Die Murhardsche Bibliothek an der Universität Kassel ist nach neun Jahren Bau- und Sanierungsarbeiten nun wieder vollständig geöffnet. Die Leitung der Universität und das zuständige Land Hessen stellten die Wiederinbetriebnahme des Hauses als wichtigen Schritt für Forschung und Öffentlichkeit heraus.
Schätze zurück im modernen Tresorraum
Im Zentrum der vollendeten Restaurierungsarbeiten steht ein neu errichteter, moderner Tresorraum, in dem bedeutende mittelalterliche Handschriften und Kulturgüter nun geschützt präsentiert werden. Zu den wieder vor Ort verwahrten Stücken zählen unter anderem die Immenhäuser Gutenberg-Bibel, der Willehalm-Kodex aus dem 14. Jahrhundert und das auf zwei Pergamentblättern erhaltene Hildebrandlied, das als einzigartiges literarisches Zeugnis eines germanischen Heldengedichts in deutscher Sprache gilt.
- Sanierungsdauer: neun Jahre
- Gesamtkosten laut Land Hessen: 17,9 Millionen Euro
- Größe des Tresorraums: 210 Quadratmeter
Die Handschriften waren seit 2012 ausgelagert und konnten jetzt wieder nach Kassel zurückgeführt werden. Die Universität betont den Gewinn für Forschung und Öffentlichkeit: Die Sammlung sei nicht nur für Spezialistinnen und Spezialisten von Bedeutung, sondern trage auch zur Bildung und zur Vermittlung verlässlichen Wissens in einer zunehmend digitalen Welt bei.
„Die vollständige Wiedereröffnung der Murhardschen Bibliothek ist ein großer Gewinn für die Forschung und für die Öffentlichkeit“,
äußerte Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) laut Mitteilung der Universität. Er betonte damit die Rolle von Bibliotheken als Orte der Orientierung und des Austauschs.
Räume, Technik und Zugänglichkeit
Das erneuerte Haus bietet neben dem Tresorraum ein Magazin, einen Lesesaal und modernste Sicherheitstechnik. Damit sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um die wertvollen Bestände dauerhaft zu bewahren und gleichzeitig Forschungsvorhaben, Lehrveranstaltungen und wissenschaftliche Nutzung zu ermöglichen.
| Bereich | Merkmal |
|---|---|
| Tresorraum | 210 m², moderne Präsentation |
| Sammlungen | Immenhäuser Gutenberg-Bibel, Willehalm-Kodex, Hildebrandlied |
| Kosten | 17,9 Millionen Euro (Land Hessen) |
Die Murhardsche Bibliothek gehört seit 1905 zur Universität Kassel. Der Sanierungsbeginn datiert auf 2017; Teile des Neubaus und des sanierten Kopfbaues waren bereits 2024 teilweise eröffnet worden. Die vollständige Wiederinbetriebnahme schließt damit eine längere Phase der Auslagerung und teilweisen Nutzung ab.
Bedeutung für Lehre und Forschung
Für die Bildungsberichterstattung ist die Wiedereröffnung insofern bedeutsam, als dass physische Bestände und ihre Verfügbarkeit direkte Auswirkungen auf wissenschaftliche Arbeit, Lehre und kulturhistorische Forschung haben. Handschriften wie die Gutenberg-Bibel oder der Willehalm-Kodex sind nicht nur Forschungsobjekte, sondern auch Anschauungs- und Lehrmittel, die in Seminaren, Ausstellungen und Forschungsprojekten genutzt werden können.
Die Rückkehr dieser Bestände nach Kassel wird voraussichtlich die regionalen und überregionalen Forschungskapazitäten stärken. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie diese Ressourcen dauerhafter Bestandteil von Bildungsangeboten werden können, ohne dass Schutz- und Konservierungsinteressen darunter leiden. Die moderne Sicherheitstechnik und die räumlichen Kapazitäten der Bibliothek bilden dafür die Grundlage.
Für Lehrende, Studierende und Forschende bedeutet die Wiedereröffnung eine verbesserte Zugänglichkeit zu einmaligen Primärquellen. Für die breite Öffentlichkeit eröffnet sich die Möglichkeit, kulturhistorische Originale wieder vor Ort anzusehen – ein Beitrag zur historischen Bildung, der in Zeiten digitaler Informationsangebote besondere Bedeutung behält.