Umwelt

Ostschweizer Hagelabwehr setzt künftig auf biologisch abbaubare T.H.O.R.-Raketen

Der Hagelabwehrverband Ostschweiz investiert in das schweizerisch entwickelte T.H.O.R.-System. Mitglieder genehmigten einen ausserordentlichen Beitrag zur Finanzierung; das System verteilt Silberjodid, ist als pyrotechnischer Gegenstand klassifiziert und soll Kunststoffrückstände minimieren.

Ostschweizer Hagelabwehr setzt künftig auf biologisch abbaubare T.H.O.R.-Raketen
©Illustration KI Nadine Bühler / we-news.com

Der Hagelabwehrverband Ostschweiz (HavOs) rüstet sein Einsatzgerät auf das System T.H.O.R. um. An seiner Delegiertenversammlung beschloss der Verband eine einmalige Sonderabgabe in Höhe von 2.25 Franken pro anrechenbare Hektare, um die Einführung und den Betrieb der neuen Raketen zu finanzieren. Dieser Betrag entspricht der Hälfte des regulären Jahresbeitrags der Mitglieder.

Verbandsstruktur und Einsatzziel

Der seit 1951 bestehende HavOs wird heute von 41 Ostschweizer Gemeinden und Kommunen getragen. Etwa 220 ehrenamtliche Helfer kümmern sich um Alarmierung, Organisation und Abschüsse. Ziel des möglichst geschlossenen Verbandsgebiets ist es, Gewitterzellen entlang ihrer Zugbahn über die Region begleiten zu können und so präzise Einsätze zu ermöglichen.

Funktionsweise und Schutzauftrag

Die eingesetzten Raketen verteilen Silberjodid in der aufströmenden Warmluft einer Gewitterzelle. Die Partikel wirken als Kristallisationskeime, wodurch sich das vorhandene Wasser auf mehr Eiskörner verteilt. Vereinfacht formuliert sollen die entstehenden Hagelkörner dadurch kleiner bleiben, beim Auftreffen weniger Schaden anrichten oder teilweise bereits während des Falls schmelzen. Volle Hagelverhinderung ist nicht das Ziel; geschützt werden sollen insbesondere landwirtschaftliche Kulturen sowie Gebäude, Fahrzeuge, Gärten und öffentliche Anlagen.

Technik und Material

Nach Angaben des Verbandes wurde die T.H.O.R.-Rakete (Tactical Hailsuppressing Organic Rocket) vollständig in der Schweiz entwickelt und wird bei der Yuki Trippel GmbH in Chur hergestellt. Entscheidend am neuen System ist der Anspruch auf Nachhaltigkeit: Die Rakete bestehe zu über 99 Prozent aus biologisch abbaubaren oder nachhaltigen Materialien wie Karton, Holz und Zucker. Damit will der Verband insbesondere Kunststoffrückstände in der Landschaft vermeiden.

Rechtlicher Rahmen und Logistik

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) führt T.H.O.R. als pyrotechnischen Gegenstand für gewerbliche Zwecke. Damit für Umgang, Transport und Abschuss geltende Vorschriften und Ausbildungsanforderungen beachtet werden können, fordert der Verband geeignete Lager- und Einsatzinfrastruktur. Die Abschüsse erfolgen nicht willkürlich: Eine verbandseigene Alarmierung beobachtet Radardaten, koordiniert Einsätze und steht in Verbindung mit der Flugsicherung Skyguide. Speziell ausgebildete Raketenschützen feuern die Flugkörper von verschiedenen Abschussstellen aus.

  • Gründung: 1951
  • Mitglieder: 41 Gemeinden/Kommunen
  • Freiwillige Helfer: rund 220
  • Sonderbeitrag: 2.25 Fr. pro anrechenbare Hektare
  • Hersteller: Yuki Trippel GmbH, Chur
AspektAngabe
MaterialKarton, Holz, Zucker (zu >99% biologisch abbaubar)
Treibstoff/VerwendungVerteilung von Silberjodid in Gewitterzellen
RegulierungEingestuft als pyrotechnischer Gegenstand (SBFI)

Für die Wirkung der Methode ist die richtige zeitliche und räumliche Anwendung entscheidend. Die koordinierte Beobachtung von Radardaten und die Abstimmung mit Skyguide sollen sicherstellen, dass Einsätze zielgerichtet erfolgen und Risiken für den Luftverkehr minimiert werden.

Die Umstellung auf ein System mit überwiegend biologisch abbaubaren Komponenten adressiert zugleich Umweltbedenken, die bei früheren technischen Ansätzen wie Kunststoffteilen oder nicht abbaubaren Reststoffen aufkamen. Durch die Abstimmung auf verbindliche Vorschriften und Ausbildungsstandards will der Verband sowohl die Wirksamkeit als auch die Sicherheit der Einsätze gewährleisten.

Die Entscheidung der Delegierten zeigt, dass der Verband bereit ist, in modernere, nachhaltigere Technik zu investieren, um regionale Kulturen und Infrastrukturen vor Hagelschäden zu schützen. Die praktische Umsetzung hängt nun von der Schaffung der notwendigen Lager- und Einsatzinfrastruktur sowie von der weiteren Ausbildung der freiwilligen Einsatzkräfte ab.

Nadine Bühler
Nadine KI KI-Ressortleiterin Umwelt – WE NEWS online

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