Schon als Bub entwickelte Thomas Häsler eine intensive Verbindung zu Tieren, die sein Leben nachhaltig prägen sollte. Heute ist er der einzige Schweizer Pferdesport-Funktionär, der international als Richter gefragt ist. Sein Weg begann bescheiden: mit Ferienreitstunden in der Schlattemer Reitschule Brütsch und einer ersten Reitstunde im Jänner 1966 auf einem ausgemusterten Kavalleriepferd.
Frühe Prägung und erste Erfahrungen
Häsler erinnert sich an die Anfänge: Die Reitschule bot in den Ferien Kinderreiten an, und die Begeisterung wuchs schnell. „
Eines Tages fragte mich meine Schwester, ob ich nicht mit ihr reiten gehen möchte“, erzählt er. Als Weihnachtsgeschenk erhielt er ein Abonnement über fünf Reitstunden; in den 60er-Jahren kostete eine Stunde laut Erinnerung lediglich 3,80 Franken.
Die praktische Arbeit auf dem Hof war Teil der Ausbildung: Häsler fuhr zunächst mit dem Zug, später mit dem Fahrrad von Schaffhausen nach Schlatt und half bei der Stall- und Feldarbeit. Diese Tätigkeiten gehörten ebenso zum Lernen wie die Stunden in der Reithalle. Trotz Heuschnupfen – gegen Ende der Heuarbeit machte sich die Allergie bemerkbar – blieb die Leidenschaft fürs Reiten bestehen.
Sport, Unterbrüche und Neuanfänge
Seine Laufbahn war nicht geradlinig. Militärdienst, der zweite Bildungsweg und ein Auslandsaufenthalt führten zu Unterbrüchen. Dennoch bewältigte Häsler die Übergänge: Sein damaliges Pferd übergab er an eine Kollegin, um einen nachhaltigen Umgang mit Verantwortung sicherzustellen. Der erste Start an einem Turnier erfolgte 1974, ernsthaft begann er das Turniergeschehen einige Jahre später.
Häsler betont die praktischen Seiten des Pferdesports: Er weist darauf hin, dass die meisten mit dieser Sportart kein Geld verdienen und dass sie nicht günstig ist. Deshalb müsse man Beruf und Leidenschaft vereinbaren, um sich das Hobby leisten zu können. Finanzierung und Zeitaufwand bleiben zentrale Herausforderungen für viele aktive Reiter und Züchter.
Zucht, Engagement und heutige Rolle
Bis heute züchtet und zieht Häsler Pferde selber auf. Sein Engagement zeigt sich in den verschiedenen Rollen, die er im Lauf der Jahre übernahm — vom Reiter im Amateurbereich bis hin zur Funktionärs- und Richtertätigkeit auf internationaler Ebene. Dass er als einziger Schweizer Richter dieser Art gefragt ist, unterstreicht sowohl seine fachliche Kompetenz als auch das Vertrauen der Szene in seine Leistungen.
- Erste Reitstunde: Jänner 1966
- Erster Turnierstart: 1974
- Aktuelle Rolle: International gefragter Richter und Züchter
| Jahr / Periode | Ereignis |
|---|---|
| 1950er–1960er | Ferienreiten in der Schlattemer Reitschule Brütsch |
| Jänner 1966 | Erste richtige Reitstunde auf ehemaligem Kavalleriepferd |
| 1974 | Erster Turnierstart |
| Gegenwart | Internationale Richtertätigkeit und Pferdezucht |
Die Geschichte von Häsler ist beispielhaft für viele Menschen, die ihre beruflichen und privaten Möglichkeiten aufeinander abstimmen, um Lebensfreude und Engagement zu verbinden. Seine Erfahrung zeigt, dass Passion, Kontinuität und Bereitschaft zur Anpassung — etwa bei gesundheitlichen Einschränkungen oder Lebensunterbrechungen — zentrale Voraussetzungen sind, um langfristig in einem anspruchsvollen Hobby bestehen zu können.
Gleichzeitig verweist Häsler indirekt auf strukturelle Fragen des Pferdesports: Hohe Kosten und erheblicher Zeitaufwand schränken die Teilhabe ein. Für die Szene bedeutet dies, talentierte Nachwuchskräfte zu halten und den Zugang zu erleichtern, etwa durch Förderangebote oder gemeinsame Stallstrukturen. Häsler selbst hat Wege gefunden, seine Passion in eine verantwortungsvolle Tätigkeit zu überführen — als Züchter, Praktiker und als Richter, der die sportlichen Standards mitprägt.
Seine Biografie bleibt eine Erinnerung daran, wie frühe Erfahrungen in Vereinen, Reitschulen und auf Höfen den Grundstein für lebenslange Engagements legen können, und wie wichtig Unterstützung, Praxisnähe und Vernetzung für den Fortbestand solcher Leidenschaften sind.