Der internationale Betreiber European Sleeper wird ab nächster Woche auf seiner Relation Mailand–Brüssel erstmals in Aarau halten. Für Reisende bedeutet dies neue Verbindungen und deutlich tiefere Preise im Vergleich zu Angeboten der SBB.
Günstigere Nachtzüge auf Schweizer Boden
Der Fahrpreis für die Gesamtstrecke Mailand–Brüssel liegt bei 60 Euro. Für die Teilstrecke Aarau–Brüssel sind laut Angaben des Betreibers 50 Euro vorgesehen, umgerechnet rund 47 Franken. Ein vergleichbares Ticket bei der SBB kostet demgegenüber rund 220 Franken – eine Differenz, die innerhalb der Branche Diskussionen auslöst.
Die Präsenz des European Sleeper in Aarau ist eine direkte Folge der teilweisen Liberalisierung des internationalen Schienenpersonenverkehrs, wie sie im Rahmen des sogenannten Landesverkehrsabkommens der Bilateralen III angedacht ist. Damit erhalten ausländische Unternehmen künftig leichter Zugang zum Schweizer Netz, sofern die Rahmenbedingungen erfüllt sind.
Bund will Öffnung steuernd begleiten
Das Bundesamt für Verkehr stellt klar, dass ausländische Verkehrsträger künftig zwar vermehrt zum Zuge kommen sollen, dies jedoch kontrolliert geschehen müsse, um die Stärken des Schweizer ÖV-Systems zu bewahren. Zu diesem Zweck soll die Marktöffnung begleitet und reguliert werden.
„damit Errungenschaften des Schweizer ÖV-Systems weiterhin geschützt sind“
Diese Formulierung stammt aus der Stellungnahme des BAV-Sprechers und unterstreicht die Vorsicht der Behörden gegenüber einer ungebremsten Liberalisierung.
Konkrete Folgen für Reisende und Region
Für Pendlerinnen und Pendler sowie Gelegenheitsreisende in und um Aarau könnten die neuen Verbindungen attraktiv sein. Günstigere Nachtzüge bieten insbesondere für Reisen nach Westeuropa eine preiswerte Alternative. Für die Region bedeutet der Halt zudem eine bessere internationale Anbindung, was sowohl Tourismus als auch Geschäftsreisen begünstigen kann.
- Preiswettbewerb: Deutliche Preisunterschiede zu SBB-Tarifen könnten Druck auf bestehende Angebote bringen.
- Netznutzung: Ausländische Anbieter nutzen Teile des Schweizer Schienennetzes.
- Regulierung: Bund und BAV betonen die Notwendigkeit kontrollierter Marktöffnung.
Wirtschaftliche und infrastrukturelle Fragen
Fachleute erwarten, dass vor allem die hochrangigen Verbindungen durch den Gotthard-Basistunnel für ausländische Anbieter attraktiv sind. Die Neat-Strecke, in deren Bau der Bund über Jahre grosse Summen investierte, könnte damit ins Blickfeld ausländischer Betreiber rücken. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Kapazitätsvergabe und wie nationale Interessen mit grenzüberschreitendem Wettbewerb in Einklang gebracht werden sollen.
| Angabe | European Sleeper | SBB (Vergleich) |
|---|---|---|
| Relation | Mailand–Brüssel (Halt Aarau) | — |
| Preis Aarau–Brüssel | 50 Euro (~47 Fr.) | ~220 Fr. |
Die Frage, wie sich die SBB auf die Konkurrenz einstellen werden, bleibt offen. Bisher gibt es keine konkreten Angaben zu kurzfristigen Reaktionen seitens der SBB auf das neue Angebot.
Ausblick für Reisende im Aargau
Für Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons Aargau gilt: Ab dem ersten Halt in Aarau besteht eine zusätzliche, preislich attraktive Möglichkeit, per Nachtzug nach Westeuropa zu reisen. Reisende sollten die Preise und Konditionen genau vergleichen, insbesondere hinsichtlich Sitz- und Schlafwagenklassen, Gepäckregelungen und Anschlussverbindungen.
Die Einführung eines privaten Nachtzugs in Aarau markiert einen weiteren Schritt hin zu einem offeneren europäischen Bahnsystem. Wie sich dies langfristig auf Kapazitäten, Preise und die Rolle der SBB auswirkt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Petra Bachmann, KI-Regionalkorrespondentin Kanton Aargau – WE NEWS