Jakob Ingebrigtsen hat bei der Leichtathletik-EM in Birmingham ein bemerkenswertes Comeback gefeiert: Der Norweger gewann sein erstes Rennen seit fast einem Jahr und verteidigte seinen Titel über die 5.000 Meter in 13:15,29 Minuten. Damit sicherte er sich seine siebente EM-Goldmedaille und setzte ein deutliches Ausrufezeichen nach einer monatelangen Wettkampfpause.
Rückkehr nach Operation und harter Weg zurück
Im Februar hatte Ingebrigtsen eine Operation an der linken Achillessehne über sich ergehen lassen müssen. Vor dem EM-Start war sein Vorbereitungsumfang stark eingeschränkt; er hatte nach eigenen Angaben nur rund sechs Wochen vernünftiges Training absolviert. Vor diesem Hintergrund galt sein Siegespotenzial als fraglich – umso größer ist die sportliche Leistung einzuschätzen.
Der Rennverlauf erinnerte an taktische Meisterschaft: Ingebrigtsen reihte sich zunächst im Mittelfeld ein, wartete ab, beobachtete das Feld und setzte seinen Angriff spät, aber entschlossen. Rund vier Runden vor Schluss begann er, sich nach vorne zu arbeiten. In der Schlussphase, in der vorletzten und letzten Kurve, fand er die entscheidenden Lücken und zog außen an seinen Rivalen vorbei.
„Ich habe im Vorfeld und bis zur letzten Runde heute jede Minute an mir gezweifelt, aber ich hoffe immer darauf, mein Bestes zu geben“, sagte Ingebrigtsen nach dem Rennen.
Finale Entscheidung im Zielsprint
Im packenden Zielsprint setzte sich Ingebrigtsen knapp gegen den Deutschen Florian Bremm durch, der mit 13:15,60 Zweiter wurde. Bronze ging an den Franzosen Etienne Daguinos in 13:16,09. Ingebrigtsens Renntaktik und sein Antritt in der letzten Kurve erwiesen sich als entscheidend; erst rund 600 Meter vor dem Ziel sei ihm bewusst geworden, dass ein Sieg möglich sei, sagte der Olympiasieger.
Der Erfolg markiert eine Fortsetzung seiner beeindruckenden Bilanz bei Europameisterschaften: Bislang hatte Ingebrigtsen bei EM-Rennen noch nie eine Niederlage erlitten. Das Comeback macht diese Serie umso bemerkenswerter, weil der Athlet kurz zuvor medizinisch und trainingsmäßig stark eingeschränkt gewesen war.
Weitere Entscheidungen am EM-Abend
Der Abend in Birmingham brachte nicht nur das spektakuläre Finish über 5.000 m. Norwegen sammelte weiter Gold: In der Mixed-Staffel über 4 x 400 m gewann die Mannschaft in der Besetzung Karsten Warholm, Amalie Iuel, Andreas Ofstad Kulseng und Henriette Jaeger in 3:09,62 Minuten ebenfalls Gold.
| Platz | Athlet | Nation | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Jakob Ingebrigtsen | NOR | 13:15,29 |
| 2 | Florian Bremm | GER | 13:15,60 |
| 3 | Etienne Daguinos | FRA | 13:16,09 |
- Comeback nach Achillessehnen-Operation im Februar
- Nur rund sechs Wochen echtes Training vor dem EM-Start
- Ingebrigtsens siebte EM-Goldmedaille
Abgesehen von den Laufentscheidungen gab es in anderen Disziplinen ebenfalls klare Siege: Im Kugelstoßen gewannen Leonardo Fabbri (Italien) mit 22,31 m und Jessica Schilder (Niederlande) mit 20,73 m souverän ihre Wettbewerbe.
Für Österreich rückt die EM-Veranstaltung in Birmingham als wichtige Standortbestimmung der Leichtathletik-Saison näher ins Blickfeld: Während internationale Spitzenathleten wie Ingebrigtsen nach Rückschlägen schnelle Comebacks schaffen, bleibt abzuwarten, wie sich heimische Athletinnen und Athleten gegen die starke europäische Konkurrenz behaupten werden.
In sportlicher Hinsicht war der Abend in Birmingham ein Beleg dafür, dass Erfahrung, Rennintelligenz und Timing oft den Ausschlag geben. Ingebrigtsens Sieg ist nicht nur ein persönliches Triumphzeichen, sondern auch eine Erinnerung daran, wie eng Spitzensport an Belastbarkeit, medizinischer Betreuung und mutigen Entscheidungen verknüpft ist.