Psychische Gesundheit müsse als gesamtstädtische Aufgabe verstanden werden, sagt Christina Braun von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. In einem Interview mit JOURNAL FRANKFURT beschreibt sie die Rolle zivilgesellschaftlicher Förderung: Nicht nur individuelle Behandlung zähle, sondern auch soziale Teilhabe, Unterstützung und Bildung, die das Zusammenleben resilienter machen.
Gesellschaftliche Belastungen und das städtische Umfeld
Braun verweist auf die Vielschichtigkeit urbaner Herausforderungen: Krisen, wirtschaftliche Unsicherheit, Einsamkeit und die Folgen der Corona-Pandemie belasten das Wohlbefinden vieler Menschen. Als Orientierung nennt sie eine bundesweite Kennzahl: Jährlich erlebe etwa jeder vierte bis fünfte Erwachsene eine psychische Erkrankung. Vor diesem Hintergrund sieht die Stiftung ihren Auftrag darin, Strukturen zu stärken, die frühes Erkennen, niedrigschwellige Zugänge und Entstigmatisierung ermöglichen.
„Psychische Gesundheit ist nicht nur eine individuelle, sondern auch eine stadtgesellschaftliche Aufgabe.“
Förderstrategie und konkrete Unterstützung
Seit 2023 hat die Stiftung nach eigenen Angaben über 50 gemeinnützige Projekte in Frankfurt unterstützt und dafür rund eine halbe Million Euro bereitgestellt. Finanziert wurden Projekte mit sehr unterschiedlichen Ansätzen: Aufklärungs- und Entstigmatisierungsmaßnahmen, Beratungsangebote für junge Menschen, Angebote für Geflüchtete, digitale Wegweiser sowie ehrenamtliche und kulturelle Projekte. Als Beispiele nennt Braun das Sorgentelefon Frankfurt und das Freie Theaterhaus Frankfurt, die jeweils niedrigschwellige Zugänge und gleichzeitig Öffentlichkeitswirkung bieten.
| Zeitraum | Geförderte Projekte | Fördersumme (ca.) |
|---|---|---|
| Seit 2023 | Mehr als 50 | Rund 500.000 Euro |
Wirkungen, Learnings und Herausforderungen
Aus den bisherigen Fördermaßnahmen habe die Stiftung mehrere zentrale Erkenntnisse gezogen: Aufklärung und Entstigmatisierung seien entscheidend, damit Betroffene frühzeitig passende Hilfe finden. Niedrigschwellige Zugänge — telefonisch, kulturell oder digital — erhöhen die Reichweite und senken Zugangsbarrieren. Darüber hinaus betont Braun die Bedeutung von Angeboten, die gezielt vulnerable Gruppen erreichen, etwa Geflüchtete oder Familien mit psychisch erkrankten Angehörigen.
- Früherkennung und Entstigmatisierung sind zentrale Ziele.
- Niedrigschwellige Angebote (Telefon, Kultur, Beratung) erweitern den Zugang.
- Gezielte Förderung für vulnerable Gruppen soll Versorgungslücken verringern.
Die Strategie der Stiftung nimmt damit eine Brückenfunktion ein: Sie verbindet zivilgesellschaftliche Initiativen mit der öffentlichen Debatte über Prävention und Versorgung. Die geförderten Projekte sollen nicht nur kurzfristig Hilfe leisten, sondern auch langfristig das öffentliche Verständnis und die Bereitschaft zur Unterstützung fördern.
Relevanz für Österreichische Städte
Die Überlegungen der Stiftung Polytechnische Gesellschaft haben auch für österreichische Städte Bedeutung. Viele Herausforderungen — etwa Vereinsamung, ökonomische Unsicherheit oder die Nachwirkungen der Pandemie — sind grenzüberschreitend. Die Kombination aus finanzieller Förderung, kulturellen Formaten und niedrigschwelligen Beratungsangeboten kann auch hierzulande Impulse für eine stadtgesellschaftliche Gesundheitsförderung liefern. Entscheidend bleibt, die Erfolge systematisch zu evaluieren und die Arbeit mit kommunalen Gesundheitsstrukturen zu vernetzen, damit kurzfristige Hilfen nachhaltige Wirkungen entfalten.
Die Stellungnahme von Christina Braun zeigt: Prävention und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind kein Nice-to-have, sondern eine notwendige Ergänzung zur klinischen Versorgung — gerade in dicht besiedelten, vielfältigen Städten wie Frankfurt.