Ein Forschungsteam aus Österreich und Spanien berichtet in einer aktuellen Veröffentlichung im Scandinavian Journal of Work, Environment and Health über einen deutlichen Zusammenhang zwischen Nachtschichtarbeit, gestörtem Schlaf und dem Auftreten von Long‑Covid‑Symptomen. Die Analyse stützt sich auf Daten der sogenannten COVICAT‑Studie mit erwachsenen Teilnehmenden aus Katalonien in den Jahren 2021 bis 2023.
Wesentliche Befunde
Von insgesamt 1.899 Personen, die neu mit SARS‑CoV‑2 infiziert waren, berichteten 284 über anhaltende Beschwerden nach mehr als drei Monaten, womit die Forscher Long‑Covid definierten. Nach Bereinigung um mögliche Störfaktoren zeigte sich, dass Personen, die regelmäßig Nachtschichten leisteten, ein um 88 Prozent erhöhtes Risiko für Long‑Covid hatten im Vergleich zu Tagarbeitenden. Zusätzlich war bei Übergewichtigen unter den Nachtarbeitenden das Risiko weiter erhöht.
„In dem zweijährigen Beobachtungszeitraum berichteten 284 der 1.899 neu infizierten Teilnehmer über Long‑Covid‑Symptome. Im Vergleich zu Tagarbeitern hatten Nachtschichtarbeiter nach Bereinigung um potenzielle Störfaktoren ein um 88 Prozent höheres Risiko“, schrieben die Forschenden.
Auch Schlafqualität erwies sich als unabhängiger Risikofaktor: Fehlt gesunder, erholsamer Schlaf, trat Long‑Covid in der untersuchten Gesamtgruppe um 42 Prozent häufiger auf. Besonders auffällig war die Kombination aus Nachtschichtarbeit und chronischer Schlaflosigkeit, bei der das Risiko auf das 2,7‑Fache anstieg.
Kontext und Bedeutung
Die Ergebnisse sind relevant für Beschäftigte, Arbeitgeber und Gesundheitsbehörden. Schichtarbeitende stellen in vielen Branchen einen beträchtlichen Anteil der Belegschaft; zugleich ist bekannt, dass Nachtschichten den zirkadianen Rhythmus stören und Schlafqualität beeinträchtigen können. Die Studie legt nahe, dass diese Faktoren nicht nur kurzfristige Gesundheitsfolgen haben, sondern auch das langfristige Risiko für postinfektiöse Beschwerden nach COVID‑19 erhöhen können.
Für die Arbeitsmedizin und Präventionsstrategien ergeben sich daraus mehrere Implikationen: Schutzmaßnahmen gegen SARS‑CoV‑2 bleiben wichtig, aber ebenso relevant sind Maßnahmen zur Verbesserung der Schlafhygiene, zur Reduktion von Schichtbelastungen und zur gezielten Betreuung von Risikogruppen wie Übergewichtigen.
- Datenbasis: COVICAT‑Studie, Teilnehmende aus Katalonien, 2021–2023
- Infizierte: 1.899 neu Infizierte
- Long‑Covid: 284 berichteten anhaltende Symptome (>3 Monate)
- Hauptergebnisse: Nachtschicht +88% Risiko; fehlender gesunder Schlaf +42%; Nachtarbeit mit chronischer Insomnie 2,7‑faches Risiko
Die Autorinnen und Autoren der Studie haben Nachtschichtarbeit und Schlafmerkmale bereits 2021 erhoben und die Long‑Covid‑Symptome im Beobachtungszeitraum erfasst. Damit liefert die Arbeit zeitnahe, prospektive Daten, die Zusammenhänge zwischen Arbeitsrhythmus, Schlaf und postinfektiösen Beschwerden beleuchten.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Neu Infizierte | 1.899 |
| Long‑Covid‑Fälle | 284 |
| Erhöhtes Risiko bei Nachtschicht | +88 % |
| Fehlender gesunder Schlaf | +42 % |
| Nachtarbeit + chronische Insomnie | 2,7‑fach |
Folgen für Praxis und Politik
Die Untersuchung weist darauf hin, dass Interventionen, die nur auf Infektionsvermeidung zielen, möglicherweise nicht ausreichen, um die Langzeitfolgen von COVID‑19 umfassend zu reduzieren. Arbeitgeber könnten etwa Arbeitspläne prüfen, Schlaf‑fördernde Maßnahmen anbieten und Gesundheitstests für Schichtarbeitende verstärkt in Betracht ziehen. Auch Beratungs‑ und Unterstützungsangebote für Mitarbeitende mit Schlafproblemen wären angezeigt.
Aus Sicht des öffentlichen Gesundheitswesens lohnt sich eine vertiefte Diskussion über die Integration von Schlafgesundheit in Präventionsprogramme. Zudem wäre zu prüfen, ob spezielle Nachsorge‑ und Reha‑Programme für Betroffene aus Schichtberufen sinnvoll sind, um Funktionseinschränkungen und Arbeitsausfall zu vermindern.
Die Studie liefert wichtige Hinweise, ersetzt aber keine kausalen Beweise: Beobachtungsdaten zeigen Assoziationen, mögliche Mechanismen bleiben zu klären. Weitere Forschung sollte untersuchen, wie Schichtpläne, Licht‑ und Schlafmanagement oder Gewichtsreduktion das Risiko für Long‑Covid beeinflussen können.
Für Beschäftigte gilt vorerst: Auf Schlafqualität achten, bei anhaltenden Beschwerden ärztliche Abklärung suchen und die betriebliche Gesundheitsförderung in Anspruch nehmen.