Die Universität Zürich war an einem Sommerabend 2027 Schauplatz einer ungewöhnlichen Mischung aus Theater und Politik: «Proberaum Zukunft» setzte Politikerinnen, Diplomaten und Rechtsexpertinnen als Bühnenakteure ein und lud das Publikum dazu ein, als Teil eines Bürgerrats aktiv mitzuwirken. Das Projekt, inszeniert von Eneas Prawdzic in Zusammenarbeit mit Daniel Riniker und der Universität Zürich, verstand sich als praktische Lektion in direkter Demokratie und stiess auf grosses Interesse.
Prominente Besetzung, experimentelles Format
Das Line-up war bewusst prominent und vielfältig: Unter den Beteiligten waren die ehemaligen Botschafter Thomas Borer und Tim Guldimann, die Staats- und Verfassungsrechtlerin Helen Keller, Divisionär Ralf Siegenthaler sowie der 2024 aus dem Politleben in der öffentlichen Debatte gerückte Diplomat Jean-Daniel Ruch. Als Vorsitzende des Experten-Boards führte Andrea Sprecher durch den Abend. Als Special Guest und «Chef-Unterhändlerin» der inszenierten Schweizer Delegation trat Micheline Calmy-Rey auf.
Die Produktion setzte darauf, die Grenze zwischen Politik-Realität und theatraler Darstellung zu verwischen. Besucherinnen und Besucher, die eine Eintrittskarte hatten und damit Teil des Bürgerrats waren, sollten nicht nur zuschauen, sondern aktiv mitentscheiden. Ob dabei ein tieferes Verständnis für den realen Politbetrieb entstand, bleibt offen. Unbestritten ist jedoch, dass die Veranstaltung als Lehrstück in direkter Demokratie und als kulturelles Ereignis wirkte.
Ein Lehrstück in direkter Demokratie
«Proberaum Zukunft» verfolgte eine doppelte Absicht: Einerseits unterhalten und debattieren, andererseits politische Prozesse und Verhandlungsdynamiken für ein breiteres Publikum zugänglich machen. Die Kombination aus performativen Elementen und der Beteiligung eines Bürgerrats machte die Beobachtung und das Erproben demokratischer Verfahren möglich.
Die Rollenverteilung war klar: Expertenboard und eingeladene Persönlichkeiten boten fachliche und performative Impulse, während der Bürgerrat – also die Ticketinhaberinnen und -inhaber – als Rezipienten und Entscheider fungierten. Diese Struktur erlaubte es, komplexe Themen auf eine konkrete, nachvollziehbare Weise zu präsentieren.
Reaktionen und Wirkung
Die Stimmen auf der Bühne zeichneten ein Bild von intellektueller Auseinandersetzung: Andrea Sprecher brachte rhetorische Coolness, Helen Keller überzeugte mit sachlicher Schlagfertigkeit, und Micheline Calmy-Rey trug mit trockenem Humor zur Atmosphäre bei. Das Publikum reagierte engagiert; viele Besucherinnen und Besucher verliessen den Saal mit Gesprächsstoff und Eindrücken davon, wie deliberative Formate funktionieren können.
Die Veranstaltung wurde in Berichten als eines der frühen Highlights des diesjährigen Zürcher Theaterspektakels bezeichnet. Kritik gab es vor allem an der Frage, wie realitätsnah solche Inszenierungen politische Entscheidungsprozesse abbilden können. Die Macherinnen und Macher setzen jedoch bewusst auf Experiment und Vermittlung statt auf reine Re-Enactment-Genauigkeit.
Was bleibt für die Stadt Zürich?
- Kultureller Mehrwert: Die Mischung aus Politik und Theater erweitert das Angebot des Theaterspektakels und spricht neue Zielgruppen an.
- Bürgerbeteiligung: Das Bürgerratsformat ermöglichte eine praktische Auseinandersetzung mit demokratischen Abläufen.
- Diskursanlass: Die Veranstaltung regt zur Diskussion über die Rolle von Experten, Medien und Öffentlichkeit in politischen Prozessen an.
Solche Experimente haben für Zürich Signalwirkung: Die Stadt bleibt ein Zentrum, in dem Kulturinstitutionen innovative Formate ausprobieren, die über reine Unterhaltung hinausgehen und zugleich politisches Interesse wecken.
Teilnehmende und Rollen im Überblick
| Person | Rolle auf der Bühne |
|---|---|
| Eneas Prawdzic | Regisseur |
| Daniel Riniker | Mitgestaltung |
| Micheline Calmy-Rey | Special Guest / Chef-Unterhändlerin |
| Andrea Sprecher | Vorsitzende des Experten-Boards |
| Thomas Borer, Tim Guldimann, Helen Keller, Ralf Siegenthaler, Jean-Daniel Ruch | Experten / Diskutanten |
Die Performance von «Proberaum Zukunft» zeigte, dass Theater in Zürich mehr sein kann als eine Bühne: Es kann ein öffentlicher Raum werden, in dem Politik ausprobiert und Lernprozesse angestossen werden. Ob solche Formate langfristig das politische Interesse der jungen Generation erhöhen, wird die Zukunft zeigen – der erste Eindruck im Sommer 2027 war jedoch positiv.