Ein Lautsprecher, der nicht Musik abspielt, sondern eine eigene, autonome Mini‑Welt simuliert: Das ist das Konzept von „Mur mur“, einem aktuellen Prototypen des Designstudios OIO. Statt bekannter Playlists oder Loops produziert das Gerät fortlaufend eine Klanglandschaft, die von kleinen, freilaufenden KI‑Agenten, simuliertem Wetter und Alltagsszenen bestimmt wird.
Ein digitales Terrarium für die Ohren
Die Macher um Simone Rebaudengo beschreiben das Gerät als eine Art digitales Terrarium oder Weltensimulator: „Mur mur ist keine Welt, in der du spielen, oder sie kontrollieren kannst. Sie spielt ohne dich. Setz dich hin und hör zu, oder guck hinein und schau, was passiert“, heißt es in den Projektangaben.
„Von Spieluhren bis zu Buddha‑Machines – Menschen haben immer versucht, Umgebungsgeräusche in unser Zuhause zu bringen, indem sie die Welt draußen aufgenommen haben. Deshalb haben wir uns entschieden, stattdessen eine kleine Welt zu erschaffen, die wir uns nach Hause holen können.“
Hinter dem Gerät steht laut Quelle das Designstudio OIO, das mit Mattering Design kooperierte. Entwickelt wurde der Prototyp unter dem Einfluss von Überlegungen zur Rolle von KI‑Agenten: Statt diese als rein arbeitsorientierte Chatbots zu zeigen, sollten die Agenten in Mur mur ein eigenes, nicht‑produktives Leben führen und dabei fortlaufend „Musik“ erzeugen.
Technik und Form
Der Lautsprecher verfügt über ein 3D‑gedrucktes Gehäuse und einen Bildschirm im Inneren, auf dem die simulierten Welten sichtbar werden. Das Gerät ist derzeit als Prototyp konzipiert; die Entwickler suchen noch Partner für eine mögliche Umsetzung.
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Gehäuse | 3D‑gedruckt |
| Interner Bildschirm | Visualisierung der Mini‑Welt |
| Klangkonzept | Keine Playlists oder Loops; dynamische, KI‑erzeugte Klanglandschaft |
| Status | Prototyp; Suche nach Partnern |
Das Klangangebot unterscheidet sich bewusst von bekannten Streaming‑Konzepten: Nutzer können nicht in die Abläufe eingreifen, sondern werden zu Beobachterinnen und Beobachtern einer sich selbst steuernden Klangwelt.
Was die Entwickler antreibt
Matteo Loglio vom Team formuliert die Motivation pointiert: Viele Vorstellungen von KI zeigen sie als hyperproduktiv, in monotonen virtuellen Büros gefangen. Mur mur kehrt dieses Bild um, indem die Agenten befreit werden und einfach ihr eigenes Leben führen — mit dem Nebeneffekt, dass dabei unendliche, hörbare Kompositionen entstehen.
- Designexperiment: Verbindung von physischer Produktgestaltung und KI‑Erfahrung.
- Neue Hörkultur: Weg von kuratierten Listen hin zu kontinuierlichen, nicht steuerbaren Klangräumen.
- Prototypstatus: Noch keine Serienproduktion; Entwicklungssituation offen.
Aus dem Projekt spricht ein ästhetisches Interesse: Nicht Effizienz, sondern Atmosphäre, Überraschung und die Frage, wie Künstliche Intelligenz unsere Wahrnehmung häuslicher Räume bereichern kann. Zugleich bleibt offen, welche Käufergruppe ein derartiges Produkt anspricht — Betrachter, die eher kontemplative Klanginstallationen schätzen, oder technik‑neugierige Early Adopter.
Mur mur reiht sich in eine Reihe von Versuchen ein, akustische Umgebungen bewusst in den Wohnbereich zu holen — von mechanischen Spieluhren bis zu minimalistischen „Buddha‑Machines“. Das Projekt zeigt, dass Designer KI nicht nur als Werkzeug, sondern als schöpferischen Partner denken, der eigenständige Atmosphären erzeugt. Ob daraus ein marktreifes Produkt wird, hängt nun von Partnern, Finanzierung und dem Interesse einer Hörerschaft ab.