In Hamburg beginnt am 1. November das diesjährige Winternotprogramm für obdachlose Menschen. Während der kalten Monate stehen damit rund 1.100 Übernachtungsplätze zur Verfügung. Das Angebot umfasst nicht nur einen geschützten Schlafplatz, sondern auch Verpflegung, eine medizinische und pflegerische Grundversorgung sowie Sozialberatung. Neu ist, dass diese Beratung heuer ab der dritten Nacht verpflichtend vorgesehen ist. Die Änderung ist umstritten.
Zusätzliche Plätze an zwei Standorten
Das seit 34 Jahren bestehende Programm soll Menschen helfen, die für die Nacht keine andere Unterkunftsmöglichkeit haben und sich nicht selbst behelfen können. Die ganzjährig geöffneten städtischen Notübernachtungsstätten Pik As in der Neustädter Straße und Frauenzimmer in der Hinrichsenstraße werden während des Winters durch weitere Einrichtungen ergänzt.
In der Friesenstraße in Hammerbrook entstehen 400 zusätzliche Plätze. Weitere 300 Plätze kommen in der Châu-und-Lân-Straße in Moorfleet hinzu. Außerdem bieten Kirchengemeinden und Hochschulen in Containern zusammen 90 zusätzliche Schlafmöglichkeiten an. Das Programm ist bis 31. März vorgesehen.
| Bereich | Angabe |
|---|---|
| Beginn | 1. November |
| Ende | 31. März |
| Plätze insgesamt | rund 1.100 |
| Zusätzliche Plätze Friesenstraße | 400 |
| Zusätzliche Plätze Châu-und-Lân-Straße | 300 |
| Weitere Plätze in Containern | 90 |
Aufnahme ohne vorherige Formalitäten
Wer einen Schlafplatz benötigt, kann sich an die Einrichtung in der Friesenstraße wenden. Dort wird nach Angaben der Sozialbehörde geklärt, an welchem Standort eine Unterbringung möglich ist. Eine vorherige Anmeldung oder andere Formalitäten sind für die Aufnahme nicht notwendig. Übernachtet wird zumeist in Zwei- oder Dreibettzimmern, die Nutzung ist kostenlos.
Die städtischen Unterkünfte in der Friesenstraße und in Moorfleet sind täglich von 17.00 bis 9.30 Uhr geöffnet. Für die Bewohnerinnen und Bewohner gibt es dort ein Frühstück und am Abend eine Mahlzeit. Zusätzlich ist eine medizinische sowie pflegerische Basisversorgung vorgesehen. Das Programm soll damit in erster Linie Schutz während der Nacht bieten, aber auch den Zugang zu grundlegender Betreuung ermöglichen.
Sozialberatung wird nach zwei Nächten verpflichtend
Eine wichtige Veränderung betrifft die Sozialberatung. Sie war bisher Teil des Angebots, muss nun aber ab der dritten Übernachtung verpflichtend in Anspruch genommen werden. Damit verbindet die Stadt den unmittelbaren Schutz vor Kälte stärker mit dem Versuch, die betroffenen Menschen sozial zu erreichen. Gerade an diesem Punkt gibt es unterschiedliche Einschätzungen.
Die verpflichtende Beratung wird als umstritten beschrieben, ohne dass die einzelnen Positionen näher ausgeführt werden. Fest steht jedoch: Das Winternotprogramm bleibt ein zeitlich begrenztes Nachtangebot. Es richtet sich ausschließlich an obdachlose Menschen, die eine Übernachtungsmöglichkeit brauchen. Die Regelung ab der dritten Nacht macht die Sozialberatung zu einem festen Bestandteil des Aufenthalts, während die erste Aufnahme weiterhin ohne vorgelagerte Formalitäten möglich ist.
Auslastung fiel zuletzt unterschiedlich aus
Wie stark die Plätze tatsächlich benötigt werden, unterscheidet sich je nach Standort. In der vergangenen Wintersaison lag die Auslastung in der Friesenstraße und in der Châu-und-Lân-Straße laut Angaben bei 71 Prozent. Die Containerplätze in den Kirchengemeinden waren dagegen vollständig belegt. Dort betrug die Auslastung 100 Prozent.
Die Zahlen zeigen eine unterschiedliche Nachfrage innerhalb des Systems. Während in den beiden genannten städtischen Einrichtungen noch Kapazitäten frei blieben, waren die kleineren, von Kirchengemeinden getragenen Angebote zur Gänze ausgelastet. Für den bevorstehenden Winter hält Hamburg an der Kombination aus städtischen Notquartieren und zusätzlichen Plätzen bei Kirchen und Hochschulen fest. Für Menschen ohne Unterkunft soll damit zumindest während der kalten Monate ein erreichbarer Schlafplatz bereitstehen.