Der Kanton Solothurn hat ein dreijähriges Pilotprojekt zur Transparenz von Radarkontrollen ausgewertet. Die zentrale Erkenntnis: Die öffentliche Bekanntgabe von stationären und semistationären Geschwindigkeitsmessanlagen hat in der Gesamtbetrachtung keine messbaren Auswirkungen auf das Fahrverhalten oder das Unfallgeschehen.
Auftrag und Durchführung
Der Kantonsrat hatte die Kantonspolizei am 18. Mai 2022 beauftragt, die Standorte von stationären und semistationären Radar-Anlagen zu veröffentlichen, um zu prüfen, ob dies einen Beitrag zur Verkehrssicherheit leistet. Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden entsprechend erhobene Daten analysiert und anschliessend im Schlussbericht zusammengefasst.
Ergebnis: Kein nachhaltiger Effekt
Die Auswertung zeigt, dass sich durch die Veröffentlichung weder die Übertretungsquoten noch die Unfallzahlen systematisch verbessern liessen. Zwar beobachten die Fachstellen den bekannten, kurzfristigen Effekt: Während eine Kontrolle aktiv ist, reduzieren Verkehrsteilnehmende ihre Geschwindigkeit spürbar; nach Ende der Messung kehrt das Tempo jedoch wieder auf das vorherige Niveau zurück. Dieser kurzfristige Lenkungseffekt trat unabhängig davon auf, ob die Kontrollstelle zuvor kommuniziert worden war oder nicht.
Transparenz gegen Überraschungseffekt
Der Bericht stellt gleichzeitig klar, dass die Publikation der Standorte einen Beitrag zur Transparenz leisten kann und einem Informationsbedürfnis der Bevölkerung entspricht. Die Analyse beurteilt den administrativen Mehraufwand für die Polizei als gering.
«Der damit verbundene administrative Aufwand für die Polizei ist gering.»
Konsequenz: Polizei entscheidet künftig selbst
Angesichts der Erkenntnisse verzichtet der Regierungsrat darauf, eine generelle Verpflichtung zur Veröffentlichung festzuschreiben. Stattdessen erhält die Kantonspolizei Solothurn die Befugnis, zukünftig selbst zu entscheiden, ob sie die Standortdaten von stationären und semistationären Anlagen publiziert. Für mobile Geschwindigkeitskontrollen bleibt die Regel klar: Die Einsatzorte werden nicht offengelegt, damit der Überraschungseffekt erhalten bleibt und auch abseits bekannter Messstellen die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit gefördert wird.
Was bedeutet das konkret für Verkehrsteilnehmende?
- Ab dem 1. September wird die Kantonspolizei wieder die Standorte stationärer und semistationärer Messanlagen bekannt geben.
- Mobile Kontrollen werden weiterhin nicht angekündigt.
- Temporäre Geschwindigkeitsreduktionen während laufender Kontrollen sind weiterhin zu erwarten; dieses Verhalten ist unabhängig von vorheriger Publikation.
Kurze Bewertung und praktische Hinweise
Für Autofahrende im Kanton Solothurn bedeutet die Auswertung, dass allein das Wissen um einen Messpunkt keine nachhaltige Verhaltensänderung erzeugt. Wer dauerhaft sicher unterwegs sein will, sollte sich nicht auf Listen publizierter Standorte verlassen, sondern die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten generell einhalten. Insbesondere in Wohngebieten, bei Baustellen und in der Nähe von Schulen bleibt die Einhaltung der Tempolimiten zentral für die Verkehrssicherheit.
| Aspekt | Publizierte Standorte | Nicht publizierte Standorte |
|---|---|---|
| Langfristige Auswirkung auf Geschwindigkeit | Keine messbare Verbesserung | Keine messbare Verbesserung |
| Kurzfristiger Effekt während Kontrolle | Vorhanden | Vorhanden |
| Transparenz | Erhöht | Niedriger |
| Administrative Belastung Polizei | Gering | Gering |
Die Entscheidung, welche Standorte publiziert werden, liegt nun bei der Kantonspolizei. Verkehrsfachleute betonen, dass Kontrollen — ob angekündigt oder nicht — nur ein Element in einem Gesamtkonzept zur Erhöhung der Verkehrssicherheit sind. Infrastrukturmassnahmen, Geschwindigkeitsbegrenzungen und kontinuierliche Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmenden bleiben zentrale Bausteine.
Für den Alltag heisst das: Auf Signalisation achten, Tempo anpassen und nicht nur vor bekannten Messstellen abbremsen. Die Policen setzen weiterhin auf eine Mischung aus Prävention, Kontrolle und Sanktion, um die Zahl der Unfälle und die Schwere der Folgen zu reduzieren.