In Hanoi ist die lange Bildungstradition Vietnams mit einer wissenschaftlichen Konferenz über den Gelehrten Ngo Thi Nham und seine Familie gewürdigt worden. Die Veranstaltung fand am 28. Oktober im Kultur- und Wissenschaftszentrum Van Mieu-Quoc Tu Giam statt, das sich auf dem Gelände des Nationalen Sonderdenkmals Van Mieu-Quoc Tu Giam befindet. Im Mittelpunkt standen die Geschichte der Familie Ngo Thi im Dorf Ta Thanh Oai und ihr Beitrag zur Gelehrsamkeit, zum Schreiben und zum Dienst am Land.
Bildung als staatliche Aufgabe
Der Workshop war mit zwei historischen Gedenkanlässen verbunden: der Gründung der Kaiserlichen Akademie Quoc Tu Giam vor 950 Jahren und dem 280. Geburtstag von Doktor Ngo Thi Nham. Die Akademie wurde im Jahr 1076 während der Ly-Dynastie gegründet. Nach Darstellung des Kultur- und Wissenschaftszentrums gilt sie als bedeutender Meilenstein der vietnamesischen Bildungsgeschichte.
Mit Quoc Tu Giam verband sich demnach nicht nur eine Ausbildungsstätte, sondern auch ein umfassender staatlicher Anspruch. Gemeinsam mit dem Bildungs- und Prüfungssystem trug die Akademie über Jahrhunderte dazu bei, Fleiß, den Respekt vor Lehrkräften und die Anerkennung von Talent als gesellschaftliche Werte zu festigen. Aus diesem Umfeld gingen Generationen von Intellektuellen hervor, die laut dem Zentrum beim Aufbau, beim Schutz und bei der Entwicklung des Landes eine wichtige Rolle spielten.
„Doktor Ngo Thi Nham (1746–1803) und die Gelehrtentradition der Familie Ngo Thi im Dorf Ta Thanh Oai (Hanoi)“
Eine Familie als Beispiel für Bildung über Generationen
Die Familie Ngo Thi aus Ta Thanh Oai wurde bei der Konferenz als Beispiel dafür vorgestellt, wie Bildung und akademische Leistungen über Generationen weitergegeben werden können. Das Dorf liegt in Hanoi, einer Stadt, die seit Langem als politisches, kulturelles und Bildungszentrum Vietnams beschrieben wird. Zugleich ist Hanoi mit mehreren Gelehrtendörfern und Gelehrtenfamilien verbunden, die eine lange Geschichte des Lernens und gesellschaftlichen Engagements aufweisen.
Nach Angaben des Kultur- und Wissenschaftszentrums werden dort noch immer sieben Stelen aufbewahrt. Auf ihnen sind die Namen von fünf Doktoren aus der Familie Ngo Thi verzeichnet. Die Denkmäler dokumentieren damit nicht nur einzelne akademische Erfolge. Sie stehen auch für eine familiäre und gesellschaftliche Vorstellung, wonach Bildung über längere Zeiträume gepflegt und weitergegeben wird.
Ngo Thi Nham im Mittelpunkt
Eine herausragende Persönlichkeit dieser Familie war Ngo Thi Nham, der von 1746 bis 1803 lebte. Sein Vater war Doktor Ngo Thi Si, der von 1726 bis 1780 lebte. Ngo Thi Si wird als politisch und historisch tätige Persönlichkeit beschrieben. Ngo Thi Nham wiederum gab der Konferenz ihren zentralen Bezugspunkt. Die Beschäftigung mit seinem Leben und Wirken sollte zugleich die breitere Geschichte der Familie und ihres Bildungsverständnisses sichtbar machen.
Die Eröffnungsrede hielt Le Xuan Kieu, der Direktor des Kultur- und Wissenschaftszentrums Van Mieu-Quoc Tu Giam. Die Konferenz verband damit historische Erinnerung und wissenschaftliche Auseinandersetzung. Im Zentrum standen nicht nur die Lebensdaten eines Gelehrten, sondern auch die Frage, wie eine Tradition des Lernens, des Schreibens und des öffentlichen Engagements über mehrere Generationen Bestand haben kann.
| Anlass | Historischer Bezug |
|---|---|
| Gründung von Quoc Tu Giam | 1076, vor 950 Jahren |
| Geburtstag von Ngo Thi Nham | 1746, vor 280 Jahren |
| Dokumentierte Familiengeschichte | Sieben Stelen mit fünf Doktoren |
Die Veranstaltung stellte damit eine Verbindung zwischen institutioneller Bildungsgeschichte und familiärer Erinnerung her. Quoc Tu Giam steht für den staatlichen Aufbau von Ausbildung und Prüfungswesen, die Stelen von Ta Thanh Oai für die konkrete Weitergabe von Wissen und Anerkennung innerhalb einer Gelehrtenfamilie. Gemeinsam verweisen beide Ebenen auf ein Bildungsverständnis, in dem Fleiß, Respekt vor Lehrkräften und die Förderung von Talent eine zentrale Rolle einnehmen.
Das Jubiläumsjahr 2026 bot den Anlass, diese Tradition öffentlich und wissenschaftlich zu beleuchten. Die Konferenz in Hanoi würdigte dabei sowohl die historische Bedeutung der Kaiserlichen Akademie als auch die Familie Ngo Thi als Beispiel für langfristiges akademisches und gesellschaftliches Engagement.