Stadt sieht Konflikte bei Naturausschluss, Vogelschutz und Landschaftsbild
Der Planungsverband Region Chemnitz steht vor einem Konflikt mit dem Chemnitzer Rathaus: Die Verwaltung fordert Nachbesserungen am Entwurf des regionalen Windplans und will mehrere städtische Flächen aus dem Katalog der möglichen Standorte streichen lassen. Konkret bemängelt Baubürgermeister Thomas Kütter die Ausweisung von Flächen, die nach Auffassung der Stadt voraussichtlich nicht genehmigungsfähig sind.
Hintergrund ist die Vorgabe, dass der Planungsverband bis 2032 zwei Prozent seiner Fläche für Windenergie ausweisen muss. Die Stadtverwaltung weist jedoch darauf hin, dass der vorliegende Entwurf ökologische Konflikte und Inkonsistenzen aufweise: So sind bei den Pezenburgteichen in Wittgensdorf und drei weiteren Flächen nördlich der A4 Vogelarten wie Rotmilan und Baumfalke betroffen, was aus Sicht der Verwaltung eine Genehmigung erschweren oder verhindern könnte.
Streitpunkt: bestehende Anlagen fehlen, neue Standorte bedrohen Schutzgebiete
Ein weiterer Kritikpunkt der Stadtverwaltung betrifft den Galgenberg in Röhrsdorf. Dort stehen bereits sieben Windräder und ein Batteriespeicher; im Entwurf des regionalen Plans taucht der Standort jedoch nicht auf. Kütters Vorlage bezeichnet dieses Weglassen als „widersinnig“ und fordert, den Galgenberg sowie zwei bereits genehmigte Anlagen östlich der A72 in den Plan aufzunehmen. Die Stadt argumentiert, dass die Modernisierung vorhandener Anlagen oft verträglicher sei als die Erschließung neuer Flächen.
Bei Mittelbach droht ein weiterer Konflikt: Rund um den Stärkerwald wird offenbar ein Naturschutzgebiet vorbereitet. Die Stadt warnt, dass Windräder in der Nähe die Schutzwirkung eines solchen Gebiets unterlaufen und das Landschaftsbild massiv beeinträchtigen könnten.
- Pezenburgteiche (Wittgensdorf): Stadt hält geplante Anlagen wegen Brutvorkommen für problematisch.
- Flächen nördlich der A4: Drei Flächen sollen zum Schutz seltener Vögel gestrichen werden.
- Galgenberg (Röhrsdorf): Bestehender Windpark fehlt im Entwurf; Stadt fordert Aufnahme.
- Mittelbach / Stärkerwald: Mögliche Schutzgebietsausweisung könnte mit Windplan kollidieren.
„Das Landschaftsbild würde massiv beeinträchtigt“, warnt Kütter in seiner Vorlage.
Kompetenzen: Stadtrat kann fordern, entscheidet aber nicht allein
Formal hat der Chemnitzer Stadtrat die Möglichkeit, Änderungen zu verlangen; die Entscheidung über den regionalen Windplan liegt jedoch beim Planungsverband, einem Zusammenschluss der Stadt und vier umliegender Landkreise. Eine feste gesetzliche Quote speziell für Chemnitz existiert nicht, wie die Vorlage betont. Das bedeutet: Kommunale Interessen können eingebracht, aber nicht allein durchgesetzt werden.
Die Diskussion um den Windplan läuft bereits seit einiger Zeit, vor allem weil mehrere vorgeschlagene Standorte in Waldflächen liegen und Abstände zu Wohnbebauung umstritten sind. Die Stadtverwaltung versucht nun, ökologische Risiken, bestehende Infrastruktur und städtebauliche Aspekte in Einklang zu bringen. Dabei setzt sie auf zwei zentrale Argumente: Zum einen auf den Schutz seltener Vogelarten und auf die Integrität geplanter Schutzgebiete, zum anderen auf die ökologischen und visuellen Vorteile, die eine Modernisierung vorhandener Anlagen gegenüber neuen Standorten haben kann.
| Ort | Problem / Forderung |
|---|---|
| Pezenburgteiche (Wittgensdorf) | Vogelschutz (Rotmilan, Baumfalke); mögliche Unvereinbarkeit |
| Galgenberg (Röhrsdorf) | Bestehende Anlagen fehlen im Plan; Stadt fordert Aufnahme |
| nördlich A4 | Drei Flächen sollen aus Artenschutzgründen gestrichen werden |
| Mittelbach / Stärkerwald | Vorbereitete Schutzgebietsausweisung könnte beeinträchtigt werden |
Für die Chemnitzer Öffentlichkeit geht es neben dem Klimaschutz also auch um Ortskenntnis, Artenvielfalt und um die Frage, wie die Stadt ihr Landschaftsbild erhalten möchte. Die Auseinandersetzung zeigt zudem, dass die regionale Energiestrategie nicht nur technische und politische, sondern vor allem naturschutzrechtliche Konfliktlinien berührt.
Der Stadtrat wird voraussichtlich in der nächsten Woche über die Vorlage beraten. Die Entscheidung des Planungsverbands wird dann den weiteren Kurs vorgeben — mit direkten Folgen für Flächenausweisungen, Genehmigungsverfahren und mögliche Einsprüche durch Umweltverbände oder Anwohner.