Ho-Chi-Minh-Stadt hat einen Entwurf für ein umfassendes Aktionsprogramm vorgelegt, das die Metropole auf den Weg zu einer sauberen Umwelt und zu Netto-Null-Emissionen bis 2045 bringen soll. Bei einer Pressekonferenz am 13. August erläuterte die Leiterin der städtischen Abteilung für Meteorologie, Hydrologie und Klimawandel, Ngo Nguyen Ngoc Thanh, die Zielsetzungen und die wichtigsten Maßnahmen bis 2030.
Konkrete Indikatoren statt vager Zusagen
Der Aktionsplan enthält nach Angaben der Behörde 18 spezifische Indikatoren, die auf die Besonderheiten von Ho-Chi-Minh-Stadt zugeschnitten sind. Diese Indikatoren sind in sechs Themenbereiche gegliedert:
- Finanzielle Ressourcen für die Umwelt
- Bekämpfung der Umweltverschmutzung und Umweltqualität
- Naturschutz und Biodiversität
- Katastrophenvorsorge
- Grünes Wachstum
- Reduzierung der Treibhausgasemissionen
Als konkrete Zielvorgaben nennt der Entwurf unter anderem, dass 100 % der Haushaltsabfälle in städtischen und ländlichen Gebieten gesammelt und verarbeitet werden sollen, während der Anteil der direkten Deponierung auf unter 10 % begrenzt werden soll. Damit rückt die Abfallwirtschaft in den Mittelpunkt der städtischen Klimapolitik.
Schwerpunkt: Hotspots und Verwaltungskapazität
Der Plan priorisiert die Lösung von Umwelt-„Hotspots“ und sieht vor, die städtischen Kapazitäten in den Bereichen Umweltpolitik, Klimaanpassung sowie Katastrophenprävention und -bekämpfung bis 2030 zu stärken. Gleichzeitig soll eine strenge Kontrolle der Hauptverschmutzungsquellen eingeführt und stark verschmutzte Gebiete saniert werden. Ziel ist es, die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern und zugleich grüne Flächen, eine Kreislaufwirtschaft und eine kohlenstoffarme Wirtschaft zu fördern.
| Handlungsfeld | Beispielziel |
|---|---|
| Abfallwirtschaft | 100 % Sammlung und Verarbeitung; direkte Deponierung <10 % |
| Klimaanpassung | Stärkung der Kapazitäten zur Katastrophenvorsorge |
| Wirtschaft | Förderung grüner und kreislaufbasierter Wirtschaftsformen |
Implikationen und Herausforderungen
Der Entwurf verbindet kurzfristige Ziele bis 2030 mit einem langfristigen Klimaziel für 2045. Dabei ergeben sich mehrere Herausforderungen:
- Die Umsetzung verlangt erhebliche Investitionen in Infrastruktur für Abfalltrennung, -verarbeitung und Recycling sowie in Kontroll- und Monitoring-Systeme.
- Die begrenzten Waldflächen der Stadt schränken bestimmte naturschutzbezogene Maßnahmen ein und erfordern angepasste Strategien.
- Die Sanierung starker Verschmutzungsgebiete wird technische und planerische Kapazitäten erfordern sowie eine enge Koordination zwischen städtischen Abteilungen und regionalen Behörden.
Die Formulierung stadtbezogener Indikatoren signalisiert jedoch eine Professionalisierung der Umweltverwaltung: Statt breit gesteckter Ziele definiert Ho-Chi-Minh-Stadt messbare Vorgaben, mit denen Fortschritt überprüfbar werden soll. Für andere Ballungsräume kann das Vorgehen als Blaupause dienen, weil es sowohl operative Maßnahmen als auch Governance-Aspekte adressiert.
Weg zur Klimaneutralität
Die Kombination aus Abfallreform, Verschmutzungsbekämpfung, Schutz der Biodiversität und Förderung einer kohlenstoffarmen Wirtschaft soll die Grundlage für das langfristige Ziel der Netto-Null-Emissionen bilden. Wie schnell und effizient dieser Übergang gelingt, hängt von der Finanzierung, der technischen Umsetzung und der Einbindung der privaten Wirtschaft und der Zivilgesellschaft ab. Der vorgelegte Entwurf legt erste Meilensteine fest, belässt aber viele Detailfragen zur praktischen Umsetzung offen.
Die nächsten Schritte sind die Diskussion und Verabschiedung des Entwurfs durch die zuständigen Gremien sowie die konkrete Ausarbeitung von Maßnahmenpaketen und Finanzierungsplänen. Beobachter erwarten, dass die städtischen Behörden die Indikatoren zur Grundlage für Monitoring-Berichte machen, um Fortschritte bis 2030 und darüber hinaus messbar darzustellen.