Landkreis debattiert über Standort und Finanzierung
Der Kreistag Görlitz rückt in dieser Woche eine der für die Region wichtigsten Kulturinstitutionen in den Fokus: Das Gerhart‑Hauptmann‑Theater steht vor einer Entscheidung, die weit über organisatorische Details hinausgeht. Zur Sondersitzung am kommenden Dienstag, dem 27. Oktober, soll ein Grundsatzbeschluss zur Zukunftskonzeption gefasst werden.
Nach Angaben der Fraktion BSW/FWZ verlangt diese ausdrücklich den Erhalt beider Standorte in Görlitz und Zittau. Die Fraktion wendet sich damit gegen Vorschläge, ein Haus in eine reine Bespielstätte umzuwandeln, und stellt sich gegen vorschnelle Personalkürzungen. Stattdessen fordert die BSW/FWZ eine verlässliche Übergangsfinanzierung für 2027 und 2028 sowie eine stärkere finanzielle Beteiligung des Freistaates an den steigenden Betriebskosten.
„Ein Spartenabbau beim Schauspiel, Musiktheater, Tanz oder der Neuen Lausitzer Philharmonie würde das finanzielle Defizit nicht lösen.“
Die Fraktion macht deutlich, dass Kurzfristmaßnahmen wie Stellenstreichungen oder Programmverkleinerungen aus ihrer Sicht keine nachhaltige Antwort auf die strukturellen Herausforderungen des Theaters sind. Vielmehr solle der Betrieb langfristig gesichert werden, unter anderem durch Maßnahmen zur Erhöhung der Einnahmen.
- Erhalt beider Spielstätten in Görlitz und Zittau
- Keine Umwandlung eines Hauses in reine Bespielstätte
- Verlässliche Übergangsfinanzierung für 2027 und 2028
- Mehr Beteiligung des Freistaates an steigenden Kosten
- Maßnahmen zur Einnahmensteigerung: bessere Auslastung, grenzüberschreitende Werbung, mehr Sponsoring
Konkrete Vorschläge und die politische Stoßrichtung
Die BSW/FWZ schlägt vor, den finanziellen Druck nicht allein durch Kürzungen zu mildern. Stattdessen setze man auf eine Kombination aus kurzfristiger Stabilisierung und mittelfristiger Strategie zur Ertragsverbesserung. Als mögliche Maßnahmen nennt die Fraktion bessere Auslastung, grenzüberschreitende Werbung und vermehrtes Sponsoring. Konkrete Zahlen oder Projektpläne wurden bislang nicht vorgelegt; die Fraktion fordert jedoch, dass die Kreisverwaltung und die Theaterleitung in den kommenden Wochen belastbare Modelle präsentieren.
| Forderung | Begründung |
|---|---|
| Erhalt beider Standorte | Sicherung der Kulturinfrastruktur und Angebotsvielfalt in der Region |
| Übergangsfinanzierung 2027/2028 | Vermeidung von übereilten Strukturbrüchen und Zeit gewinnen für Konzeptentwicklung |
| Mehr Landesbeteiligung | Steigende Kosten erfordern zusätzliche Mittel jenseits kommunaler Haushalte |
Der Kreistag hat in den vergangenen Monaten wiederholt über Einsparungen und Neukonzeptionen diskutiert. Dabei steht das Gerhart‑Hauptmann‑Theater exemplarisch für die Herausforderungen, vor denen viele Kulturhäuser in Ostdeutschland stehen: begrenzte kommunale Budgets, steigende Energie‑ und Personalkosten sowie die Pflicht, ein attraktives, vielfältiges Programm aufzustellen, das Publikum anzieht.
Die Entscheidung am Dienstag dürfte nicht nur die Zukunft der Theaterstandorte entscheiden, sondern auch Signalwirkung für die Kulturpolitik des Landkreises haben. Wird der Kreistag den Kurs der BSW/FWZ mittragen, würde dies Spielraum für einen geplanten, aber finanziell unterlegten Erhalt beider Häuser schaffen. Ein anderer Beschluss könnte dagegen schneller zu strukturellen Änderungen und möglichen Personalmaßnahmen führen.
Für Görlitz bedeutet die Debatte mehr als eine Verwaltungsfrage: Das Theater ist Teil des kulturellen Rückgrats der Stadt, Arbeitgeber und Treffpunkt zugleich. Die anstehende Sondersitzung wird zeigen, ob Politik und Verwaltung bereit sind, kurzfristige Mehrkosten in Kauf zu nehmen, um langfristig ein breites kulturelles Angebot in der Region zu sichern.