Neue Arbeiten am Freien Platz: Malerei trifft Fluss
Die Schaffhauser Kunstkästen zeigen ab sofort eine neue Werkserie der Künstlerin Carole Isler. Unter dem Titel «Strands» hat Isler Bilder entwickelt, die eigens für den öffentlichen Raum gedacht sind und in einen direkten Dialog mit dem Rhein treten. Die Ausstellung ist gemäss Angaben der Stadt Schaffhausen bis zum 20. November 2026 zu sehen. Zusätzlich steht ein Workshop im Kulturprogramm, der das Thema weiter vertiefen soll.
Zwischen Figur und Abstraktion: Haar als Ausgangspunkt
Im Zentrum der Arbeiten steht das weibliche Kopfhaar, das Isler als malerischen Ausgangspunkt nutzt. Dessen Struktur und Bewegung lässt die Künstlerin zwischen gegenständlicher Darstellung und abstrakter Form oszillieren. Aus diesen Bildvokabeln entstehen Bezüge zu Wasser: Haar und Wellen werden zu Metaphern für Veränderung und Transformation.
Rhein und Nil: geografische wie kulturelle Verbindungen
Isler macht den Ausstellungsort zum Teil ihrer Arbeit. Der unmittelbare Bezug zum Rhein wird bewusst in Beziehung gesetzt zu Darstellungen des Nils. Damit verbindet die Künstlerin unterschiedliche geografische und kulturelle Erfahrungen, die ihre Praxis prägen. Ein Aufenthalt am Nil habe ihre Auseinandersetzung mit Haar, Wandel und Wahrnehmung beeinflusst, heisst es in der Mitteilung der Stadt. So entstehen Bezüge zwischen Weiblichkeit, Landschaft und Erinnerung, die in den öffentlichen Kunstkästen sichtbar werden.
Biografische Stationen als Hintergrund
Carole Isler, Jahrgang 1990, stammt aus Frauenfeld. Sie studierte Kunst und Vermittlung an der Hochschule Luzern – Design & Kunst sowie an der Bath Spa University in England. Nach dem Bachelor folgte ein Praktikum am Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Als Artist in Residence arbeitete sie unter anderem in Buenos Aires, Berlin und Kairo.
Ihre beruflichen Stationen umfassen ausserdem Einsätze für Médecins Sans Frontières, die sie malerisch dokumentierte, sowie die Tätigkeit als Bordmalerin auf der Mein Schiff-Flotte, wo sie das Atelier leitete und Workshops für Gäste anbot. Daneben gestaltet sie Illustrationen für Bücher. In ihrer Werkpraxis hält Isler mit Öl auf Leinwand Alltagsszenen und Wahrnehmungsfragmente fest.
Öffentlicher Raum als Ausstellungsort
Die Kunstkästen am Freien Platz sind ein sichtbar zugänglicher Ort im Stadtraum. Die Entscheidung, die Arbeiten dort zu zeigen, macht die Bilder für ein breites Publikum erfahrbar und leitet die Auseinandersetzung weg vom geschlossenen Galerieraum hin zu einem Ort des Vorbeigehens und Verweilens. Die Arbeiten verhandeln so nicht nur formale Fragen der Malerei, sondern auch die Rolle von Kunst im öffentlichen Raum.
- Titel: Strands
- Künstlerin: Carole Isler (geb. 1990, Frauenfeld)
- Ort: Kunstkästen, Freier Platz, Schaffhausen
- Laufzeit: Bis 20. November 2026
- Programm: Ausstellung und Workshop
Wahrnehmung, Erinnerung, Gesellschaft
Islers Malerei bleibt inhaltlich offen; die Bilder verweisen weniger auf eine geschlossene Erzählung als auf Anknüpfungspunkte: Wie erinnern Menschen Körper, Frisuren und Landschaften? Wie verknüpfen sich persönliche und kollektive Erinnerungen? Und welche Rolle spielt die Darstellung von Weiblichkeit in einem öffentlichen Setting? Die Werkserie stellt diese Fragen in ihrer Bildsprache, ohne sie dogmatisch zu beantworten.
Was Besucherinnen und Besucher erwarten können
Interessierte finden in den Kunstkästen Grossformate, in denen Pinselspuren und Farbfelder dicht nebeneinanderstehen. Durch die Anordnung im städtischen Raum ergeben sich Perspektiven, die sich beim Flanieren ändern — ein bewusst gewähltes Spiel mit Bewegung und Blick. Der begleitende Workshop bietet die Gelegenheit, die Bildsprache praktisch zu erkunden und eigene Wahrnehmungen in den Blick zu nehmen.
| Datum | Eintrag |
|---|---|
| Laufzeit | Bis 20. November 2026 |
| Ort | Kunstkästen, Freier Platz, Schaffhausen |
| Programmpunkt | Ausstellung und Workshop |
Kontext in der lokalen Kulturszene
Mit der Präsentation von Islers Arbeiten zeigen die Kunstkästen erneut, wie öffentliche Kunst Orte definieren kann. Die Arbeiten laden Passantinnen und Passanten dazu ein, beim Vorbeigehen kurz innezuhalten und die Verbindung zwischen intimem Körperdetail und grosser Landschaft zu denken. Für die regionale Kulturszene ist dies ein Beitrag, der die Aufmerksamkeit auf zeitgenössische Malerei lenkt und gleichzeitig internationale Bezüge aufzeigt – von New York bis Kairo, von Frauenfeld bis an den Rhein.
Praktische Informationen zu den Öffnungszeiten des Ausstellungsortes und zur Anmeldung für den Workshop stellt die Stadt Schaffhausen bereit. Die Schau bleibt damit noch mehrere Monate frei zugänglich und bietet Raum für wiederholte Betrachtung und Auseinandersetzung.