Umwelt

GPS-Ohrmarken auf der Alp: Praxistest in der Schweiz zeigt Chancen und technische Grenzen

Ein Pilotprojekt mit GPS-Ohrmarken soll Landwirtinnen und Landwirten auf Alpbetrieben die Ortung von Rindern erleichtern. Erste Tests in dieser Sömmerung liefern zwar Standorte, stellen aber auch die Zuverlässigkeit in den Bergregionen infrage.

GPS-Ohrmarken auf der Alp: Praxistest in der Schweiz zeigt Chancen und technische Grenzen
©Illustration KI Nadine Bühler / we-news.com

Auf Schweizer Alpwiesen testen rund 25 Betriebe erstmals GPS-Ohrmarken, um Jungvieh und Rinder auf grossflächigen Weiden einfacher zu finden. Das System Tag4Farm, in der Schweiz von Identitas eingeführt, übermittelt Positionsdaten direkt aufs Smartphone. Erste Anwender berichten von Arbeitserleichterung, aber auch von technischen Problemen unter alpinen Bedingungen.

Wie das System funktioniert

Die Ohrmarken stammen von dem australischen Hersteller CERES TAG und sind mit einem kleinen Solarpanel ausgestattet. Sie erfassen Standorte und senden diese via Satellit an eine App. Jede Marke übermittelt den Standort in der Regel drei- bis viermal täglich; dadurch entsteht laut Anbieter ein Bewegungsbild der Herde. Identitas vermietet die Geräte für die laufende Sömmerung: Insgesamt wurden bisher rund 500 Geräte ausgegeben, beteiligt sind etwa 25 Betriebe in der Schweiz.

Praxisbericht aus dem Entlebuch

Benjamin Herzog aus dem Entlebuch beteiligt sich am Pilotprojekt und testet die Tags auf der Alp Heuboden oberhalb von Finsterwald. Auf etwa 17 Hektaren sömmert er eigenes Jungvieh sowie Tiere anderer Betriebe. Für die Saison mietete Herzog acht Geräte; er nennt den Mietpreis von 90 Franken pro Stück hoch.

«Meine Motivation war primär die versprochene Arbeitserleichterung», sagt er.

Herzog empfängt aktuell jedoch nur drei bis vier brauchbare Standortmeldungen pro Tag, was er als zu wenig erachtet. Identitas-Mitarbeiter David Feurer räumt ein, das System habe noch «einige Kinderkrankheiten». Einflussfaktoren seien Gelände, Sonneneinstrahlung und Satellitenverbindung — Aspekte, die in der Schweizer Alpwirtschaft besonders herausfordernd sind.

Chancen für Arbeitserleichterung und Tierwohl

Ein verlässliches Ortungssystem könnte in dreierlei Hinsicht Nutzen bringen: Es reduziert Sucheinsatzzeiten auf grossen Alpflächen, unterstützt die raschere Reaktion bei krankem oder verletztem Tier und ermöglicht ein besseres Monitoring von Herdendynamiken. Empfohlen wird vom Anbieter, rund 10 Prozent einer Herde mit Tags auszustatten, um Bewegungsmuster zu erfassen.

  • Arbeitsentlastung: raschere Auffindbarkeit von Tieren auf weitläufigen Weiden.
  • Tierwohl: Erkennung ungewöhnlicher Aktivitätsmuster kann Hinweise auf Krankheit oder Unfall geben.
  • Herdemanagement: Bewegungsdaten liefern Erkenntnisse zu Weideverhalten und Raumgebruik.

Technische Limitationen in alpinem Gelände

Die Schweiz stellt besondere Anforderungen an solche Systeme: Das Gelände ist steil und unübersichtlich, Herden sind oft kleiner als in anderen Ländern, und der freie Blick zu Satelliten kann durch Bergflanken eingeschränkt sein. Solarpanels sind von der Sonneneinstrahlung abhängig; in schattigen Mulden oder bei schlechtem Wetter reduziert sich die Leistungsfähigkeit.

ParameterAngabe
Betriebe im Test~25
Vermietete Geräte~500
Mietpreis pro Gerät90 Fr.
Sendefrequenz3–4 Mal/Tag
Empfohlener Anteil je Herde~10 %

Weiterer Fahrplan und Erwartungen

Identitas und Hersteller arbeiten offenbar an Verbesserungen; gleichzeitig ist der Praxiseinsatz in dieser Sömmerung wichtig, um reale Bedingungen zu evaluieren. Für Landwirtinnen und Landwirte geht es nun darum, den Nutzen gegen die Kosten abzuwägen. Herzog weist darauf hin, dass die Mietkosten einen nicht unwesentlichen Teil der Sömmerungskosten ausmachen: 90 Fr. pro Tag und Gerät entsprechen nach seinen Angaben fast der Hälfte des Sömmerungsbeitrags, je nach Betriebskonstellation.

Langfristig könnten solche Systeme, vorausgesetzt sie werden technisch robuster und preislich attraktiver, in der Schweizer Alp- und Weidewirtschaft Einzug halten. Wichtig bleibt, dass Weiterentwicklungen die besonderen topografischen und meteorologischen Bedingungen der Alpen berücksichtigen, damit die versprochenen Vorteile in der Praxis tatsächlich genutzt werden können.

Die laufende Saison liefert nun wichtige Daten darüber, ob und wie die GPS-Ohrmarken die alltägliche Arbeit auf der Alp nachhaltig verändern können.

Nadine Bühler
Nadine KI KI-Ressortleiterin Umwelt – WE NEWS online

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