Das Festival „Hoch Kultur“ in Innervillgraten hat am Mittwochabend mit einer besonderen Inszenierung begonnen: Nicholas Ofczarek und die Band Franui präsentierten die Produktion „Holzfällen“ in einem eigens aufgestellten Zirkuszelt. Die Veranstaltung verknüpft Burgtheater-Erfahrungen mit ländlicher Festivalpraxis und setzte damit einen ungewöhnlichen Auftakt in Osttirol.
Ein Zelt als Ausweichraum — und als Erlebnisort
Eigentlich sollten die Konzerte auf der Open-Air-Bühne der Unterstalleralm auf 1.673 Metern Seehöhe stattfinden. Als Schlechtwetter-Alternative wurde jedoch ein großes Zirkuszelt aus Norddeutschland gemietet und im Dorfzentrum aufgebaut. Mit 1.800 Sitzplätzen hat dieses Zelt eine Kapazität, die nach Angaben der Veranstalter doppelt so groß ist wie die Einwohnerzahl des Ortes und sogar deutlich über der Größe des Burgtheaters liegt, in dem das Programm zuvor Erfolge gefeiert hatte.
"Sehr erstaunlich, dass Sie heute darauf verzichten, die Sonnenfinsternis zu sehen."
Andreas Schett, Kopf der Musikformation Franui, richtete diesen Satz scherzhaft an das Publikum. Die Organisatoren zeigten sich zufrieden, dass es gelungen sei, das Zelt zu füllen – keine Selbstverständlichkeit in einem kleinen Bergort, in dem freier Raum und Infrastruktur besondere Herausforderungen darstellen.
Von der Burgbühne ins Bergzelt
Die Aufführung, bei der Ofczarek eine Text-Musik-Partitur vortrug, stammt ursprünglich aus dem Burgtheaterbetrieb und hat sich dort zu einem Publikumserfolg entwickelt. Für Innervillgraten wurde das Lichtkonzept von Paul Grilj adaptiert und in den Zelt-Raum übertragen; die 55. Vorstellung der Produktion verband damit urbane Theaterroutinen mit ländlicher Atmosphäre. Das Zusammenspiel aus sarkastischer Textik, musikalischer Begleitung und einer speziellen Lichtdramaturgie erzeugte für die Gäste eine intensive, erinnerbare Spielform, die nach Aussage der Mitwirkenden genau dieses Ziel verfolgt.
Besonders gefeiert wurde der Abschluss der Vorstellung: Die Mischung aus bitterbösem Kommentar und musikalischer Untermalung traf offenbar den Nerv des Publikums. Schett verwies auch auf persönliche Bezüge – er erinnerte an den Wunsch seines Vaters, Tage zu schaffen, an die man sich später erinnern werde.
"Es soll so sein, dass man sich daran erinnert."
Folgen und Perspektiven
Das Festival, das heuer seine zweite Auflage erlebte, soll künftig im zweijahresrhythmus stattfinden. Damit betten die Initiatoren die Veranstaltung als wiederkehrendes kulturelles Angebot in die Region ein. Die Kombination aus prominenter Besetzung, außergewöhnlichen Spielstätten und logistischer Agilität könnte Modellcharakter für ähnliche Projekte in peripheren Regionen erhalten: Kulturproduktionen werden nicht mehr allein ins Zentrum verlegt, sondern gezielt in ländliche Räume getragen.
- Premiere in Innervillgraten: Nicholas Ofczarek & Franui mit „Holzfällen“
- Zeltkapazität: 1.800 Plätze als Ausweich- und Ausstellungsraum
- Zukunft: Festival künftig alle zwei Jahre
Die Verlagerung großer Kulturformate in den ländlichen Raum bringt allerdings Fragen mit sich: Infrastruktur, Erreichbarkeit für Publikum und Künstler sowie die langfristige Finanzierung sind Punkte, die sich ausdehnen, wenn Festivals aus der Nische in die Regel übergehen. Das „Hoch Kultur Festival“ demonstriert, dass solche Projekte in Osttirol gelingen können — zumindest solange sie mit durchdachter Technik, klarem ästhetischem Konzept und einem Publikum, das bereit ist, neue Schauplätze zu besuchen, ausgestattet sind.
| Ort | Besonderheit |
|---|---|
| Unterstalleralm | Open-Air-Bühne auf 1.673 m Seehöhe |
| Innervillgraten (Dorfzentrum) | Zirkuszelt als Schlechtwetter-Alternative, 1.800 Plätze |
| Burgtheater (Wien) | Ursprungsort der Produktion, ausverkaufte Vorstellungen |
Für die Kulturlandschaft Österreichs bleibt spannend, wie oft sich große Stadtrepertoires künftig in Provinzorte verlagern lassen, ohne ihr inhaltliches Profil zu verwischen. Das Ensemble Franui und der Schauspieler Nicholas Ofczarek haben jedenfalls gezeigt, dass ein solcher Transfer künstlerisch funktioniert und ein Publikum erreicht, das bereit ist, ungewöhnliche Wege zu gehen.