebszweig, sehr unterschiedliche wirtschaftliche Auswirkungen.
Drohender Einschnitt bei Direktzahlungen
Die zentrale Sorge der Landesregierung richtet sich auf die vorgeschlagene Neuausrichtung der GAP, die vorsieht, ab 2028 größere Betriebe nicht mehr in gleicher Höhe zu fördern. In Mecklenburg‑Vorpommern wären davon laut Backhaus etwa ein Viertel der insgesamt rund 4.000 landwirtschaftlichen Unternehmen betroffen. Konkret nannte der Minister die Größenordnung der aktuell gezahlten Direktzahlungen und die geplante Reduktion:
| Position | Betrag (jährlich) |
|---|---|
| Aktuelle Direktzahlungen | 314 Millionen Euro |
| Geplante Zahlungen ab 2028 | 151 Millionen Euro |
Backhaus bezeichnete die Halbierung der Mittel als inakzeptabel und kündigte an, den Druck auf die EU‑Entscheider über die Bundesregierung erhöhen zu wollen. Er verwies zudem auf Unterstützung aus der Agrarministerkonferenz.
„Wir hängen aber immens von Europa ab und da ziehen schwere schwarze Wolken auf“,
so Backhaus und machte damit die Abhängigkeit der Landeslandwirtschaft von EU‑Zahlungen deutlich.
Regionale Folgen und politische Dimension
Die möglichen Kürzungen treffen ein Bundesland, in dem die Landwirtschaft eine wichtige wirtschaftliche Rolle spielt und in dem große Ackerbaubetriebe vertreten sind. Die Debatte gewinnt zusätzliche Brisanz, weil in sechs Wochen in Mecklenburg‑Vorpommern ein neuer Landtag gewählt wird. Backhaus zog in der Pressekonferenz zudem eine Bilanz der vergangenen Legislaturperiode und betonte, dass EU, Bund und Land in diesem Zeitraum etwa drei Milliarden Euro für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung bereitgestellt hätten.
Für viele Betriebe stellt sich nun die Frage, wie sie sich auf eine mögliche Reduktion direkter Unterstützungszahlungen einstellen sollen. Die Unsicherheit betrifft nicht nur Investitionsentscheidungen, sondern auch die langfristige Betriebsplanung und die Beschäftigungssituation in ländlichen Regionen.
Weltmarkt und Erzeugerpreise als weitere Belastung
Neben der Debatte um die GAP nannte Backhaus auch die Lage am Weltmarkt als Belastungsfaktor. Die Einnahmen für bestimmte Erzeugnisse wie Ackerbohnen, Futtergerste und Futtererbsen stehen demnach unter Druck — ein Umstand, der die finanziellen Spielräume der Betriebe zusätzlich einschränkt. Konkrete Zahlen zu Preisentwicklungen oder erwarteten Einkommenseinbußen nannte Backhaus in der Pressekonferenz nicht.
- Betroffene Betriebe: Rund ein Viertel von etwa 4.000 Unternehmen in MV
- Direktzahlungen heute: 314 Millionen Euro
- Geplante Direktzahlungen ab 2028: 151 Millionen Euro
Welche Schritte sind jetzt zu erwarten?
Der Minister kündigte an, den Widerstand gegen die geplanten Änderungen auf Bundesebene zu bündeln. Als eines der Argumente nannte er die Finanzkraft Deutschlands im EU‑Haushalt: Deutschland sei einer der größten Nettozahler, daher müsse auf europäischer Ebene auch auf regionale Besonderheiten Rücksicht genommen werden.
Konkrete Maßnahmen des Landes, um mögliche Lücken zu schließen, legte Backhaus in der Pressekonferenz nicht vor. Gleichwohl ist zu erwarten, dass die Landesregierung die Auswirkungen der Reform prüfen und mögliche Kompensationsmodelle diskutieren wird — etwa durch Umverteilung nationaler Mittel oder durch zusätzliche Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums.
Ausblick
Für die Landwirte in Mecklenburg‑Vorpommern bleibt die Lage angespannt: Die laufende Ernte liefert gemischte Befunde, gleichzeitig drohen von Brüssel Entscheidungen, die die wirtschaftliche Basis vieler Betriebe verändern könnten. In den kommenden Wochen dürfte die Agrarpolitik sowohl auf Landes‑ als auch auf Bundesebene zum wichtigen Thema im Landtagswahlkampf werden, da Betriebe und Verbände um Klarheit und Planungssicherheit ringen.
Henning Paulsen, Korrespondent Mecklenburg‑Vorpommern