Die Veröffentlichung der Standorte von stationären und semistationären Geschwindigkeitsmessanlagen im Kanton Solothurn hat kaum Einfluss auf das Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmenden. Zu diesem Schluss kommt der Schlussbericht der Kantonspolizei, den der Regierungsrat am Dienstag veröffentlichte.
Kurzfristiger Lenkungseffekt, aber kein nachhaltiger Unterschied
Die Auswertung bestätigt den bekannten, kurzfristigen Effekt von Geschwindigkeitskontrollen: Während einer Kontrolle sinken die gefahrenen Geschwindigkeiten, nach deren Ende steigen sie wieder an. Dieser Effekt zeige sich unabhängig davon, ob die Standorte zuvor publiziert worden seien oder nicht, heisst es im Bericht.
Die Polizei stellt damit fest, dass die Publikation von Radar-Standorten weder eindeutig zu weniger Geschwindigkeitsübertretungen noch zu einem messbaren Rückgang des Unfallgeschehens geführt habe. Gleichzeitig trage die Bekanntgabe der Standorte aber zur Transparenz bei und entspreche einem Informationsbedürfnis in der Bevölkerung.
«Mobile Radare bleiben geheim. Diese leisten wegen ihres Überraschungseffekts einen wesentlichen Beitrag zur Verkehrssicherheit.»
Entscheid liegt künftig bei der Polizei
Da das Pilotprojekt weder klare Vor- noch Nachteile feststellte, überlässt der Regierungsrat die künftig geltende Praxis der Publikation stationärer und semistationärer Messanlagen der Kantonspolizei. Die Standorte mobiler Geschwindigkeitskontrollen sollen weiterhin nicht veröffentlicht werden. Die Begründung: Mobile Kontrollen wirken vor allem durch ihren Überraschungseffekt.
Die Behörde betont, dass der administrative Aufwand für die Polizei gering gewesen sei und die Publikation von Standorten ein öffentlicher Beitrag zur Transparenz sei. Konkrete Zahlen zu Kontrollhäufigkeit oder absoluten Unfallzahlen nennt der Bericht in der veröffentlichten Zusammenfassung nicht.
Was bedeutet das für Verkehrsteilnehmende?
Für Autofahrende heisst das Ergebnis vor allem, dass die kurzfristige Verhaltensänderung bei Kontrollen weiterhin die wichtigste Wirkung bleibt. Die Polizei empfiehlt daher, die signalisierten Höchstgeschwindigkeiten generell einzuhalten, weil Kontrollen nach wie vor dazu beitragen, Unfallrisiken und die Schwere möglicher Verkehrsunfälle zu reduzieren.
- Publikation stationärer Standorte: möglich, künftig Entscheidung bei der Polizei
- Mobile Kontrollen: bleiben geheim, um Überraschungseffekt zu bewahren
- Erwarteter Effekt: Kurzfristige Geschwindigkeitsreduktion während Kontrollen
Kurze Bewertung der Massnahmen
Die Erkenntnisse bestätigen, dass Geschwindigkeitskontrollen ein sinnvolles Instrument zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bleiben. Die Frage, ob zusätzliche Transparenz durch die Publikation von Standorten langfristig zu sichererem Verhalten führt, bleibt offen. Die Polizei kann die Standorte stationärer Anlagen künftig nach eigenen Kriterien veröffentlichen oder nicht; dies gibt ihr organisatorischen Spielraum und ermöglicht eine flexible Reaktion auf lokale Gegebenheiten.
| Aspekt | Ergebnis laut Bericht |
|---|---|
| Kurzfristiger Lenkungseffekt | Ja – während Kontrollen sinkt die Geschwindigkeit |
| Nachhaltiger Effekt durch Publikation | Kein erkennbarer Unterschied |
| Mobile Radare | Bleiben geheim |
Für Gemeinden und lokale Verkehrsplaner bedeutet das Ergebnis, dass Kontrollen weiter als Instrument zur Reduktion von Unfallrisiken genutzt werden sollten. Ergänzende Massnahmen wie bauliche Temporeduktionen, Fahrbahngestaltung oder gezielte Sensibilisierungskampagnen könnten nötig sein, um langfristige Verhaltensänderungen zu erzielen.
Die Kantonspolizei wird anhand des Schlussberichts ihre Praxis anpassen und künftig eigenständig entscheiden, welche stationären und semistationären Standorte publiziert werden. Mobile Messanlagen bleiben aus taktischen Gründen weiter nicht öffentlich.
Der Schlussbericht und die Stellungnahme des Regierungsrats liefern damit eine Grundlage für die Diskussion um Transparenz und Effektivität polizeilicher Massnahmen zur Geschwindigkeitsüberwachung im Kanton Solothurn.